# taz.de -- Horrormusical „The Bride“: Die Braut der Botschaft
       
       > Zwischen Frankenstein-Mythos und feministischer Programmatik widmet sich
       > Maggie Gyllenhaal in „The Bride!“ der Gefährtin von Mary Shelleys
       > Monster.
       
 (IMG) Bild: Verkabelt: Jessie Buckley als „The Bride“
       
       Die österreichische Satirikerin „Toxische Pommes“, die vor allem durch
       Tiktok bekannt wurde, sezierte in einem präzisen Clip mit chirurgischer
       Komik, was das Kino bisweilen als „starke weibliche Hauptrolle“ verkauft.
       Unter dieser Überschrift jagt sie durch ein Arsenal vermeintlicher
       Tiefgründigkeit: erst wahnhaftes Schreien, dann ein wilder Tanz mit irrem
       Blick, gefolgt von mehr Geschrei und einem entschlossenen „Ich will f…!“.
       
       Einen schnellen Schnitt später trägt sie sich unter Tränen zitternd
       Lippenstift auf. Mit clownesk verschmiertem Mund und bebender Empörung
       schleudert sie schließlich den Satz in die Kamera: „Du hast keine Ahnung,
       was es bedeutet, eine Frau zu sein!“
       
       Es ist durchaus bemerkenswert, wie nah [1][Maggie Gyllenhaal]s neuer Film
       dieser Dramaturgie kommt. Auch „The Bride!“ sitzt dem Irrtum auf, den der
       Zusammenschnitt in kaum zwanzig Sekunden karikiert: dass es für eine
       feministische Figur genüge, sie mit maximalen, bis ins Manische
       gesteigerten Gefühlswallungen auszustatten. Ida (Jessie Buckley), die
       später zur titelgebenden „Braut“ wird, durchläuft während der lose auf
       „Frankensteins Braut“ (1935) anspielenden Handlung sogar exakt die
       emotionalen Extreme, die im Clip vorkommen.
       
       Schon die Eröffnung gibt den Ton vor. „The Bride!“ beginnt in Schwarz-Weiß,
       und noch bevor Ida erscheint, ergreift die [2][literarische Schöpferin
       Frankensteins selbst das Wort: Mary Shelley] richtet den Blick auf die
       junge Frau und deutet an, sich ihrer bemächtigen zu wollen. Ob Ida
       tatsächlich von der Autorin besessen ist oder sie diese Verbindung nur
       fantasiert, bleibt in der Schwebe. Kurz darauf gerät Ida jedenfalls in
       einer eleganten Bar – zwischen Tischlämpchen, Cocktails und
       selbstzufriedenen Sexwitzchen männlicher Gäste – in Rage und hält ihnen mit
       zornigem Witz ihren Chauvinismus vor.
       
       Wenig später ist sie tot, ermordet von der Mafia – schließlich spielt der
       Film im Chicago der 1930er Jahre. Doch Ida hat Glück im Unglück:
       Gleichzeitig wandelt das Geschöpf Frankensteins (Christian Bale), das sich
       selbst nur „Frank“ nennt, wie ein Gentlemangespenst durch die Schatten der
       Stadt. Inzwischen über ein Jahrhundert alt, gebildet, kultiviert, aber von
       existenzieller Einsamkeit, sucht er die Wissenschaftlerin Dr. Euphornius
       (Annette Bening) auf. Da die Menschen ihn wegen der Narben seiner Kreation
       fürchten, soll sie ihm eine Gefährtin schaffen, die genau so ist wie er:
       von den Toten erweckt.
       
       ## Die Wiederauferstehung einer leidlich Widerspenstigen
       
       Die Wahl fällt schließlich auf die in einem Armengrab bestattete Ida, die
       so zu neuem Leben gelangt. Ihre ersten Minuten gehören zu den stärkeren
       Momenten von „The Bride!“. Denn Ida zeigt anfangs wenig Interesse daran,
       die ihr zugedachte Rolle zu erfüllen: Sie verweigert sich sowohl ihrer
       Schöpferin als auch ihrem Möchtegernbräutigam mit dem berühmten Satz aus
       der Erzählung „Bartleby, der Schreiber“: „I would prefer not to.“ Wie bei
       Herman Melvilles stoischem Bürorebellen wird diese Formel zur höflichen,
       aber unerschütterlichen Absage an die Erwartungen, die an sie herangetragen
       werden.
       
       Doch die durchdachte Vielschichtigkeit, die Maggie Gyllenhaal hier zeigt,
       hält nicht lange vor. Frank überzeugt Ida davon, sie habe einen Unfall
       erlitten und deshalb ihr früheres Leben vergessen – ein Leben, in dem sie
       angeblich bereits mit ihm verlobt gewesen sei. Und schon ihr erster
       gemeinsamer Ausflug führt sie in einen Nachtclub, wo Ida beinahe Opfer
       eines sexuellen Übergriffs wird. Frank tötet die Angreifer, woraufhin für
       die beiden nur die Flucht bleibt.
       
       ## Aufwendig inszenierter Thesenfilm
       
       Mit Versatzstücken einer „Bonnie und Clyde“-artigen Romanze,
       Comedyeinschüben und Musicaltanznummern setzt „The Bride!“ die Reihe
       sexualisierter Grenzüberschreitungen fort, denen Ida immer wieder
       ausgesetzt ist. Maggie Gyllenhaals erzählerische Absicht, ein wütendes
       feministisches Gleichnis zu formen, ist offenkundig gut gemeint – doch die
       penetrante Plakativität, mit der ihr Film seine Botschaften platziert und
       eine glaubhafte Entwicklung wiederholt dem argumentativen Punkt opfert,
       lässt ihn bald zu einem schalen, wenn auch aufwendig inszenierten
       Thesenfilm werden.
       
       Selbst Nebenfiguren wie das Ermittlerduo, das Ida und Frank auf den Fersen
       ist, sind dazu verdammt, das Argument zu illustrieren: Der eigentliche
       analytische Kopf ist Myrna Mallow (Penélope Cruz), doch ihre Einfälle
       werden lange von ihrem männlichen Vorgesetzten (Peter Sarsgaard) ignoriert,
       schlicht weil sie eine Frau ist.
       
       Und schließlich setzt „The Bride!“ auch in der Erscheinung der
       titelgebenden Figur auf eine Optik, die wenig Spielraum für reizvolle
       Ambivalenz lässt. Ida trägt nach ihrer Wiederbelebung einen an ein „Glasgow
       Smile“ erinnernden Tintenklecks um den Mund, der zusammen mit der
       wasserstoffblonden Mähne unweigerlich an [3][„Harley Quinn“] erinnert.
       Abseits sprachlicher Raffinessen wirkt Ida auch kaum komplexer als die
       Comic-Antiheldin in ihren jüngsten Filmauftritten.
       
       Angereichert ist dieses grell aufgeladene Szenario übrigens mit Musik von
       Fever Ray, die im Film selbst für einen kurzen Moment auftaucht. Gerade
       lange genug, um sich gewahr zu werden, dass die von ihr geschaffene
       Kunstfigur mit den ebenfalls wasserstoffblonden Haaren ungleich mutiger
       wirkt und jene queerfeministische Dekonstruktion von patriarchalen
       Strukturen verkörpert, die „The Bride!“ eben auch hätte sein können.
       
       5 Mar 2026
       
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