# taz.de -- Iran-Krieg: Wie Washington und Jerusalem Irans Führung angreifen
> Mit Angriffen auf den obersten Führer, die Revolutionsgarden und den
> Expertenrat nehmen USA und Israel das iranische Regime ins Visier.
(IMG) Bild: Beschädigte Gebäude in der offiziellen Residenz von Ajatollah Ali Chamenei in Teheran, Iran
Welche Ziele bestimmen das Vorgehen des US-amerikanischen und israelischen
Militärs gegen die Islamische Republik Iran? Die Reihenfolge, in der sie
bislang angegriffen haben, gibt Aufschluss. Der Krieg beginnt am
Samstagmorgen. Und nach Angriffen auf Raketenabschussrampen und andere
Verteidigungsstrukturen Irans – zur Sicherung der Luftüberlegenheit – ist
eines der ersten Opfer der Oberste Führer Ali Chamenei.
Die erste Überraschung für die iranische Führungsriege ist wohl, dass der
Krieg nicht in der Nacht – wie sonst so oft – sondern am Morgen beginnt.
Die zweite, dass Israel und die USA, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, bei
der Wurzel der Islamischen Republik beginnen. Fast alle Verkehrskameras in
Teheran seien seit Jahren von Israel angezapft gewesen, berichten
US-Medien, Chamenei zu verfolgen, daher eine Standardübung.
Der oberste Führer Irans, der dafür bekannt war, seine Macht weitreichend
einzusetzen und der die Ausrichtung der Islamischen Republik stark prägte,
wird getötet. Außer ihm mehrere wichtige Köpfe des Regimes: Der enge
Berater und Sekretär des Verteidigungsrats Ali Shamkhani; der Stabschef der
Sicherheitskräfte Abdolrahim Mousavi; Verteidigungsminister Aziz
Nasirzadeh; der Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarden Mohammad
Pakpour und weitere führende Köpfe des Sicherheitssystems.
Die Macht in der Islamischen Republik ruht auf drei Säulen: Oberster
Führer, Revolutionsgarden, Regierung. Es zeigt sich: Die USA und
[1][Israel] gehen bislang vor allem gegen zwei Säulen – die
Revolutionsgarden und den obersten Führer samt seinem inneren Zirkel – vor.
## Angriff auf Expertenrat
Ein Angriff am Dienstagnachmittag geht in dieselbe Richtung: Das
israelische und das US-Militär griffen am Dienstag den Sitz des sogenannten
Expertenrats in der Stadt Qom an. Ein Gebäude des Rats in Teheran wurde
wohl bereits zuvor attackiert. Nach einem Bericht des Telegram-Kanals Zed
TV fand dort gerade eine Sitzung statt – zur Wahl des neuen obersten
Führers der Islamischen Republik.
Wie viele der 88 Mitglieder des Rates zum Angriffszeitpunkt im Gebäude
waren, ist unklar. Es sollen aber mehrere Mitglieder verwundet worden
seien. Laut dem Portal Axios, das sich auf einen israelischen Beamten
bezieht, habe man „die Wahl eines neuen Supreme Leaders verhindern“ wollen.
Dazu passt auch, dass der US-Präsident Donald Trump am Dienstag öffentlich
erklärte: Es sei nun für Verhandlungen – die Iran angefragt habe – „zu
spät“.
Iran hatte nach dem Tod Chameneis mit heftigen Gegenangriffen auf Israel
und auf die arabischen Golfstaaten reagiert. Das Emirat Dubai wurde
mehrfach getroffen, auch zivile Einrichtungen, etwa das berühmte Burj Al
Arab Hotel. Teheran verwendet für diese Attacken Drohnen und Raketen, teils
ballistisch.
## Wie gehen die USA und Israel gegen Atomanlagen vor?
Strategisch gelten deshalb viele weitere Angriffe in Iran der
Angriffsfähigkeit des Mullah-Regimes. So wurde etwa die Drohnenbasis Choka
Balk-e in Westiran beschossen, außerdem verschiedene Raketenbasen, etwa in
der zentralen Provinz Yazd oder bei Bandar Abbas [2][an der Meerenge von
Hormus]. Auch Einrichtungen der Verteidigungsindustrie wurden getroffen.
Am Montag wurde außerdem ein Angriff auf den Nuklearstandort Natanz
bestätigt. Der US-amerikanische Thinktank Institute for the Study of War
berichtete, dass dabei mindestens drei Gebäude schwer beschädigt wurden.
Die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA bestätigte Schäden an den
Eingangsgebäuden der unterirdischen Atomanreicherungsanlage. Weitere
Details sind dazu bislang nicht bekannt. Es werde keine erhöhte Strahlung
oder eine sonstige damit im Zusammenhang stehende Gefahr erwartet, so die
IAEA.
Im Zwölf-Tage-Krieg 2025 hatten sich Israel und die USA auf die Atomanlagen
Irans fokussiert. Auch damals wurde Natanz angegriffen, zudem die Anlage
Fordow und das Isfahan Atomtechnologie-Zentrum. Das Ergebnis, so der
Konsens von Analysten: Ein Teil des bis dato angereicherten Urans konnte
Iran wohl vor den Angriffen retten – allerdings wurde seine Fähigkeit,
erneut anzureichern, deutlich beschränkt. An allen drei Anlagen wurde nach
den Angriffen nur noch wenig Aktivität festgestellt.
Sorge bereitete vielen aber die Anlage Pickaxe Mountaint, südlich von
Natanz. Dort wurden weiter Bauarbeiten beobachtet, die bereits vor dem
Krieg begonnen wurden. Laut dem Insitute for Science and International
Security, das die Anlage nach eigenen Angaben seit 2020 beobachtet, gilt
sie aber nicht als einsatzbereit.
[3][Nach eigenen Angaben haben Israel und die USA bislang insgesamt
mindestens 1.000 Ziele angegriffen.] Am späteren Dienstag gab das
israelische Militär Warnungen für Industriezonen in Teheran sowie den
Flughafen Payam heraus. Es ist gut möglich, dass auch diese Angriffe dem
Verteidigungssystem Irans gelten werden.
3 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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