# taz.de -- Politische Paralympische Spiele: Heimlicher Sieger Russland
> Bei den Paralympischen Winterspielen durften Russland und Belarus wieder
> mitmischen. Bei den Aktiven stößt das eher auf Ablehnung.
(IMG) Bild: Mütze auf und weggedreht: Linn Kazmaier (l.) und ihr Guide protestieren gegen die russische Gewinnerin Anastasiia Bagajan
Viele SportlerInnen nervt es einfach nur noch, dass die große Politik mit
dem [1][Thema Russland] die Diskussionen bei den Paralympics dominiert.
Nach der skandalösen [2][Eröffnungsfeier] mit dem Boykott vieler Nationen
lieferten die ersten Siegerehrungen mit russischer Hymne und Flagge neuen
Zündstoff. „Das ist eine Anerkennung für den Krieg von Russland, dieser
Killernation“, polterte der ukrainische Delegationschef Valerii Sushkevich.
Das Nationale Paralympische Komitee der Ukraine warf dem Internationalen
Paralympischen Komitees (IPC) sogar vor, dass es eine „sehr spezielle
Partnerschaft zwischen dem IPC und den Nationalen Paralympischen Komitees
von Russland und Belarus“ gebe. Zudem werde das ukrainische Team bei den
[3][Paralympics] systematisch unter Druck gesetzt. Dafür wurden viele
Beispiele genannt. Das prominenteste ist das der Medaillengewinnerin
Oleksandra Kononova, die ihre Ohrringe mit ukrainischer Flagge und der
Aufschrift „Stop War“ auf Anweisung eines IPC-Vertreters abnehmen musste.
Das IPC hatte nach dem Triumph des ukrainischen Biathleten Taras Rad zudem
Flaggen sowie Schals mit Nationalmotiven von seiner Familie beschlagnahmt.
Auf Rückfrage ist das IPC überrascht vor der Erklärung der ukrainischen
Paralympics-Delegation. Der Weltverband verweist auf die Regeln, die
politische Symbole untersagen.
Russlands Staatspräsident Wladimir Putin kann sich trotzdem als heimlicher
Sieger dieser Paralympics fühlen – und das hat mit den Entscheidungen des
IPC zu tun. Der Weltverband machte im [4][vergangenen September] den Weg
frei für den Start russischer SportlerInnen mit eigener Flagge und Hymne –
weltweit erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor vier
Jahren. Bei den Olympischen Winterspielen durften SportlerInnen aus
Russland und Belarus nur als „neutrale olympische AthletInnen“ starten. Was
das Comeback auf der Sportweltbühne bei den Paralympics politisch für
Russland bedeutet, machte die erste russischen Paralympics-Goldgewinnerin
Warwara Worontschichina deutlich: „Der Sieg ist besonders für mich – aber
so speziell für mein Land.“
## Protestgeste bei Siegerehrung
Mit der Rückkehr Russlands und Belarus’ hat die IPC die SportlerInnen aller
anderen Nationen in eine unmögliche Situation gebracht. Die deutsche
Silbergewinnerin Linn Kazmaier drehte sich bei der Siegerehrung für die
Russin Anastasiia Bagiian demonstrativ weg und behielt bei der Hymne die
Mütze auf. „Ich kenne die Leute nicht, ich weiß nicht: Vielleicht
unterstützen sie das System in Russland genauso wenig. Vielleicht sind es
total nette Menschen, mit denen wir eigentlich befreundet sein könnten“, so
Kazmaier sehr differenziert: „Dass das Politische die Paralympics so
überschattet, ist einfach total schade.“
„Wir haben diese große, weltweite Bühne nur einmal in vier Jahren, und
jetzt wird nur über Politik geredet“, schimpft auch die erfahrene Andrea
Eskau, die in Italien ihre neunten Paralympics in Sommer und Winter erlebt.
Die Zwickmühle: Viele kennen die russischen SportlerInnen schon lange und
sehen auch die Menschen hinter der Nationalität. Auf der anderen Seite
sprechen sich die meisten AthletInnen gegen eine generelle Rückkehr
Russlands aus.
Zudem wirft deren Comeback weitere Fragen auf. Kann man darauf vertrauen,
dass im Reich Putins während des fast vierjährigen Ausschlusses regelmäßig
Doping-Kontrollen durchgeführt wurden? Ski-Bundestrainer Ralf Rombach hat
beim Ski-Weltverband FIS nachgefragt. „Dort haben sie mir gesagt, dass die
Rusada das gemacht hat“, sagt er mit einem Schulterzucken samt ironischem
Lächeln. Die Rusada ist die russische Antidoping-Agentur, die nach
Dopingskandalen seit 2015 mehrfach suspendiert wurde.
„Die Funktionäre der Sportverbände und der nationalen Antidoping-Agenturen
sind in vielen Ländern verzahnt. Anderswo wird bei weitem nicht so viel
getestet wie bei uns in Deutschland, wo die Athleten regelmäßig um sechs
Uhr für eine Doping-Kontrolle rausgeklingelt werden“, sagt Rombach: „Das
heißt nicht, dass anderswo betrogen wird, aber wir wünschen uns, dass die
Doping-Kontrollen überall gleich ablaufen.“
Bei den Winter-Paralympics sind sechs russische SportlerInnen mit von der
Partie – und die hatten (bis Donnerstagmorgen) schon vier Goldmedaillen
gewonnen. Das deutsche Team mit 40 SportlerInnen und acht Guides gewann
hingegen nur eine – von Alpin-Star [5][Anna-Lena Forster]. Ein weiterer
Grund, um richtig genervt zu sein.
14 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lars Becker
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