# taz.de -- Deutsche Bilanz bei Paralympics: Wenig Goldglanz
       
       > Bei den Winter-Paralympics sorgt nur Anna-Lena Forster für die großen
       > deutschen Erfolge. Andere Nationen fördern ihre Sportler weit
       > professioneller.
       
 (IMG) Bild: Frau für die großen Momente: Anna-Lena Forster jubelt über ihre Goldmedaille im Riesenslalom
       
       Als die Tränen und all der Druck abgefallen waren, konnte [1][Anna-Lena
       Forster] wieder lächeln. Gemeinsam mit ihrem etwa 30-köpfigen Fanclub,
       Familie und Freunden ließ Deutschlands Paralympics-Heldin im
       deutsch-österreichischen Haus von Cortina „brutale Spiele“ ausklingen.
       
       Als brutal erfolgreich kan sie diese bezeichnen – trotz der finalen
       Enttäuschung mit Platz vier in ihrer Lieblingsdisziplin Slalom. Forster
       durfte als einzige deutsche Sportlerin ganz nach oben aufs Siegerpodest.
       Zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille holte sie. Aber dieses
       Paralympics waren auch brutal anstrengend für den Alpin-Star und den Rest
       des deutschen Teams – und das hatte nicht nur [2][mit den andauernden
       politischen Diskussionen um Russlands Rückkehr in den Weltsport] zu tun.
       
       „Es waren noch nie so viele Menschen und noch nie so wenig Platz für mich.
       Das war schon heftig“, erklärte Forster mit Tränen in den Augen: „Der Druck
       von außen und von mir selbst war schon gewaltig.“ Jeder erwartete Gold von
       ihr – und die 30-Jährige lieferte mit ihren Triumphen ausgerechnet in den
       bisher für sie eher schwierigeren Disziplinen Abfahrt und Riesenslalom. Sie
       allein sorgte in der deutschen Bilanz für den goldenen Anteil.
       
       Mit 17 Podestplätzen (2 Gold – 6 Silber – 9 Bronze) wurde zwar das intern
       gesteckte Ziel erreicht, unter den Top 4 der Nationen von der Zahl der
       Medaillen zu landen. Aber im Vergleich zu den Winter-Paralympics 2022 in
       Peking mit 19 Medaillen (4 Gold – 8 Silber – 7 Bronze) ging es im von China
       dominierten Medaillenspiegel wieder ein Stück abwärts. „In dem
       Medaillenspiegel zählt ja eine goldene mehr als 100 in Bronze. Das spiegelt
       aber nicht die Teamleistung wider. Wir haben uns in der weltweit immer
       härter werdenden Konkurrenzsituation deutlichst weiterentwickelt“, zog
       Ski-Bundestrainer Ralf Rombach ein positives Fazit für seine Sparte.
       
       Tatsächlich sorgten seine Sportler im Skilanglauf und Biathlon für die mit
       Abstand meisten deutschen Medaillen – in den drei anderen Sportarten
       schaffte es ansonsten nur Anna-Lena Forster aufs Podest. „Wir hätten uns
       schon ein paar mehr Ausreißer nach oben gewünscht“, bilanzierte Marc
       Möllmann, der deutsche Chef de Mission. Rombach kündigte an, dass man vor
       allem „das deutsche Gold-Problem“ bei seinen Sportlern analysieren wolle.
       „Natürlich sind auch Silber und Bronze ein Highlight, uns hat aber sehr oft
       das letzte Quäntchen für Gold gefehlt. Das ist sicher auch eine mentale
       Sache.“
       
       [3][Sein Top-Medaillensammler Marco Maier] – gemeinsam mit Anja Wicker
       schaffte er es viermal aufs Podest – verpasste im Biathlon und Skilanglauf
       gleich mehrfach knapp Gold. Am Ende holte er „nur“ dreimal Bronze und
       einmal Silber. Maier sagte: „Natürlich fühlen sich die Medaillen im ersten
       Moment gut an, aber dann denkt man auch: Mist, ich hätte lieber eine
       goldene.“
       
       Der 26-Jährige ist aber einer der deutschen Sportler, die Hoffnung auf
       künftige Paralympics-Erfolge machen. Auch andere Medaillengewinner im
       Ski/Biathlon-Bereich wie Linn Kazmaier (19), Leonie Walter (22) oder auch
       Wicker (34) wollen auf jeden Fall bis 2030 weitermachen. Dagegen sieht es
       im Bereich der deutschen Alpin-Goldgaranten eher düster aus. Die nach
       Depressionen mit zwei vierten Plätzen stark zurückgekehrte „Grande Dame“
       Andrea Rothfuss (36) will nach 14 Medaillen nicht noch einmal bei den
       Paralympics antreten und durfte bei der Abschlussfeier am Sonntag die
       deutsche Fahne tragen.
       
       Anna-Lena Forster hat ihre Zukunft noch offengelassen. Es gibt also Anlass
       zur Sorge für den deutschen Behindertensport, der in der Geschwindigkeit
       der Professionalisierung gegenüber anderen Nationen wie China, USA, Italien
       oder Ukraine nicht mithalten kann. „Es gibt Sondermittel für Olympia, aber
       bisher nicht für die Paralympics. Auch in Sachen Jahresförderung,
       Athletenförderung und der Zusammenarbeit mit der FES haben wir noch
       Potenziale, die wir erschließen wollen“, kündigte Cheick-Idriss Gonschinska
       als Vorstandsvorsitzender des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) an.
       
       Im olympischen Bereich fördert die Sporthilfe fast dreimal so viele
       Athleten, wie am Ende bei den Sommer- und Winterspielen dabei sind. Im
       Bereich der Sportler mit Behinderung fahren mehr zu den Paralympics als
       gefördert werden. „Das ist eine große Gefahr für künftige Erfolge“, sagt
       Rombach. Gonschinska mahnte, dass die Politik mit Blick auf die deutsche
       Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele ihre Anstrengungen
       erhöhen müssten: „Hoffentlich haben die Bewerber-Städte bei den Paralympics
       genau hingeschaut. Hier werden besondere Geschichten erzählt – auch über
       die Fähigkeit, wieder aufzustehen und Herausforderungen zu bewältigen.“
       Anna-Lena Forster ist das beste Beispiel dafür.
       
       15 Mar 2026
       
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