# taz.de -- Linkspartei zum Iran-Krieg: „Mögen sie in der Hölle schmoren“
> Dem getöteten Führungspersonal des Mullah-Regimes weint Linken-Chef Jan
> van Aken keine Träne nach. Er warnt jedoch vor einem Bürgerkrieg.
(IMG) Bild: „Fest an der Seite der Menschen im Iran“: Linken-Bundeschef Jan van Aken
Die große Sorge ist Jan van Aken anzusehen, als er am Montagmittag im
Berliner Karl-Liebknecht-Haus vor die Presse tritt. Seine Gedanken und sein
Mitgefühl seien bei den Menschen in „all den Orten, wo gerade Bomben
fallen“, sagt der Parteivorsitzende der Linken. Ob in Teheran, Tel Aviv
oder anderswo in der Region. Und er stellt klar: Seine Partei stehe „fest
an der Seite der Menschen im Iran, die seit Jahrzehnten für mehr Demokratie
kämpfen“.
Die Botschaft, die van Aken aussenden will: Die deutliche Kritik der Linken
an dem Angriff der USA und Israels auf den Iran darf nicht als
Entsolidarisierung mit den vom Mullah-Regime Unterdrückten verstanden
werden. „Wir können hier in Deutschland gleichzeitig an der Seite der
Demokratiebewegung im Iran stehen und an der Seite des Völkerrechts“, sagt
er. „Das schließt sich nicht aus.“
So findet der Linken-Chef deutliche Worte zur [1][Tötung von Ajatollah Ali
Chamenei] und anderem Führungspersonal der Islamischen Republik. „Man soll
sich nie über den Tod eines Menschen freuen – und trotzdem, denke ich, ist
es gut, dass die weg sind“, sagt er. Und: „Mögen sie in der Hölle
schmoren.“ Die Zukunft von Iran sei jedoch völlig offen. „Der Versuch, von
außen Demokratie herbeizubomben, ist ein ganz schwieriger“, so van Aken.
Das hätte sich bereits im Irak und in Libyen gezeigt, wo die Folge jeweils
ein jahrelanger Bürgerkrieg gewesen sei. Dort seien nicht die
Demokrat:innen gestärkt worden, sondern „die, die dort vor Ort die
Waffen haben“.
Diese Befürchtung hat van Aken auch für den Iran. „Im schlimmsten Fall gibt
es einen Regimewechsel, aber keine Demokratie, sondern andere bewaffnete
Milizen oder andere Autokraten, die dort kommen.“ Trotzdem habe er weiter
die Hoffnung, dass die Demokratiebewegung am Ende doch gewinnen könne,
„aber es sieht im Moment nicht sehr gut dafür aus“.
## Ermittlungen nach dem Weltrechtsprinzip
Von der Bundesregierung fordert van Aken zuvorderst, dass keine
Abschiebungen mehr in den Iran stattfinden dürfen. Außerdem müssten
flüchtende Iraner:innen in Deutschland Schutz bekommen. Zudem sollten
die deutschen Justizbehörden nach dem sogenannten Weltrechtsprinzip
selbstständig Ermittlungen über Gräueltaten des Mullah-Regimes aufnehmen.
Das habe zum einen eine abschreckende Wirkung, zum anderen könne es dazu
beitragen, dass nach einem Regimewechsel im Iran die Täter nachträglich
noch zur Verantwortung gezogen werden können.
Scharf kritisiert van Aken Kanzler Friedrich Merz (CDU) und die
schwarz-rote Bundesregierung, die nicht bereit seien, den Angriff auf den
Iran als das zu benennen, was er ist. „Es gibt überhaupt keinen Zweifel
daran, dass dieser Angriff Israels und der USA völkerrechtswidrig war“,
sagte er. Dass die Regierung taktisch mit dem Völkerrecht umgehe und
doppelte Standards anwende, sei „ein großer Fehler“. Denn es schütze die
Schwachen vor den Starken. „Wenn wir kein Völkerrecht haben, dann haben wir
nur noch das Recht des Stärkeren“, so van Aken.
Schon nach der Bombardierung der iranischen Atomanlagen durch die USA und
Israel im vergangenen Jahr hatte die Linkspartei aufgrund des Herumeierns
der Bundesregierung beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags ein
Gutachten in Auftrag gegeben, ob diese Militäraktion als völkerrechtswidrig
einzuschätzen sei. Der [2][Befund des Wissenschaftlichen Dienstes] fiel
eindeutig aus: „Die Völkerrechtsordnung wird in ihrem normativen
Geltungsanspruch infrage gestellt, wenn Rechtsregeln moralisch
‚nachjustiert‘ und die juristische Argumentation durch Aspekte der ‚Moral‘
oder der ‚Legitimität‘ aufgeladen bzw. überlagert werden.“ Genau dies
erleichtere es Aggressoren, Völkerrechtsbrüche oder Angriffskriege jenseits
des Rechts zu legitimieren.
„Der Wissenschaftliche Dienst hat in seinem Gutachten bereits die
Völkerrechtswidrigkeit der präventiven US-amerikanischen und israelischen
Militärschläge im letzten Jahr bestätigt“, konstatiert der
verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Ulrich Thoden. Diesmal
sei der Fall noch eindeutiger. Die Bundesregierung müsse daher „das
völkerrechtswidrige Vorgehen der USA und Israels klar verurteilen“, fordert
Thoden. „Sie darf die Angriffe weder direkt noch indirekt über
US-Militärbasen wie Ramstein in Deutschland unterstützen“, sagt er der taz.
Das sieht die DFG-VK, Deutschlands älteste Friedensorganisation, genauso.
In einer [3][am Montag veröffentlichten Erklärung] fordert sie die
Bundesregierung zu diplomatischen Initiativen auf, um den Krieg
schnellstmöglich zu beenden. Außerdem solle es einen Stopp der
Waffenexporte an die USA und Israel sowie generell in die Krisen- und
Kriegsregion des Nahen und Mittleren Ostens geben. „Es ist kein
Widerspruch, ein Ende des iranischen Regimes zu fordern und gegen den
völkerrechtswidrigen Militärangriff der USA und Israels zu sein“, sagt der
DFG-VK-Bundessprecher Thomas Carl Schwoerer. „Wir stehen empathisch an der
Seite aller zivilen Opfer dieses Krieges.“
2 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Tod-des-iranischen-Diktators/!6159036
(DIR) [2] https://www.bundestag.de/resource/blob/1098542/WD-2-029-25.pdf
(DIR) [3] https://dfg-vk.de/iran-krieg-forderungen-an-die-bundesregierung/
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Unsere Autorin arbeitet seit 20 Jahren im Exil für die Opfer des
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Chamenei tot ist.