# taz.de -- Berliner Stadtplanung: Mehr Wohnraum, weniger Büros
       
       > Trotz Wohnungsnot wird weiterhin in den Bau von Bürohochhäusern
       > investiert. Die Grünen diskutieren das Problem mit Expert:innen und
       > fordern Maßnahmen.
       
 (IMG) Bild: Von den Grünen initiierte Expertenrunde im Abgeordnetenhaus
       
       „Wir haben eine große Herausforderung in Berlin“, sagt der
       Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf. Etwa zwei Millionen Quadratmeter
       Bürofläche ständen leer. Gleichzeitig fehle es an bezahlbaren Wohnungen.
       
       Statt sozialem Wohnungsbau entstehen in der Innenstadt laut Graf [1][immer
       mehr Bürokomplexe]. In den Außenbezirken der Stadt würden Bürohäuser
       leergezogen, dadurch verödeten Kieze. „Dort wird es immer leerer und
       leerer“, sagte er.
       
       Die Grünen haben am Donnerstagabend mit verschiedenen Expert:innen
       diskutiert, wieso es kein neues Baurecht für Bürokomplexe geben darf – und
       wie vorhandene Bürogebäude in Wohnungen umgebaut werden könnten. In einem
       Antrag an den Senat fordern sie den Stopp neuer Bauprojekte zu gewerblichen
       Zwecken und Unterstützung beim Umbau bestehender Büroflächen in Wohnraum.
       
       Susanne Lang und Susann Bartsch-Steinkritzer stellten das Hausprojekt
       WiLMa19 als Best-Practice-Beispiel vor. Ihr Hausverein habe ein ehemaliges
       DDR-Bürogebäude des Staatssicherheitsdienstes in günstigen Wohnraum
       umgewandelt. Im Projekt leben Mieter:innen in unterschiedlichen
       Konstellationen zusammen, etwa in Wohngemeinschaften oder als Familien.
       
       ## Anlaufstelle benötigt
       
       Laut Lang braucht es im Idealfall eine Anlaufstelle, die in spezifischen
       Fragen bei der Umsetzung eines solchen Projekts hilft. Immer wieder seien
       sie auf Probleme gestoßen. „Es war nicht einfach, aber es war möglich“,
       betonte sie. Das Hausprojekt diene als Vorbild für Umbauinitiativen. „Man
       findet Lösungen, wenn man sie finden möchte. Das ist eigentlich der Punkt“,
       sagte Lang.
       
       Der bloße Umbau von Bürogebäuden sei leichter umsetzbar als gedacht, meinte
       der Präsident der Architektenkammer Berlin Eike Roswag-Klinge. „In den
       meisten Fällen ist es technisch relativ einfach“, sagte er. Wichtig sei
       dabei nur, möglichst minimalinvasiv zu arbeiten, um die Kosten gering zu
       halten. Bereits mit unter 2000 Euro pro Quadratmeter könnten Bürogebäude
       angemessen ausgebaut werden.
       
       Man stoße vor allem auf rechtliche Herausforderungen, so Werner Graf. Nicht
       jedes Bürogebäude sei zum Wohnen geeignet. Richter Thomas Weigelt erklärte
       zudem, es werde im Falle eines Umbaus eine neue Baugenehmigung benötigt.
       Ein Gebäude, was zuvor als Büroraum genutzt wurde, müsse dann die jetzt
       geltenden Anforderungen an das Wohnen erfüllen.
       
       „Wenn man sich mit den Fragen der Zeit auseinandersetzt, kommt man am Thema
       Nachhaltigkeit nicht vorbei“, ergänzte Roswag-Klinge. Der Klimawandel müsse
       reflektiert und bestehende Gebäude umgebaut und zukunftsfähig gemacht
       werden. Die Landesregierung sei stattdessen auf Wachstum ausgerichtet. „Die
       Nachhaltigkeit ist komplett ausgeschaltet im Moment“, sagte er.
       
       ## Keine belastbaren Zahlen
       
       Problematisch ist laut Grünen-Sprecherin Katrin Schmidberger außerdem, dass
       es [2][kaum belastbare Zahlen zum Leerstand] gibt. Diese bilden die Basis
       für zukünftige Ideen. Deswegen fordern die Grünen mit ihrem Antrag auch
       eine Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse. Der Senat habe wohl kein
       Interesse daran, die Daten zu erheben, so Schmidberger. „Wir sind auch
       darauf angewiesen, uns die Zahlen zusammenzusuchen“, erklärte sie.
       
       Außerdem rufen die Grünen den Senat auf, [3][die Planung zur „Urbanen
       Mitte“ im Gleisdreieckpark] nicht weiterzuverfolgen. Dort sollen sieben
       neue Hochhäuser gebaut werden, ursprünglich für gewerbliche Zwecke. Laut
       Matthias Bauer von der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V. wurde
       inhaltlich bereits beschlossen, dass normales Wohnen vom Vorhaben
       ausgeschlossen ist. „Die wollten das nicht“, klagte er über den Senat.
       
       Die Frage nach bezahlbarem Wohnraum bewegt Berliner:innen. „Wie wichtig das
       Thema ist, haben wir glaube ich alle heute erlebt“, sagte Julian Schwarze
       abschließend. Auch nach über zwei Stunden ist der Raum noch gut gefüllt und
       die Debatte konzentriert.
       
       6 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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