# taz.de -- Para-Sportstar aus den USA: Uneingeschränkte Möglichkeiten
> Die Ausnahmeathletin Oksana Masters holt bei den Paralympics ihre zehnte
> Goldmedaille. In den USA verkauft sie ihren Sport wie keine andere.
(IMG) Bild: Einsam an der Spitze: Oksana Masters dominiert ihre Wettbewerbe
Oksana Masters mag es, im Rampenlicht zu stehen. Ihre insgesamt zehnte
Goldmedaille [1][bei Paralympics] feierte sie im Zielraum von Lago di
Tesero mit der amerikanischen Flagge um die Schultern im Rollstuhl. Dann
begann der gewohnte Interview-Marathon für den vielleicht größten Welt-Star
der Para-Szene. Im Biathlon-Sprint über 7,5 Kilometer konnte ihr keine
Konkurrentin den Erfolg streitig machen. Die 36-Jährige verbindet wie keine
Zweite sportlichen Erfolg mit einer unglaublichen Lebensstory – und dem
Willen, all das der gesamten Welt zu erzählen.
„Oksana Masters hat eine weltweite Reichweite und zumindest in den USA
einen regelrechten Hype entfacht. Sie ist eine Ausnahmeerscheinung im
Para-Sport“, sagt der deutsche Nordisch-Bundestrainer Ralf Rombach
anerkennend: „Es ist beeindruckend, wie sie leistungsmäßig immer wieder
abliefert und wie nachhaltig erfolgreich sie unseren Sport verkauft. Davon
können wir in Deutschland nur träumen.“
Masters ist in den USA so bekannt, dass sie sogar in eine
Superbowl-Werbekampagne von Toyota eingebunden wurde. Weit über 100.000
Menschen folgen in den sozialen Medien der Para-Influencerin, die es nach
Medienberichten zur Millionärin gebracht hat.
Dabei hat ihr Leben mehr als düster begonnen. Masters kam 1989 als Oksana
Bondartschuk im ukrainischen Teil der Sowjetunion zur Welt, nur wenige
Autostunden von Tschernobyl entfernt. Dort hatte es drei Jahre zuvor einen
Super-GAU im Atomkraftwerk gegeben und es wird vermutet, dass die
radioaktive Strahlung auch für die körperlichen Fehlbildungen von Oksana
Masters verantwortlich ist. Das Mädchen wurde nur mit einer Niere und einer
schweren Hemimelie geboren – in ihren verkürzten Beinen fehlten die
tragenden Knochen.
## Körperlich und sexuell misshandelt
Die überforderten Eltern gaben das Kind mit Behinderung in ein Waisenhaus,
wo sie zu wenig zu essen bekam und nach eigenen Angaben körperlich und
sexuell misshandelt wurde. Im Alter von sieben Jahren wurde die extrem
untergewichtige Oksana vor der US-Amerikanerin Gay Masters adoptiert. In
den Vereinigten Staaten mussten dem Mädchen im Alter von 9 und 14 Jahren
ihre beiden Beine amputiert werden.
Doch das Mädchen gab nicht auf und fand ihre Erfüllung im Sport. 2012 war
sie in London erstmals bei den Paralympics im Rudern dabei. Rückenprobleme
zwangen sie später zum Wechsel in den Radsport, wo sie mit dem Handbike
seitdem viermal Gold gewann. Im Winter hat sie im Sitzschlitten inzwischen
sechsmal Gold im Biathlon und Skilanglauf gewonnen. [2][Allein 2022 in
Peking] holte sie sieben Medaillen bei den gleichen Paralympics – ein
Rekord für die USA.
Die sportliche Leistung der 2020 zur Laureus-Weltsportlerin des Jahres mit
Behinderung gewählten Frau ist einzigartig. Fast noch wichtiger ist jedoch,
dass Masters den Para-Sport für eine breite, weltweite Öffentlichkeit
geöffnet hat. Im Kampf gegen „Body Shaming“ posierte Masters 2012 nackt in
der jährlichen Body-Issue-Ausgabe des ESPN-Magazins.
Die Liebe zu ihrem Verlobten Aaron Pike, der in Italien als Para-Langläufer
und Biathlet genau wie sie um Paralympics-Gold kämpft, ist seit zehn Jahren
regelmäßig Thema in der Yellow Press. Dazu berichtet Masters seit Jahren
regelmäßig auf ihren Social-Media-Kanälen von ihrem täglichen Leben und wie
sie immer neue Hindernisse bewältigt. Die Wintersaison 2024/2025 etwa
verpasste sie wegen einer Knocheninfektion im Bein. Dazu kam eine
Gehirnerschütterung.
Doch Masters kam zurück und hat [3][bei den Winter-Paralympics in Italien]
wieder Gold gewonnen. Ein weiteres Kapitel in der Mission ihres Lebens, das
einst im Schatten von Tschernobyl so düster begonnen hat: „Ich will den
Menschen beweisen, was trotz aller Probleme und Rückschläge im Leben
möglich ist.“
10 Mar 2026
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