# taz.de -- Erfolgreiche Para-Biathleten: Besser als Preuß und Co – und das in kurzen Hosen
> Endlich geht es bei den Paralympischen Spielen in Norditalien wieder um
> Sport. Die Unstimmigkeiten rund um Russen und Belarussen rücken nach
> hinten.
(IMG) Bild: Wintersport in kurzen Hosen: Marco Maier (r.) erhält beim Para-Biathlon-Sprint Hilfe von Cai Jiayun aus China
Die Orthopädie-Spezialisten von Ottobock mussten am Eröffnungsabend der
Winter-Paralympics noch Sonderschichten an der Nähmaschine leisten. „Wir
haben kurzfristig angefragt, ob sie den Rennanzug sommertauglich machen
können. Es ist schließlich Wintersport, der sollte sich ein bisschen kühl
anfühlen“, plauderte Leonie Walter den zweistündigen Spezialeinsatz [1][im
paralympischen Dorf von Predazzo] aus und fügte mit einem Grinsen hinzu:
„Sie haben ihr Bestes gegeben und das hat sich gelohnt.“
Mit dem umgenähten Rennanzug mit kurzen Armen und Beinen stürmte die
22-Jährige gemeinsam mit Guide Christian Krasman am Samstag zu Bronze im
Biathlon-Sprint. Das gleiche Kunststück als modischer Farbtupfer bei fast
sommerlichen Temperaturen in Lago di Tesero glückte in der stehenden Klasse
Marco Maier: „Das Outfit hat definitiv Glück gebracht.“ Zumal er auch am
Sonntag im Einzelrennen auf den Bronzeplatz stürmte.
Noch erfolgreicher war im ganz normalen Renn-Outfit Anja Wicker in der
sitzenden Klasse. Nach Bronze im Sprint holte sie am Samstag Silber, es
waren ihre Paralympics-Medaillen Nummer vier und fünf. „Zwei Rennen, zwei
Medaillen. Davon träumt man. Ich muss mich kneifen“, sagte Wicker: „Ich
hatte mein Ziel schon mit Bronze am Samstag erreicht und jetzt das
i-Tüpfelchen draufgesetzt. Aber ich bin noch nicht fertig, vielleicht
reicht es ja noch mal zum Podium.“
Fünf Medaillen am Auftaktwochenende bis Redaktionsschluss – damit hatte das
deutsche Para-Team gleich zum Start [2][die schwache Bilanz des deutschen
Olympia-Biathlon-Teams] von einmal Bronze bei den Winterspielen weit
übertroffen. „Ich bin glücklich, dass wir von den Medaillen her mithalten
können“, meinte Leonie Walter nach ihrer insgesamt fünften
Paralympics-Medaille – 2022 in Peking hatte sie einmal Gold und dreimal
Bronze gewonnen – ganz zurückhaltend. Ihr Guide Christian Grasman war einst
selbst ein hoffnungsvoller Biathlet.
## Demütig
Auch Bundestrainer Ralf Rombach wollte nicht frohlocken, dass die deutschen
Para-Biathleten [3][die großen Stars Franziska Preuß und Co] schon nach Tag
1 medaillenmäßig locker in den Schatten gestellt hatten: „Ich bin da ganz
demütig und freue mich, dass es bei uns gut läuft. Es ist auf keinen Fall
so, dass ich jetzt sage: ‚Hehe, wir sind besser.‘“
Einen Wunsch hatte der erfahrene Coach dann aber doch noch an die
olympische Biathlon-Sparte. „Es wäre schön, wenn wir ein Stück weit mehr
zusammenrücken könnten.“ Zwar gibt es in Sachen Material-Präparierung eine
Zusammenarbeit mit den olympischen Wachs-Spezialisten des Deutschen
Skiverbandes (DSV), aber ein gemeinsames Training von den
Auftakt-Medaillengewinnerinen Walter, Wicker, Maier und Co mit den
deutschen Biathlon-Stars um Philipp Nawrath oder Vanessa Voigt hat es noch
nie gegeben.
Dabei könnten sich auch die regelmäßig vor Millionen von TV-Zuschauern
laufenden Skijäger sich durchaus einiges von den Para-Biathleten abschauen.
Zum Beispiel die Treffsicherheit am Schießstand. Walter, die wegen ihrer
Sehbehinderung beim Schießen auf ein akustisches Signal reagiert, und Maier
blieben am Samstag am Schießstand komplett fehlerfrei. Letzterer rettete
mit unglaublichem Kampfgeist auf der Schlussrunde im tiefen Schnee Bronze
mit 0,2 Sekunden Vorsprung ins Ziel. „Zwei Medaillen in den ersten beiden
Rennen sind ein Traum. Ich finde es auch total super, dass wir hier endlich
mal Zuschauer haben“, schwärmte Maier.
Die Tribünen waren bei strahlendem Sonnenschein gut gefüllt. Und nicht nur
im deutschen Lager freute man sich, dass bei diesen Paralympics endlich mal
über den Sport und nicht nur die Politik geredet wurde. „Mir wäre es lieber
gewesen, wenn die Russen wie bisher unter neutraler Flagge gestartet wären.
Aber die ganze Diskussion lenkt vom Sport ab – und wir haben ja nur alle
vier Jahre bei den Paralympics diese große Bühne“, kommentierte Anja
Wicker.
Wegen der umstrittenen Rückkehr der russischen Athleten mit Flagge und
Hymne bei diesen Paralympics hatte Deutschland wie einige andere Nationen
auf den Einmarsch der Nationen bei der Eröffnungsfeier am Freitag
verzichtet. Irgendwann an diesem Abend ging die Nähaktion über die Bühne,
die gleich mit einem Medaillenregen belohnt wurde.
8 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.provincia.tn.it/de/Nachrichten/Presseveroeffentlichungen/Das-Olympische-Dorf-Predazzo-der-Musto-Pavillon-wird-teilweise-wiederaufgebaut
(DIR) [2] /Abschied-von-Olympia-2026/!6156520
(DIR) [3] /Deutsche-Biathleten-am-Abgrund/!6156103
## AUTOREN
(DIR) Lars Becker
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Ansonsten das übliche nationale Gedöns und schauerliche Aussichten.