# taz.de -- Verbraucherschutz im Internet: Illegale Inhalte melden schwer gemacht
       
       > Eine Untersuchung zeigt: Onlineplattformen setzen die Vorgaben für die
       > Meldung illegaler Inhalte nicht zuverlässig um. Zugeben wollen sie das
       > aber nicht.
       
 (IMG) Bild: Wo geht’s hier zum Meldeformular? Das ist nicht immer leicht zu finden
       
       Ob gefälschte Produkte oder schwere Beleidigungen – Onlineplattformen
       müssen Nutzenden Wege bieten, mutmaßlich illegale Inhalte zu melden. Doch
       sie setzen die entsprechenden Vorgaben laut einer aktuellen
       [1][Untersuchung] des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) nicht
       immer vollständig um.
       
       „Nutzerinnen und Nutzer von Onlineplattformen treffen immer wieder auf
       illegale Inhalte, zum Beispiel Werbung für Fakeshops oder nicht zugelassene
       Nahrungsergänzungsmittel“, sagt Ramona Pop, Vorständin des vzbv. Wollten
       die Nutzer:innen derartige Inhalte der Plattform melden, müssten sie zum
       Teil erhebliche Hürden nehmen.
       
       Der [2][Digital Services Act (DSA)], eines der großen EU-Digitalgesetze,
       [3][sieht vor], dass Plattformen „leicht zugängliche und
       benutzerfreundliche“ Melde- und Beschwerdeverfahren anbieten müssen. Der
       vzbv hat daher die Meldewege auf zehn großen Onlineplattformen zwischen dem
       9. Oktober 2025 und dem 26. Januar 2026 untersucht. Dabei überprüften die
       Tester:innen sowohl die Meldewege für Menschen mit als auch für Menschen
       ohne Nutzerkonto. Bei den Social-Media-Plattformen berücksichtigten sie
       zudem die Handhabung für minderjähriger Nutzer:innen mit einem
       Nutzerkonto. In der Stichprobe befanden sich einerseits Handelsplattformen
       wie Amazon, Shein, Temu und Zalando und andererseits
       Social-Media-Plattformen wie Instagram, Snapchat und Tiktok.
       
       Die Untersuchung geht weniger auf die Defizite von einzelnen Anbietern ein
       als auf die Gesamtschau. Und die ist durchwachsen. So würden zwar die
       Plattformen Meldewege für illegale Inhalte anbieten. Diese seien jedoch in
       vielen Fällen schwer zugänglich und nach Ansicht der
       Verbraucherschützer:innen nicht gerade nutzer:innenfreundlich
       gestaltet. So müssten Nutzende teils lange Klickpfade überwinden und unter
       einer Vielzahl an nicht eindeutigen Auswahllisten die für ihren Fall
       richtige Möglichkeit finden. Der DSA schreibe zudem vor, dass die
       Plattformen Eingangsbestätigungen schicken müssten, solche seien aber nicht
       immer angekommen.
       
       ## Extra Hürden für Nutzende ohne Account
       
       Dazu kämen Dark Patterns: Das sind manipulative Designs, die
       Besucher:innen auf Webseiten in eine bestimmte Richtung lenken – und
       die es zum Beispiel schwer machen können, ein gewünschtes Ziel zu finden.
       Extra Hürden gibt es mitunter auch für Menschen, die auf dieser Plattform
       keinen Account haben: So könne man etwa bei Amazon ohne Login gar keine
       entsprechende Meldung erstellen, bei Instagram seien die Möglichkeiten
       eingeschränkt. „Plattformen müssen die Regelungen des DSA endlich
       vollständig umsetzen und sämtliche Hürden für die Meldung illegaler Inhalte
       abbauen – oder Konsequenzen in Form von Bußgeldern bekommen“, kritisiert
       Pop.
       
       Die taz hat die oben aufgeführten Unternehmen um Stellungnahmen gebeten.
       Bis Redaktionsschluss bestritten Amazon, Shein und Zalando die Vorwürfe und
       betonten, genau wie Meta (Instagram und Facebook) und die Handelsplattform
       Temu, die eigenen Bemühungen bei der Umsetzung des Rechts.
       
       2 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.vzbv.de/sites/default/files/2026-02/vzbv_Bericht_DSA_Meldewege.pdf
 (DIR) [2] /Digital-Services-Act/!t6045977
 (DIR) [3] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32022R2065
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Plattformökonomie
 (DIR) Big Tech
 (DIR) Online-Plattform
 (DIR) Verbraucherschutz
 (DIR) Hassrede
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Social Media
 (DIR) Snapchat
 (DIR) Digital Services Act
 (DIR) Big Tech
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige: Söder jetzt für „totalen Quatsch“
       
       Die Ministerpräsident:innen fordern einstimmig auch altersgestufte
       Regeln für Tiktok & Co. Bayerns Ministerpräsident legt eine Kehrtwende hin.
       
 (DIR) EU-Kommission gegen Apple, Google, Snap: Europa will die Jugend schützen
       
       Google und Apple sowie Snapchat und YouTube nehmen den Kinder- und
       Jugendschutz nicht ernst, kritisiert die EU - und wird nun aktiv.
       
 (DIR) Studie zu nachhaltigem Konsum: Der Kaufrausch im Internet
       
       Viele Kund:innen wollen Umwelt und Klima schonen, sagt eine Untersuchung
       des Umweltbundesamtes. Doch im Netz geht das Thema Nachhaltigkeit unter.
       
 (DIR) Big Tech will bei EU-Regeln mitreden: Mehr Mitsprache für die Mächtigen
       
       US-Tech-Konzerne könnten Mitspracherechte bekommen bei der Umsetzung der
       Regeln, die ihre Marktmacht begrenzen sollen. Das ist verrückt – und extrem
       gefährlich.