# taz.de -- Jugendschutz im Netz: EU-Kommission geht gegen Snapchat und Pornoseiten vor
> Die EU-Kommission nimmt mehrere große Plattformen ins Visier. Laut ihr
> verhindern diese nicht gut genug, das Jugendliche Alterssperren umgehen.
(IMG) Bild: Die EU möchte Kinder und Jugendliche besser in der digitalen Welt schützen
dpa/afp | Um Kinder und Jugendliche im Netz zu schützen, nimmt die
Europäische Kommission mehrere [1][große Plattformen ins Visier.] Die
Brüsseler Behörde hat den Verdacht, dass Snapchat besonders junge Kinder
nicht ausreichend an der Nutzung der Plattform hindert und leitet daher ein
Verfahren gegen das US-Unternehmen ein, wie sie mitteilte.
Die Liste der Vorwürfe ist lang: Kinder und Jugendliche könnten bei
Snapchat von Fremden nach Nacktbildern gefragt oder für kriminelle Banden
angeworben werden und Informationen zum Kauf von Drogen bekommen, teilte
die Kommission am Donnerstag mit. Sie will nun prüfen, ob das Unternehmen
ausreichend gegen solche Fälle vorgeht.
Über Snapchat können Nutzende private Fotos und Videos hin und her schicken
sowie öffentlichen Profilen folgen. Die Kommission befürchtet, dass sich
Erwachsene „mit böser Absicht“ als Minderjährige ausgeben und dort mit
Kindern und Jugendlichen chatten. Sie könnten Betroffene etwa überreden,
Nacktfotos zu schicken.
[2][Zahlreiche Influencer machen über die Plattform zudem Werbung für ihre
Produkte.] Die EU-Ermittler vermuten, dass Minderjährige auf diese Weise
Informationen zum Kauf von Drogen oder von Produkten mit einer
Alterbeschränkung bekommen, etwa E-Zigaretten und Alkohol.
## Nicht ausreichende Sicherheitsstandards
[3][Die EU-Kommission] verdächtigt Snapchat, nicht genug dagegen zu tun und
so gegen EU-Recht zu verstoßen. Die Behörde untersucht den Fall nun genauer
und greift dabei auch auf Erkenntnisse einer niederländischen Untersuchung
und Angaben der deutschen Bundesnetzagentur zurück. Dabei will die
EU-Kommission auch besonders auf die Standard-Einstellungen bei Konten für
Jugendliche und die Möglichkeit, illegale Inhalte zu melden, achten.
Eine Snapchat-Sprecherin kündigte an, wie bisher transparent mit der
Kommission zusammenzuarbeiten. „Die Sicherheit und das Wohlergehen aller
Snapchatter haben für uns oberste Priorität, und unsere Teams arbeiten seit
Jahren daran, die Sicherheitsstandards weiter zu verbessern. Snapchat sei
nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, die hohen Sicherheitsstandards des
DSA zu erfüllen und werde im Laufe der Ermittlungen mit der Kommission
zusammenarbeiten, erklärte sie weiter.
Die Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das EU-Gesetz für
digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) dürften einige Monate dauern.
Bestätigen sich die Vorwürfe, kann die Kommission ein Bußgeld gegen
Snapchat verhängen.
## Auch Pornoseiten sollen Jugendliche besser schützen
Bei vier Pornoseiten ist die Kommission bereits einen Schritt weiter:
Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos verstoßen nach vorläufiger
Einschätzung gegen EU-Recht. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen
ihnen Geldstrafen von jeweils bis zu sechs Prozent des jährlichen
Konzernumsatzes.
Diese vier Pornoseiten hindern Jugendliche demnach nicht ausreichend daran,
auf ihre Inhalte zuzugreifen. Die Plattformen gäben zwar an, dass ihre
Dienste nur für Erwachsene bestimmt seien. Jeder könne aber durch einen
einfachen Klick angeben, über 18 Jahre zu sein und so Zugriff erhalten,
kritisiert die Kommission. Das sei nicht ausreichend. Seiten würden zwar
unscharf gezeichnet, es gebe Inhaltswarnungen und Hinweise wie „Nur für
Erwachsene“ – doch dies hindere aber Minderjährige nicht wirksam daran, auf
schädliche Inhalte zuzugreifen.
Beim Messenger-Dienst Snapchat beginnt die genaue Prüfung dagegen nun erst.
Wer sich bei Snapchat anmeldet, muss sein Geburtsdatum angeben. Die
Nutzungsbedingungen schreiben vor, dass man mindestens 13 Jahre alt sein
muss. Für Teenager bis einschließlich 17 Jahren gibt es besondere
Einstellungen. Die EU-Kommission vermutet, dass diese Maßnahmen nicht
ausreichen: Das eigene Alter – ohne Überprüfung – anzugeben, hindere Kinder
nicht daran, Snapchat zu nutzen,
## App zur Altersüberprüfung soll 2027 kommen
„Kinder greifen in immer jüngerem Alter auf Inhalte für Erwachsene zu, und
diese Plattformen müssen strenge, datenschutzkonforme und wirksame
Maßnahmen ergreifen, um Minderjährige von ihren Diensten fernzuhalten“,
forderte die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna Virkkunen.
Die Europäische Union hat eine App zur Altersüberprüfung entwickelt, die
aber erst Anfang 2027 eingeführt werden soll. Sie soll es möglich machen,
online das eigene Alter nachzuweisen, ohne die persönlichen Daten mit den
Plattformen zu teilen. Bislang müssten die Seiten auf andere Lösungen
zurückgreifen, die gleichzeitig mit europäischem Datenschutz vereinbar
sind.
26 Mar 2026
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