# taz.de -- BSW in Baden-Württemberg: Auf Kriegsfuß mit den Umfragen
       
       > Die Chancen der Wagenknecht-Partei bei der Landtagswahl in
       > Baden-Württemberg stehen schlecht. Ihr unbekannter Spitzenkandidat übt
       > sich im Mutmachen.
       
 (IMG) Bild: „Hören Sie nicht auf irgendwelche Umfragen“: Parteigründerin Sahra Wagenknecht
       
       Zuletzt ist auch Sahra Wagenknecht zur Unterstützung ihrer
       Parteifreund:innen nach Baden-Württemberg gekommen. Am Montagabend
       beehrte die Gründerin des nach ihr benannten Bündnisses Sahra Wagenknecht
       die Stuttgarter Liederhalle, um noch mal so etwas wie Stimmung zu machen
       für die Landtagswahl an diesem Sonntag. Es ging vor allem um den Krieg in
       Iran, „Chaos“, „Flächenbrand“, die „Lügen“ des „Wertewestens“.
       
       Immerhin: Wagenknecht zieht noch. Der Saal war voll. Rund 600
       Besucher:innen folgten dem in vorangegangenen Wahlkämpfen etablierten
       Werberuf „Sahra kommt!“ Zur Wahrheit gehört: Nach Baden-Württemberg kommt
       sie jetzt nicht sonderlich häufig. Abgesehen vom Auftritt in der
       Liederhalle war es das dann schon mit dem wahlkämpferischem Engagement von
       Wagenknecht im Südwesten.
       
       Viel zu gewinnen gibt es wohl auch nicht für sie und ihre Partei im
       drittgrößten deutschen Bundesland. In einigen Umfragen steht die
       Wagenknecht-Partei bei 3 Prozent, in anderen wird sie schon gar nicht mehr
       ausgewiesen. Noch vor eineinhalb Jahren wurde das BSW in Baden-Württemberg
       auf komfortable 8 Prozent taxiert. Das war freilich [1][zu Zeiten des
       großen Hypes]. Vor Äonen also.
       
       „Lassen Sie sich nicht verunsichern, hören Sie nicht auf irgendwelche
       Umfragen“, forderte Wagenknecht in Stuttgart ihre 600 Getreuen auf.
       Ähnlich, aber nicht ganz so knallig formuliert es Baden-Württembergs
       BSW-Spitzenkandidat Joachim Tabler. „Ich bin optimistisch“, sagt Tabler mit
       Blick auf den Ausgang des Wahlabends zur taz. Und: „Umfragen sind kein
       Schicksal. Wenn die Wählerinnen und Wähler am Wahltag ihre Entscheidung
       treffen, zählt nicht die Zahl von gestern.“
       
       ## Politischer Nobody
       
       Der zuvor parteilose Heilbronner Wirtschaftsingenieur Tabler, Jahrgang
       1960, ist erst seit Sommer vergangenen Jahres Mitglied des BSW, im Oktober
       war er bereits Spitzenkandidat. Politische Erfahrung bringt er keine mit.
       Kein Problem, findet Tabler, im Gegenteil: „Wir schicken lieber Leute mit
       Lebens- und Berufserfahrung in Verantwortung als Karrierepolitiker, die nie
       außerhalb des Parlaments gearbeitet haben.“
       
       Nun rekrutiert sich zwar die BSW-Bundesspitze fast ausnahmslos aus
       Ex-Linken-Karrierepolitiker:innen. Für die mit politisch Unerfahrenen
       reichlich bestückte BSW-Landesliste in Baden-Württemberg trifft Tablers
       Befund gleichwohl zu. Und es passt auch zum offiziellen Programm von
       Parteigründerin Wagenknecht; sie trommelt als Alternative zu
       Anti-AfD-Koalitionen wiederkehrend für Expert:innenregierungen in
       den Ländern, die ganz ohne Politiker:innen auskommen sollen.
       
       Der durchaus freundliche Spitzenkandidat Tabler ist auch so auf Linie bei
       den Hauptthemen der Partei. Er ist für Gas aus Russland und gegen das
       „Verbrenner-Aus“, für sichere Arbeitsplätze und gegen Aufrüstung. „Ein
       starkes Bundesland baut Autos, Maschinen und Hochtechnologie, keine Waffen,
       die Menschenleben kosten und ganze Städte in Schutt und Asche legen“, sagt
       Tabler.
       
       Dass in Baden-Württemberg [2][rund 15.000 Arbeitsplätze an der
       Rüstungsbranche hängen], beeindruckt ihn wenig. In der Automobilindustrie
       gehe es um Hunderttausende Jobs. Überhaupt stehe es schlimm um das Land
       nach zehn Jahren Koalition von Grünen und CDU. „Grün-Schwarz hinterlässt
       ein Industrieland im Schongang. Die Verkehrswende stockt, Schulen sind
       überlastet, die Unternehmen wandern ab.“ Die Regierung in Stuttgart
       betreibe doch nur noch „Abstiegsmanagement in Selbstzufriedenheit“, sagt
       Tabler und pflegt die BSW-typische Untergangslyrik.
       
       ## Tatti gibt den Ton an
       
       Geleitet wird das BSW in Baden-Württemberg von [3][der ehemaligen
       Linken-Bundestagsabgeordneten Jessica Tatti] und dem Wirtschaftsprofessor
       Manfred Hentz, vormals SPD-Mitglied. Wobei Tatti dem Vernehmen nach den Ton
       angibt. Im Gegensatz [4][zu anderen BSW-Landesverbänden] machte die Partei
       im Südwesten mit ihren inzwischen rund 1.200 Mitgliedern bislang nicht mit
       internen Querelen von sich reden. Allerdings machte sie auch ansonsten mit
       nichts von sich reden.
       
       Schuld am Absturz der BSW-Zustimmungswerte sind laut Tatti trotzdem die
       anderen, insbesondere die Medien. Schon beim [5][BSW-Bundesparteitag Anfang
       Dezember in Magdeburg] beklagte sie „diese Scheiß-Medienblockade“, die die
       Partei endlich „durchbrechen“ müsse. Tatti treffe den Nagel auf den Kopf,
       sagt ihr Spitzenkandidat Joachim Tabler: „In der Berichterstattung der
       großen Medien bekommen wir kaum Sichtbarkeit, in den Talkshows sitzen immer
       die gleichen Gesichter. Das BSW kommt dann vor, wenn man uns verzerren oder
       skandalisieren will.“
       
       Am Dienstagabend war Sahra Wagenknecht mal wieder zu Gast in der
       ARD-Talkshow „Maischberger“. Es ging wie in Stuttgarts Liederhalle um den
       Krieg in Iran, um „Chaos“, „Flächenbrand“, „Wertewesten“ und so weiter. Der
       gewohnt vergnatzte Auftritt brachte der offiziell nur noch als Chefin der
       BSW-Grundwertekommission fungierenden Parteiheiligen ordentlich Publicity.
       Den Wahlkampf in Baden-Württemberg erwähnte Wagenknecht mit keinem Wort.
       
       4 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Rainer Rutz
       
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