# taz.de -- Rechtsextreme Demos in Berlin: Nazis für Häftlinge und Umsturz
       
       > Am Samstag gehen Neonazis in Mitte für ihre „politischen Gefangenen“ auf
       > die Straße. Nach Marzahn mobilisiert „Der Dritte Weg“.
       
 (IMG) Bild: Gute Nacht, Deutschland!
       
       Bianca Witzschel, Reichsbürgerin und Hausärztin, die massenhaft falsche
       Corona-Atteste ausstellte, der österreichische Neonazi-Musiker und
       NS-Verherrlicher Manuel Eder, der Holocaust-Leugner Alfred Schäfer oder
       [1][NSU-Unterstützer Ralph Wohlleben] – in der rechtsextremen Szene gelten
       sie als „politische Gefangene“, die angeblich allein wegen
       Gesinnungsdelikten im Gefängnis säßen. Um ihre Freiheit zu fordern, wollen
       Rechtsextreme und Verschwörungsideolog:innen am Samstag in
       Berlin-Mitte auf die Straße gehen.
       
       Die Wahl des Datums ist dabei eine besondere Provokation. Als
       „Internationaler Tag der politischen Gefangenen“ dient der 18. März linken
       und Menschenrechtsgruppen seit Jahrzehnten als Anlass, um auf die
       Verfolgung von oppositionellen Aktivist:innen, insbesondere in
       diktatorischen Regimen hinzuweisen. Die Rote Hilfe bringt zu diesem Anlass
       jedes Jahr eine Sonderzeitung heraus.
       
       Nun versucht die extreme Rechte den Anlass und das Wording für sich zu
       kapern. Der Aufruf für die Demonstration mit angemeldeten 200
       Teilnehmer:innen kommt von einer überregionalen rechtsextremen
       Vernetzung mit der Webseite „Politische Gefangene“, in deren Impressum der
       Bremer Rechtsextremist Henrik Ostendorf steht, ein Drahtzuieher zwischen
       der früheren NPD, die heute Die Heimat heißt, und subkultruellen
       Rechtsextremisten.
       
       Zu dem Aufzug, der um 13 Uhr am Potsdamer Platz starten soll, mobilisiert
       die Deutsche Jugend Voran (DJV), jene Gruppe, die durch ihre gewalttätigen
       Aktionen, aber auch einer Einstufung des Verfassungsschutzes als
       [2][„gesichert rechtsextrem“] so etwas wie eine Führungsrolle innerhalb der
       jugendkulturellen rechten Szene innehat. Mit Julian M., Gründer und
       Oberhaupt der Gruppe, hat auch sie einen Gefangenen zu beklagen. M. war
       vergangenes Jahr wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und
       Bedrohung [3][zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden,] die er
       im September antrat.
       
       Wo die DJV ist, sind auch die rechtsextreme Partei Die Heimat und ihre
       Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten nicht weit. In deren Netzwerken
       wird die Demo ebenso beworben. Denn zuletzt hatten die Jugendlichen
       [4][bewusst Anschluss] an die Parteistrukturen gesucht. [5][Eine erste
       gemeinsame Demo im November wurde allerdings von Antifaschist:innen
       blockiert]. Auch diesmal sind mehrere Gegenkundgebungen in unmittelbarer
       Nähe angekündigt.
       
       Unabhängig davon findet am Brandenburger Tor eine Demonstration für eine
       Überprüfung der AfD durch das Bundesverfassungsgericht statt. Organisiert
       wird die Bewegung, die monatlich in allen Landeshauptstädten zusammenkommt,
       von dem Satiriker Nico Semsrott.
       
       ## Nazis auch in Marzahn
       
       Doch der antifaschistische Protest muss sich aufteilen. Auch die
       Neonazi-Partei Der Dritte Weg geht am Samstag in Berlin auf die Straße, wie
       erst am Donnerstag bekannt wurde. Die militant auftretenden und
       kampfsportaffinen Rechtsextremen haben eine Demonstration angekündigt, die
       ab 12 Uhr von der Marzahner Promenade am Einkaufszentrum Eastgate eine
       Runde durch Marzahn ziehen will. Nach Angaben der Polizei wurden 100
       Teilnehmer:innen angemeldet. Das Motto des Aufmarsches: „Unsere
       Alternative heißt Revolution.“
       
       Die letzte Demo der Partei fand vor fast genau einem Jahr in Hellersdorf
       statt. Damals hatten sich 250 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet
       beteiligt. Wegen Hitlergrüßen, Landfriedensbruch und Angriffen auf
       Polizist:innen waren 20 Personen festgenommen worden.
       
       Eine erste Gegendemonstration ist bereits angemeldet und soll um 11 Uhr an
       der Raoul-Wallenberg-Straße starten. Ein Sprecher der Berliner Polizei
       sagte, er rechne mit der Anmeldung weiterer Gegenproteste.
       
       12 Mar 2026
       
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