# taz.de -- Russland und Belarus im Weltsport: Mit Fahnen und Hymnen – gerne nach Olympia
> Beim Para-Langlauf-Weltcup im bayerischen Finsterau treten wieder Teams
> aus Russland und Belarus an. Grund ist ein Sportgerichtsurteil.
(IMG) Bild: Gern gesehene Bilder: Wladimir Putin bei einem Videogespräch mit russischen Para-Wintersportlern 2022
Es sollte ein Fest des Para-Skilanglaufs im Bayerischen Wald werden, doch
die Stimmung beim Weltcup in Finsterau ist am Boden. Der Grund: Fast vier
Jahre nach Beginn des russischen [1][Angriffskriegs in der Ukraine] dürfen
erstmals wieder 17 Sportlerinnen aus Russland und 9 aus Belarus bei einem
sportlichen Großereignis für Menschen mit Behinderung in Deutschland
antreten. Den Weg dafür freigemacht hatte ein Urteil des
[2][Internationalen Sportgerichtshofs CAS]. Zuvor hatte die
Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) im
September überraschend die [3][Suspendierung beider Länder aufgehoben].
„Eine unheilvolle Mischung zwischen CAS und IPC hat für diese schlimme
Situation gesorgt. Die ukrainischen Athleten laufen hier rum wie geprügelte
Hunde“, sagt Bundestrainer Ralf Rombach. Damit die Ukrainer wegen des
Starts des Kriegsfeindes nicht abreisen, werden die Flaggen der
teilnehmenden Nationen nach einer Entscheidung der Organisatoren nicht
gezeigt. Ein Gesetz in der Heimat verbietet nämlich ukrainischen Sportlern
die Teilnahme an Events, wenn gleichzeitig Russen unter ihrer Landesflagge
antreten. Trotzdem ist die Situation in Finsterau eine Farce, schließlich
laufen die Sportlerinnen in ihren offiziellen Rennanzügen mit Emblem.
„Ich finde es nicht richtig, dass sie starten dürfen. Der Krieg läuft
weiter, es hat sich nichts geändert. Es ist menschlich und sportlich
falsch, und ich und kann mir gar nicht vorstellen, wie sich das für die
Ukrainer anfühlt“, kritisiert die Paralympics-Siegerin Anja Wicker. Die
Kontakte zu den Athleten aus Russland und Belarus, von denen man viele von
der Zeit vor dem Krieg noch kennt, werden in Finsterau auf ein Mindestmaß
reduziert. „Man sagt Hallo, Smalltalk gibt es eher nicht“, berichtet
Rombach. Der Bundestrainer wundert sich ein wenig, warum die Sportler aus
den beiden bisher verbannten Nationen überhaupt pünktlich Visa für die
Einreise in Deutschland bekommen haben: „In anderen Ländern hätte sich das
Auswärtige Amt vielleicht Zeit gelassen. Polen zum Beispiel – so hört man –
will die Russen und Weißrussen nicht zum nächsten Weltcup einreisen
lassen.“
Die offene Ablehnung gegen die Rückkehr der beiden Nationen aus dem Osten
liegt nicht am Ukrainekrieg. Es gibt auch Zweifel beim Thema [4][Doping].
„Der Welt-Skiverband FIS hat versichert, dass die Dopingkontrollen seriös
stattgefunden haben, aber wie, ist für uns fraglich. Alle in der Szene sind
maximal empfindlich, weil in der Vergangenheit in Russland alle Register in
Sachen Doping gezogen wurden“, so Rombach. Bei den Auftaktrennen in
Finsterau bewahrheiteten sich die Befürchtungen über eine sportliche
Überlegenheit per Doping-Tuning zwar erstmal nicht, aber die mäßigen
Leistungen der unerwünschten Teilnehmer mögen auch mit der in Kriegszeiten
schwierigen Anreise über Dubai zu tun gehabt haben.
## Ziel ist die Paralympics-Teilnahme
Mit der Teilnahme an den Weltcups in den Wintersportarten – auch bei den
Alpin-Wettbewerben im österreichischen Saalbach sind an diesem Wochenende
drei Russen am Start – wollen Putins Sport-Botschafter die Teilnahme an den
[5][Paralympics] vom 6. bis 15. März in Mailand und Cortina sichern. Die
meisten Startplätze sind nach den Qualifikations-Wettbewerben in den sechs
Sportarten (Para-Langlauf, -Biathlon, -Alpin, -Snowboard, -Eishockey und
-Curling) bereits vergeben, aber Russen und Belarussen können sich noch um
Wildcards bewerben. Falls sie einige der Startplätze für das Großevent
bekommen, dürften sie bei den Paralympics sogar unter ihrer Landesflagge
antreten. Bei den Olympischen Winterspielen ist das anders: Dort sind nur
sogenannte individuelle, neutrale Athleten erlaubt.
Hintergrund für die unterschiedliche Vorgehensweise ist der umstrittene
Entscheid der IPC, die Suspendierung der beiden Kriegstreiber-Nationen
aufzuheben. „Wenn bei den Paralympics ein Russe oder Weißrusse gewinnen
würde, würde normal die Hymne gespielt und die Flagge gezeigt“, berichtet
Rombach: „Dieser Fall darf nicht eintreten, deshalb müssen wir alle noch
besser werden.“ Die Stimmung in der Para-Szene ist klar: Der Frust über die
Rückkehr der Russen und Weißrussen hat auch für eine neue sportliche
Entschlossenheit gesorgt.
16 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lars Becker
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