# taz.de -- Mietenmelder in Bremen: Eine akzeptable Miete ist möglich
> Bremen führt einen Mietenmelder ein, um zu hohen Mieten zu begegnen. Doch
> die Aufgaben der Dienststelle sind unklar und kaum Personal ist
> eingeplant.
(IMG) Bild: Sanierung kann eine Ausnahme von der Mietpreisbremse begründen: Altbremer Häuser sind beliebt und deshalb oft überteuert
Bremen führt einen Mietenmelder ein. Das hat die Bürgerschaft in der
vergangenen Woche mit den Stimmen der rot-grün-roten Koalition beschlossen.
Die Stelle soll dafür sorgen, dass die Stadt überhöhte Mieten sanktionieren
kann.
Denn wie hoch eine Miete sein darf, ist nicht so sehr dem freien Spiel von
Angebot und Nachfrage unterworfen, wie es beim Blick auf Wohnungsportale
wirkt. Oder müsste es jedenfalls nicht sein.
Die Grundidee stammt von der Bundestagsfraktion Die Linke. Die hatte im
vergangenen Bundestagswahlkampf die [1][Mietwucher-App] für 35 deutsche
Städte gestartet, in der man seine eigene Miete mit Vergleichsmieten prüfen
lassen kann. Bis Ende Januar haben etwa 250.000 Menschen davon Gebrauch
gemacht. Bei zwei Dritteln davon stellte sich heraus, dass die Miete
überhöht ist; bei jedem Dritten sogar um 50 Prozent oder mehr. Das ist dann
keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat: Mietwucher.
Das Versprechen der Linken: Falls die Miete zu hoch ist, kann man direkt
über die App eine Meldung an das zuständige Wohnungsamt schicken. Das könne
ein Bußgeld verhängen, die Miete werde sinken. Von den rund 160.000
Betroffenen haben nur 8.500 ihre Daten an die Ämter weiterleiten lassen.
Und in noch viel weniger Fällen ist tatsächlich etwas passiert.
## Hamburg: über 1.300 Meldungen, null Aktivität
In Hamburg hatte der rot-grüne Senat die Linken-Idee im
Bürgerschaftswahlkampf hektisch kopiert. Vor einem Jahr hat die Stadt dann
eine entsprechende Stelle eingerichtet und einen eigenen „Mietenmelder“
aufgesetzt. [2][Aktivitäten gab es seitdem allerdings praktisch keine].
Meldungen gingen zwar sowohl über die Mietwucher-App (969) ein als auch
über den Mietenmelder (364). Doch die Wohnraumschutz-Dienststellen waren
überlastet. Faktisch wurden deshalb bis Mitte Januar 2026 keine Meldungen
der Mietpreisüberhöhung bearbeitet. Auch Hannover hat noch keinen der 250
gemeldeten Fälle bearbeitet.
Dabei ist die Rechtslage klar: Die Kappungsgrenze soll gegen überzogene
Erhöhungen im laufenden Mietvertrag helfen. Für Bremen gilt aktuell, dass
die Miete im Laufe von drei Jahren um nicht mehr als 15 Prozent steigen
darf. Bei Neuvermietungen soll die Mietpreisbremse helfen, die Preise im
Rahmen zu halten: Maximal zehn Prozent über den ortsüblichen
Vergleichsmieten dürfen Wohnungen angeboten werden. Neubauten sind davon
ebenso ausgenommen wie frisch sanierte oder möblierte Wohnungen. Beide
[3][Ausnahmen werden rege genutzt.] Aber auch ohne Ausnahmeregeln weichen
viele Vermieter:innen von der Mietpreisbremse ab.
Bremen war bis vor zwei Jahren die größte deutsche Stadt ohne Mietspiegel.
Seit 2024 gibt es nun einen. Jeder kann [4][auf der Seite der Bremer
Aufbau-Bank] nun ganz einfach selbst prüfen, ob die eigene Miete – oder
eine Angebotsmiete auf Immobilienportalen – der Mietpreisbremse entspricht.
Seitdem beobachtet der Bremer Mieterschutzbund „vermehrt Verfahren wegen
Mietpreisüberhöhung“, wobei „zahlreiche Fälle erfolgreich beschieden werden
konnten“. Man geht aber davon aus, dass ein sehr großer Teil weiterhin
nicht beanstandet wird.
Dass viele neu angebotene Wohnungen weit mehr als zehn Prozent über dem
Mietspiegel liegen, zeigt sich nicht nur bei kleinen Stichproben aus den
Portalen. Laut einem Gutachten, das das [5][Bochumer InWIS in jenem Jahr im
Auftrag der Stadt zur Erstellung des Mietspiegels verfasst] hat, liegen die
Bestandsmieten bei 7,37 Euro pro Quadratmeter. Die [6][Arbeitnehmerkammer
hatte in einem Gutachten für das erste Halbjahr 2024] erfasst, dass dem
gegenüber aktuelle Angebotsmieten in der Stadt Bremen zuletzt im Mittel bei
10,34 pro Quadratmeter lagen.
Auf die ganze Stadt bezogen klafft zwischen Bestands- und Angebotsmieten
also eine Lücke von nicht nur 10, sondern rund 40 Prozent. Allein mit
Neubauten, Sanierungen und möblierten Wohnungen lässt sich diese Differenz
nicht wegerklären.
Hier will die Stadt mit ihrem Mietenmelder ansetzen. Was genau die Stelle
alles tun soll, ist noch nicht recht klar. Eine einzige Person soll so bald
wie möglich eingestellt werden und dann selbst ein Konzept und Abläufe
entwickeln.
Orientieren will man sich an Frankfurt. Dort hat die Stelle beim Amt für
Wohnungswesen zwischen 2020 und 2022 400.000 Euro zu viel gezahlte Miete
zurückerstritten. Seit einem Jahr gibt es zusätzlich den Mietenmonitor, bei
dem Vermietende auf Immobilienportalen vorsorglich angeschrieben werden –
schon bevor überteuerte Mietverträge abgeschlossen werden.
Bremens Linke, die den Antrag eingebracht hat, hofft, dass die neue Stelle
auch Bußgelder verhängen wird – und besonders krasse Fälle an die
Staatsanwaltschaft weiterleitet. Das Wirtschaftsstrafgesetz sieht beides
vor: Schon bei Mieten zwischen 20 und 50 Prozent über dem Mietspiegel
können bis zu 50.000 Euro fällig werden. Allerdings bisher eher
theoretisch: „Es gibt niemanden, der Bußgelder verhängt“, so Sofia
Leonidakis, wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion.
## Keine Bußgelder, keine Strafverfolgung
Für die Strafverfolgung bei Mieten, die um mehr als 50 Prozent über dem
Mietspiegel liegen, gilt das gleiche: „In Bremen gab es bisher noch kein
einziges Verfahren wegen Mietwucher, obwohl wir uns sicher sind, dass es
solche illegal überhöhten Mieten gibt“, sagt Leonidakis. Vermieter, die
Gesetze brechen, hätten also nichts zu befürchten, schlimmstenfalls müssten
sie zu Unrecht geforderte Mieten zurückzahlen. „Wir müssen Wohnheuschrecken
auch disziplinieren, schon aus Fairness gegenüber korrekten Vermietern.“
Das Problem: Das Gesetz wurde von Gerichten bisher eng ausgelegt. Um
Bußgelder zu verhängen, müssen Mieter gerichtsfest nachweisen, dass sie in
einer Notlage waren, als sie den Mietvertrag unterzeichnet haben. Das ist
möglich – [7][in Berlin hat ein Gericht vor Kurzem erstmals ein Urteil
verhängt] –, aber es ist umständlich.
Trotzdem: Frankfurt verhängt auch Bußgelder; das sei schließlich
staatlicher Auftrag. Mit etwa vier Vollzeitstellen in der
Mietpreisprüfstelle übernimmt die Stadt das gesamte Verfahren, „vom Eingang
des Hinweises bis zum Erlass des Bußgeldbescheides und der
Behördenvertretung vor Gericht“. 250 Fälle im Jahr würden bearbeitet –
obwohl „um die 50 Prozent der Mietverhältnisse gegen die Mietpreisbremse“
verstießen.
Der Bremer Mieterschutzbund bezweifelt deshalb „Effizienz und Wirkung“
einer Mietmeldestelle als „Sammelbecken für Anzeigen“. Der Mieterverein
Bremen ist etwas optimistischer: Viele Mieter*innen scheuten die
Mietsenkung – „aus Sorge vor Konflikten mit dem Vermietenden“. Als neutrale
Instanz könne eine „behördliche Meldestelle hier eine wichtige Lücke
schließen“.
Noch an anderer Stelle könnte der Mietenmelder Wirkung entfalten: Viele
überteuerte Mieten tragen die Jobcenter. Mietende haben dann persönlich
nichts davon, die Miete zu senken. Jobcenter wenden sich nicht an eine
Mieterberatung – sie könnten aber sehr wohl dazu angehalten werden,
Verdachtsfälle in Zukunft an die Mietmeldestelle weiterzuleiten, die dann
eine Mietsenkung durchsetzen könnte. „Das schützt dann auch den
öffentlichen Haushalt“, so Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD) vergangene Woche
in der Bürgerschaftsdebatte.
5 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://mietwucher.app/
(DIR) [2] /Ein-Jahr-Hamburger-Mietenmelder/!6148877
(DIR) [3] /Wohnungsmarkt-in-Bremen-und-Hamburg/!6126862
(DIR) [4] https://www.inwis.de/mietspiegel-bremen/
(DIR) [5] https://sd.bremische-buergerschaft.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZee_BjhVvOkNqd187wb52swQB6lyD4NcR7s1hv-syUUT/TOP_II.3.1_-S-_Kosten_der_Unterkunft_Anlage2.pdf
(DIR) [6] https://www.arbeitnehmerkammer.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Politik/Mieter-_und_Eigent%C3%BCmerbefragung_2024.pdf
(DIR) [7] /Urteil-zu-Wuchermiete-in-Berlin/!6148674
## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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