# taz.de -- Start der Paralympics: Spiele im Schatten der Kriege
> Schon vor der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele sorgen der
> Krieg in Iran und die Teilnahme von Russland und Belarus für
> Verwerfungen.
(IMG) Bild: Russlands Präsident Wladimir Putin ehrt Parasportler mit dem Orden der Freundschaft, hier: der Schwimmer Aliaksei Talai, 2024
Es wird möglicherweise nicht lange dauern, bis die russische Hymne bei den
Paralympischen Winterspielen ertönt und dazu die weiß-blau-rote Fahne am
höchsten gehisst wird. Der 28-jährige Alexej Bugajew wird am Samstag bei
der Herren-Abfahrt (stehend) an den Start gehen. Und Bugajew hat immerhin
bereits drei paralympische Goldmedaillen gewonnen.
Aber schon am Freitag bei der Eröffnungsfeier (20 Uhr/ZDF-Streamingportal)
[1][im römischen Amphitheater von Verona] wird der paralympische Sport sich
kaum als vereinende und friedensstiftende Kraft inszenieren können, wie
dies auch der olympische Sport stets mit großem Eifer versucht. Der
Entscheid der Generalversammlung des Internationalen Paralympischen
Komitees (IPC) von vergangenem September, Russland und Belarus trotz des
fortlaufenden Krieges in der Ukraine wieder als vollwertige Mitglieder zu
den Spielen zuzulassen, bleibt nicht ohne Konsequenzen. Etliche Länder wie
die Ukraine, Polen, Finnland, die Niederlande, Tschechien, die baltischen
Staaten und Deutschland werden die Eröffnungsfeier boykottieren.
Dass bei den Paralympischen im Unterschied zu den Olympischen Spielen
Russland und Belarus dabei sein können, hat mit dem jeweiligen
Abstimmungsverfahren zu tun. Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC)
entscheidet das 15-köpfige Exekutivkomitee, [2][beim IPC die
Generalversammlung mit allen 211 Mitgliedern.]
Neben dem Angriffskrieg Russlands erschüttert das Bombardement des Irans
durch die USA und Israel auch den Sport. Das IOC erklärte deshalb dieser
Tage in einer Stellungnahme, „über die Störung von Wettkämpfen auf der
ganzen Welt“ besorgt zu sein. Und ob der aufkommenden Fragen über weitere
mögliche Sanktionen von Sportnationen erinnerte es an unzählige
UN-Resolutionen, welche die Autonomie des Sports und die Neutralität des
IOC bekräftigen würden. „Sie sind ein Aufruf, den heiligen Raum des Sports
vor den Spaltungen der Welt zu schützen.“
Etwas nüchterner scheint das IPC mit den weltweiten Verwerfungen umzugehen.
IPC-Präsident Andrew Parsons räumte gegenüber der spanischen
Nachrichtenagentur EFE ein, dass sich die Paralympics nicht von den
politischen Auswirkungen der Konflikte isolieren könne. „Wir sind keine
Insel, wir sind Teil eines globalen Kontexts.“ Er hoffe dennoch, dass die
Aufmerksamkeit auf den Athleten, auf der Botschaft der Inklusion und auf
den Werten des paralympischen Sports liegen würde. Es wird auch während der
Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo trotz des traditionellen Aufrufs an
die Welt, während Olympischer und Paralympischer Spiele die Waffen
schweigen zu lassen, im Iran und [3][in der Ukraine weiter bombardiert]
werden. Aber der olympische Frieden war noch nie das Papier wert, auf dem
er beschworen wurde.
## Parasport und Weltkrieg
Genau besehen hat der paralympische Sport von Beginn an sehr viel mit den
Kriegen dieser Welt zu tun. Er entstand nach dem Zweiten Weltkrieg als
Rehabilitationsprogramm für kriegsverletzte Soldaten. Und gerade im
kriegsführenden Russland genießen die Athleten mit körperlichen
Beeinträchtigungen hohes Ansehen. Wladimir Putin empfing die russischen
Sportler, die bei den Paralympischen Sommerspielen in Paris noch unter
neutraler Flagge antraten, im Kreml und verteilte jede Menge Orden für die
Verdienste am Vaterland.
Ähnliches dürfen erst recht die sechs russischen Sportlerinnen und Sportler
erwarten, die bei den Paralympics mit allem nationalen Brimborium
mitmischen dürfen. Versehrte aus dem Ukraine-Krieg sind dieses Mal noch
nicht dabei. Aber bei künftigen Paralympischen Spielen dürfte Russland und
die Ukraine, so zynisch muss man es formulieren, aus einer großen Auswahl
die Besten bestimmen können. Deren Auftritte werden dann von
herausgehobener politischer Bedeutung sein.
Bei den Paralympics in Italien ist nicht nur das russische Aufgebot klein.
Belarus hat lediglich vier Startplätze bekommen. Als das IPC die Rückkehr
der beiden Länder beschloss, war die Qualifikationsphase für die Spiele
bereits in vollem Gange. Wildcards mussten vergeben werden. Außerdem haben
die Einzelsportverbände die Entscheidungshoheit in Ausschlussfragen. Beim
Rollstuhl-Curling, Para-Eishockey oder Para-Biathlon dürfen nach wie vor
weder Russen noch Belarussen mitmachen.
Neben den sportpolitischen Fragen sind die Paralympischen Spiele
unterdessen auch mit sehr praktischen Problemen konfrontiert. Die
Schließung der Lufträume über den Krisengebieten erschwert vielen
Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Anreise. So wurde zuletzt von Sportlern
berichtet, die im katarischen Doha am Flughafen festsitzen.
Der Sport, dichtete unlängst das IOC, müsse „ein Leuchtfeuer der Hoffnung
bleiben“, „eine Kraft, die die ganze Welt im friedlichen Wettstreit
zusammenbringt“. Es ist allerdings eher vom Gegenteil auszugehen. Der Sport
wird sich von der politischen Sphäre nicht lösen können. IPC-Präsident
Andrew Parsons ist darauf eingestellt.
6 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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