# taz.de -- Stotternder Start für Grün-Schwarz: „Alle sind auf den Bäumen“
       
       > Die CDU in Baden-Württemberg fühlt sich um den Sieg betrogen. Noch immer
       > sorgt eine angebliche Schmutzkampagne rund um Hagel für Aufregung.
       
 (IMG) Bild: Gute Stimmung sieht anders aus: Manuel Hagel, CDU (l.), und der neue Ministerpräsident von Baden Württemberg Cem Özdemir, Grüne
       
       Sie kommen nicht drüber weg. Zwei Tage nach der Wahl, leckt die CDU in
       Baden-Württemberg immer noch ausgiebig ihre Wunden über den knapp
       vergeigten Wahlsieg. Und versucht damit auch ganz strategisch, den eigenen
       Verhandlungsspielraum zu vergrößern. „Alle sind auf den Bäumen“, sagt ein
       Vorstandsmitglied.
       
       Vorläufiger Höhepunkt der Nachwahlstreitereien: Nachdem Manuel Hagel
       überraschend früh am Wahlabend seine Niederlage eingestanden hatte, kommt
       die Parteispitze am Montag mit der Rotationsidee aus Berlin zurück.
       Zweieinhalb Jahre Hagel als Ministerpräsident und zweieinhalb Jahre
       Özdemir, hatte Bundestagsfraktionschef Jens Spahn vorgeschlagen.
       
       Aber der designierte MP Cem Özdemir (Grüne) geht eine Stunde später in
       Stuttgart vor die Presse und räumt diesen „Quatsch“ ab. Ob denn als
       nächstes eine Doppelspitze vorgeschlagen werde oder eine Teamlösung, fragt
       [1][er abends beim SWR ironisch]. „Wir machen erwachsene Politik“, dafür
       sei die Lage zu ernst, so Özdemir. In dieser Sendung wird er schon als
       angehender Ministerpräsident interviewt.
       
       Am Montagnachmittag schließt Hagel im Parteivorstand erst mal die Reihen.
       Er bietet seinen Rücktritt an, was einstimmig abgelehnt wird. Am Dienstag
       lässt er sich von der neuen Fraktion bis auf weiteres zum
       Fraktionsvorsitzenden wählen. Mit dieser gestärkten Fraktion bestreitet die
       CDU den Führungsanspruch von Cem Özdemir.
       
       ## Genauso viele Mandate
       
       Denn durch den [2][knappen Wahlausgang] hat die CDU genauso viele Mandate
       wie die Grünen. Dennoch haben die knapp 30.000 Stimmen mehr. Mehr als
       genug, um das Amt des Ministerpräsidenten zu beanspruchen. Das sei in
       Deutschland gute Tradition, sagt Özdemir. In der Wahlnacht hatte er
       Verhandlungen auf Augenhöhe angekündigt.
       
       Schon im letzten Kabinett Kretschmann hatte die CDU trotz einer
       historischer Niederlage genau so viele Kabinetts-Ressorts wie die Grünen.
       Diesmal will die CDU mehr erreichen. Dafür hält sie auch die Debatte um
       Hagels [3][Rehaugen-Video] weiter am Köcheln, ohne zu fragen, ob die
       anhaltende Debatte darüber nicht auch dem eigenen Spitzenkandidaten weiter
       schadet.
       
       Parteigeneral Vogt ist das offenbar egal, er spricht auch am Montag wieder
       von einer „niederträchtigen Vernichtungskampagne nach amerikanischem
       MAGA-Trump-Vorbild“. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) springt der
       Führung bei. Man habe Hagel bewusst versucht zu desavouieren, sagt der
       Minister, der sich mit so etwas auskennt: Er war es, der vor zwei Jahren
       die gewaltsamen Proteste gegen den „grünen Aschermittwoch“ gerechtfertigt
       hat, indem er sagte, das träfe ja die Richtigen. Auch verbreitete er vier
       Tage vor der Wahl auf [4][Instagram] die Mär, die Grünen wollten private
       Pkws verbieten.
       
       Der schrille Ton zeigt: Offenbar hat man in der CDU Angst, in den
       Koalitionsverhandlungen über den Tisch gezogen zu werden und weitere Jahre
       als Juniorpartner der Grünen zu versauern. Allerdings: Die rechnerische
       Alternative, eine Zusammenarbeit mit der AfD, hat Spitzenkandidat Hagel am
       Montag noch einmal ausgeschlossen. Diese sei „kein Amt der Welt wert“.
       
       Deshalb erinnert ein CDU-Vorstandsmitglied über die Schwäbische Zeitung
       schon mal an die Landesverfassung: Wenn in drei Monaten kein
       Ministerpräsident vereidigt sei, müssten Neuwahlen ausgeschrieben werden.
       Fraglich nur, ob die Wähler so eine künstliche Staatskrise duch die CDU
       danken würden.
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ardmediathek.de/video/swr-die-wahl/zur-sache-extra-der-wahlsieger-im-gespraech/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMDYwNTc
 (DIR) [2] /Landtagswahl-in-Baden-Wuerttemberg/!6153958
 (DIR) [3] /Landtagswahl-in-Baden-Wuerttemberg/!6159346
 (DIR) [4] https://www.instagram.com/reel/DVgQSuhCBcy/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Stieber
       
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