# taz.de -- Mietenentwicklung in Berlin: Alles halb so schlimm?
> Bei BBU-Unternehmen gebe es noch geringere Mieten, als sie in
> Mietportalen zu finden sind, sagt der Immobilienverband. Linke und Grüne
> üben daran Kritik.
(IMG) Bild: Wohnt da ein Mieter oder ein Untermieter? Und zu welchem Preis?
Wer in Berlin eine Wohnung sucht, sucht diese meistens bei Portalen wie
Immoscout. 16,61 Euro nettokalt pro Quadratmeter kostete hier im
Durchschnitt von Juli 2024 bis Juni 2025 eine Berliner Mietwohnung, die auf
einem der Immobilienportale angeboten wurde.
Doch das entspricht nicht den Preisen bei Neuvermietungsmieten in Berlin
insgesamt, behauptet der [1][Verband Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen BBU]. „Natürlich gibt es das Erleben der Menschen aus
den Portalmieten“, sagt BBU-Vorständin Maren Kern bei der [2][Vorstellung
ihres Marktmonitors] am Dienstag. „Aber es gibt eben auch unsere
Unternehmen.“
„Unsere Unternehmen“, das sind in der Summe allein in Berlin 772.300
Wohnungen, die von den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, von
Genossenschaften, aber auch von privaten Wohnungsunternehmen wie Vonovia
oder Covivio vermietet wurden. Die durchschnittliche Miete im Bestand
beträgt bei den BBU-Unternehmen 7,10 Euro.
Von Mitte 2024 bis Mitte 2025 haben diese Unternehmen 36.700 neue
Mietverträge abgeschlossen. Der Durchschnitt hier beträgt 9,54 Euro. Ein
großer Unterschied zu den Portalmieten also, wie Maren Kern betont. Die
Differenz erklärt sie so: „Unsere Unternehmen haben zwar einen Marktanteil
von 50 Prozent in Berlin. Aber nur 25 Prozent unserer freien Wohnungen
werden über die Portale angeboten.“ Der weitaus größere Teil der Wohnungen
würden über Wartelisten und auf den Internetseiten der jeweiligen
Wohnungsunternehmen vergeben.
## Mieten steigen weiter
Alles also nicht so schlimm? Nicht unbedingt. Denn die BBU-Bestandsmieten
von 7,10 Euro bedeuten auch eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 3,6
Prozent. Und bei Neuvertragsmieten ist die Steigerung noch höher – sie
beträgt 11,1 Prozent.
Für Maren Kerne ist sogar das noch eine gute Nachricht. Schließlich seien
allein die Baukosten in den vergangenen fünf Jahren um 45,1 Prozent
gestiegen. Die „BBU-Mieten“ dagegen stiegen im selben Zeitraum nur um 10,8
Prozent. Würden die Baukosten auf die Miete umgelegt, so müsste man bei
Neubauwohnungen in Berlin Mieten von 18 bis 22 Euro verlangen, findet die
BBU-Chefin. Ihr Fazit: „Die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist
differenziert.“
Vor allem die Opposition will das nicht unwidersprochen lassen. „Die Lage
auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist nicht in erster Linie differenziert oder
gar halb so schlimm, wie es der BBU jährlich zu vermitteln versucht,
sondern äußerst dramatisch“, kritisiert der wohnungspolitische Sprecher der
Linksfraktion, Niklas Schenker. „In Berlin herrscht eine Wohnungsnotlage.“
Die Zahlen des BBU würden dies untermauern.
Auch den Versuch des BBU, sogenannte „schwarze Schafe“ und „illegale
Untervermietung“ für den Mietanstieg verantwortlich zu machen, will
Schenker so nicht stehen lassen. „Wenn der BBU selbst etwas gegen schwarze
Schafe auf dem Wohnungsmarkt tun will, kann er bei seinen
Mitgliedsunternehmen anfangen“, so der Linken-Politiker. „BBU-Mitglieder
wie Vonovia oder Covivio verstoßen systematisch gegen geltendes Recht, ohne
dass der BBU bislang Konsequenzen daraus zieht.“
Maren Kern sagte bei der Vorstellung des Marktmonitors, dass etwa 15
Prozent der Wohnungen bei den BBU-Unternehmen illegal untervermietet seien.
„Dieser schwarzen Schafe nutzen die Marktlage aus, um überhöhte Mieten zu
realisieren“, so Kern. Die Datenlage der „illegalen Untervermietung“ ist
allerdings wenig repräsentativ. Sie geht auf Begehungen der Unternehmen
zurück, die die Namen auf den Mietverträgen mit denen auf den
Klingelschildern abgeglichen haben.
Auch die Grünen gehen deshalb mit dem BBU ins Gericht. „Der BBU rechnet
sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt statistisch schön“, sagt die grüne
Wohnungspolitikerin Katrin Schmidberger. „Er will vorgaukeln, dass die
Mieten bei den privaten Vermieter*innen gar nicht so hoch seien, um
weniger Regulierung bei den Bestandsmieten zu erreichen.“
3 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://bbu.de/
(DIR) [2] https://bbu.de/pressemeldungen/2026/bbu-marktmonitor-2025-differenzieren-nicht-dramatisieren
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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