# taz.de -- BSW-Wahldebakel in Baden-Württemberg: Sag mir, wo die Wähler sind, wo sind sie geblieben
       
       > Die Wahl in Baden-Württemberg endet für die Wagenknecht-Partei desaströs.
       > Ähnliches ist in Rheinland-Pfalz zu erwarten. War es das für das BSW im
       > Westen?
       
 (IMG) Bild: „Keine reine Ostpartei“: BSW-Fahnenträgerin im schleswig-holsteinischen Flensburg
       
       Dass es für den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg nicht reichen
       würde, war allen Beteiligten schon zuvor klar. Überraschend war dann aber
       doch, wie deutlich das Bündnis Sahra Wagenknecht im Südwesten scheiterte.
       Gerade mal 1,4 Prozent holte das BSW bei der Wahl am Sonntag. Das ist noch
       weniger als das wenige, [1][das Umfragen im Vorfeld der Wahl der
       Wagenknecht-Partei zugetraut hatten].
       
       „Da müssen wir gar nicht drum herumreden. Das ist schlecht, das ist nicht
       das Ergebnis, das wir angestrebt haben“, sagt BSW-Generalsekretär Oliver
       Ruhnert am Dienstag zur taz. Dabei hatte die Partei im Wahlkampf alle
       Register gezogen: soziale Forderungen hier, Law and Order und
       Wirtschaftsfreundlichkeit dort, ganz viel Frieden und dazu das im
       südwestdeutschen Querdenkermilieu beliebte Thema Coronaaufarbeitung.
       
       Genutzt hat es nichts. Hatte das BSW bei der Bundestagswahl im Februar 2025
       in Baden-Württemberg noch mehr als 260.000 Stimmen eingefahren, waren es
       jetzt nur rund 76.000. Über zwei Drittel der Wähler:innen sind somit von
       der Fahne gegangen. Wohin? Unklar. In Umfragen zur Wählerwanderung taucht
       die Partei aufgrund der geringen Stimmenzahl nicht auf. Ohnehin wäre hier
       der Bezugspunkt die Landtagswahl 2021, als es das BSW noch nicht gab.
       
       Auch Oliver Ruhnert weiß nicht genau, wo die Wähler:innen abgeblieben
       sind. Den Vergleich zur Bundestagswahl lässt er aber sowieso nicht gelten.
       Der ehemalige Manager des Fußballerstligisten 1. FC Union Berlin sagt, das
       sei „zu kurz gedacht“. Die Wahlbeteiligung, so Ruhnerts Erklärung, war bei
       der Bundestagswahl ja doch sehr viel höher als jetzt bei der Landtagswahl.
       „Und eine niedrige Wahlbeteiligung ist bekanntermaßen immer schlecht für
       kleine Parteien.“
       
       ## Deutungen eines Desasters
       
       Wie der Generalsekretär der Bundespartei tut sich auch Baden-Württembergs
       BSW-Spitzenkandidat Joachim Tabler schwer mit schlüssigen Erklärungen für
       das unerwartet desaströse Abschneiden. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass
       Parteien beim ersten Antritt der Einzug ins Parlament nicht gelingt“, sagt
       Tabler zur taz – dezent unterschlagend, dass das BSW 2024 nur wenige Monate
       nach seiner Gründung auf Anhieb den Sprung ins Europaparlament und in drei
       ostdeutsche Landtage schaffte.
       
       Tabler wie Ruhnert verweisen zudem auf die Zuspitzung im
       baden-württembergischen Wahlkampf durch den „Zweikampf der
       Spitzenkandidaten von CDU und Grünen“, Manuel Hagel und Cem Özdemir, der
       dem BSW zugesetzt habe. „Das ist ja irrational gelaufen“, sagt Ruhnert, „da
       haben viele Cem Özdemir gewählt, die auf Bundesebene nie im Leben die
       Grünen wählen würden“.
       
       Eine für das BSW interessante Deutung. Schließlich kommt für die
       Wagenknecht-Getreuen hinter den verhassten Grünen nur noch der Leibhaftige.
       Und mit der CDU ist es für sie auch längst aus. So wird Parteigründerin
       Sahra Wagenknecht nicht müde zu betonen, dass CDU-Chef Friedrich Merz
       „wahrscheinlich der schlechteste Bundeskanzler in der Geschichte der
       Bundesrepublik“ sei.
       
       Aber letztlich spielt es keine Rolle, ob Grüne, CDU, SPD oder Linke. Für
       die Verfechter:innen der reinen Lehre gilt: Alle böse, alles schlecht,
       außer Sahra Wagenknecht. Möglicherweise liegt die Ursache also doch
       woanders – im allgemeinen Bedeutungsverlust des BSW zum Beispiel. Auch
       Oliver Ruhnert sagt zur Wahl vom Sonntag: „Die Aufmerksamkeit, die das BSW
       vor der Bundestagswahl hatte, die hatte es jetzt nicht mehr. Es war
       unglaublich schwer für uns durchzudringen.“
       
       ## Düstere Aussichten in Rheinland-Pfalz
       
       Wenig erbaulich ist dann auch der Blick auf die nächste Landtagswahl in
       Rheinland-Pfalz in eineinhalb Wochen. Auch hier läuft das BSW in Umfragen
       unter Sonstige. Ruhnert sagt zwar: „Ich gehe davon aus, dass wir in
       Rheinland-Pfalz ein besseres Ergebnis holen werden als in
       Baden-Württemberg, auch weil wir hier mehr Direktkandidaten haben.“ Von der
       Fünfprozenthürde und einem Einzug in den Mainzer Landtag spricht er nicht.
       
       Es sei der Bundespartei gleichwohl „von Anfang an“ klar gewesen, „dass wir
       es bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz schwer haben
       würden“. Das werde im September bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt,
       Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ganz anders aussehen.
       
       Tatsächlich sehen Demoskop:innen die Wagenknecht-Partei in den drei
       Ländern aktuell um die Fünfprozenthürde herumturnen. Ob das in sechs
       Monaten auch noch der Fall ist, steht auf einem anderen Blatt. In
       Sachsen-Anhalt, wo am vergangenen Wochenende die Liste zur Landtagswahl
       aufgestellt wurde, [2][ist das BSW tief zerstritten].
       
       In Mecklenburg-Vorpommern fliegen ebenfalls die Fetzen, öffentlich ist die
       Rede von [3][„kleinkariertem Gekeife und Gehacke“]. Anfang Februar nahm
       zudem Mecklenburg-Vorpommerns Parteichef Peter Langer nach nur vier Monaten
       im Amt schon wieder seinen Hut. Ihm fehle doch die Zeit für die Arbeit an
       der Spitze des Landesverbands, erklärte der Rostocker Chemieprofessor.
       
       ## Last Exit Ostdeutschland?
       
       Und dennoch: Anders als im Osten scheint der Zug für das BSW im Westen
       bereits auf dem Abstellgleis angekommen. Schon im vergangenen Jahr war die
       Partei bei der Hamburger Bürgerschaftswahl und der [4][Kommunalwahl in
       Nordrhein-Westfalen] mit 1,8 beziehungsweise 1,1 Prozent abgeschmiert. Nun
       kommen Baden-Württemberg und absehbar Rheinland-Pfalz hinzu.
       
       Jetzt mal halblang, sagt Generalsekretär Oliver Ruhnert. „Und, nein, das
       BSW ist nicht dabei, eine reine Ostpartei zu werden. Uns gibt es einfach
       noch nicht so lange.“ In Baden-Württemberg etwa würden die Parteistrukturen
       ja gerade erst aufgebaut. „Wären die Wahlen erst nächstes Jahr gewesen,
       dann hätten wir sehr wahrscheinlich schon deutlich mehr Kandidaten und
       Strukturen gehabt und wesentlich besser abgeschnitten, davon bin ich
       überzeugt.“
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /BSW-in-Baden-Wuerttemberg/!6157564
 (DIR) [2] /Machtkampf-im-BSW-Sachsen-Anhalt/!6132257
 (DIR) [3] https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/kleinkariertes-gekeife-bsw-kandidat-eisbrenner-will-doch-nicht-in-landtag,tinoeisbrennerbsw-100.html
 (DIR) [4] /Kommunalwahlen-in-Nordrhein-Westfalen/!6113730
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rainer Rutz
       
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