# taz.de -- Opposition in Iran: Alle wollen Freiheit
> Die iranische Opposition ist fragmentiert. Dem Schah-Sohn Reza Pahlavi
> fehlt es an einer multiethnischen Perspektive. Nicht alle trauen den
> Monarchisten.
(IMG) Bild: Demonstration für Menschenrechte und Freiheit im Iran (14.2.2026)
Das Wort Opposition ist manchmal irreführend. Die überwiegende Mehrheit,
manche sagen bis zu 80 Prozent, der Iraner lehnt zwar jene Islamische
Republik ab, die der getötete Oberste Führer Ali Chamenei repräsentierte.
Doch es ist ein sehr mühsamer Weg, aus dieser Gegnerschaft eine ernsthafte
Opposition zu gestalten.
[1][Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten letzten Schahs], ist der
häufigste Name, den man dieser Tage hört. Unter den Exiliranern genießt er
die größte Unterstützung, er ist für viele die Verkörperung einer
verlorenen Hoffnung, denn sein Name ist mit einer vergangenen, vermeintlich
glorreicheren Ära des Iran verbunden. Früher war es besser, denken viele,
und viele sehnen sich danach, dass die Vergangenheit nicht vergehen möge.
Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar sprach er bei einem
Protest der iranischen Exilopposition vor rund 350.000 Menschen, die aus
allen Teilen Europas angereist waren. Ähnliche Großdemonstrationen gab es
für ihn an diesem Tag in mehreren Großstädten Australiens, in Kanada und in
den USA.
Auch in Chameneis letzten Ansprachen, bevor ihn die US-Amerikaner bei einem
der ersten Luftschläge am Wochenende töteten, war die Angst vor dem Namen
Reza Pahlavi unüberhörbar. Viele Beobachter meinen, die Brutalität, mit der
Chamenei am 8. und 9. Januar gegen die Proteste der Zivilbevölkerung
vorgehen ließ, hatten auch mit der Angst vor Pahlavi zu tun.
## „Das ist die letzte Schlacht, Pahlavi kehrt heim“
Bei den Massendemonstrationen hatte die Menschenmenge unüberhörbar die
Parole gerufen: „Das ist die letzte Schlacht, Pahlavi kehrt heim.“
Wie diese Demonstranten, deren überwiegende Zahl die Schah-Zeit nur aus
Erzählungen und von den Fernsehbildern der iranischen Exilsender kennt,
wieder zurück zu einer Monarchie gelangen wollen, wissen sie wahrscheinlich
selbst nicht.
Die Auslandsmonarchisten bestehen, soweit man übersehen kann, aus mehreren
Gruppen und Fraktionen: Grob lassen sie sich einteilen in Extremisten,
Moderate und Konservative. Und jeder von ihnen sieht in Reza Pahlavi seine
eigene Vision, wie die persische Monarchie von Morgen auszusehen hat.
Manche von ihnen wollen eine radikale Abrechnung mit allen, die für die
Katastrophe der Revolution von 1979 verantwortlich sind.
Es gibt auch sehr rationale Monarchisten, die vieles, was unter der
Herrschaft des Schahs geschah, kritisieren. Sie sehen sich als Reformisten
und fordern die Zusammenarbeit mit weiteren reformistischen Kräften, die
ehemals die Revolutionäre von 1979 waren.
Viele Anhänger der Monarchie, vielleicht die Mehrheit von ihnen, will nicht
ganz zurück zur Schah-Zeit. Sie hoffen, wieder in einer respektvollen
Atmosphäre, in einem international akzeptierten Land leben zu können. Es
gäbe auch orientalische Monarchien wie die marokkanische oder jordanische,
sagen sie, die zivilisiert mit ihrer Bevölkerung umgehen würden, jedenfalls
besser als manche „Erbrepubliken“.
## Misstrauen unter den Kurden
Doch jenseits der Diskussion über Menschenrechte in der Vergangenheit und
Gegenwart müssen die Monarchisten, muss Reza Pahlavi, halbwegs kompatible
Perspektiven für dieses multiethnische Land anbieten. Das fehlt, und das
sorgt für Misstrauen nicht nur unter den Kurden, sondern auch bei anderen
Ethnien wie Arabern, [2][Aseris] und Belutschen.
Den Monarchisten steht eine bunte Front der „Republikaner“ gegenüber, die
die Monarchie für eine längst und in jeder Hinsicht vergangene Geschichte
halten. Aber dennoch halten sie nicht nur den Dialog, sondern auch eine
Zusammenarbeit mit Pahlavi-Anhängern für unabdingbar. Vor zwei Wochen
trafen sich Vertreter von 20 Oppositionsgruppen hinter verschlossenen Türen
in London, um über Wege hin zu einem demokratischen System zu beraten.
Das Treffen, das am 23. und 24. Februar unter Ausschluss der Öffentlichkeit
stattfand, betonte laut den Organisatoren gemeinsame Prinzipien wie
„pluralistische Demokratie, Menschenrechte, Trennung von Religion und Staat
und die Durchführung eines freien Referendums zur Bestimmung des künftigen
Systems“.
## Erklärung von der „Iranischen Rettungsfront“
Und vor drei Tagen erschien eine Erklärung von 416 politischen Aktivisten
unter dem Titel „Iranische Rettungsfront“. Die Unterzeichner sind
veritable, anerkannte Persönlichkeiten, mit beeindruckenden Biografien des
politischen Engagements. Einige von ihnen wie die Frauenrechte-Aktivistin
Narges Mohammadi oder der Reform-Politiker Mostapha Tajzadeh hatten sich
sogar aus dem Gefängnis gemeldet.
Viele der Unterzeichner haben jahrelang in dem Glauben gekämpft, Chameneis
Republik sei reformierbar: ein Referendum, freie Wahlen, Trennung von Staat
und Religion, Meinungs- und Pressefreiheit, das war, was alle
Oppositionskräfte wollten. Selbst [3][die Volksmujaheddin, die nach innen
als eine sehr geschlossene Sekte organisiert sind], nach außen aber eine
sehr wirksame Lobbyarbeit betreiben.
6 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /SPD-Politiker-zum-Schah-Sohn/!6153620
(DIR) [2] /Angegriffenes-Mullah-Regime/!6158961
(DIR) [3] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-11/volksmudschahedin-berlin-sekte-bundestagsabgeordnete
## AUTOREN
(DIR) Ali Sadrzadeh
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