# taz.de -- Steinmeier im Libanon: „Alle Seiten müssen sich an Waffenruheabkommen halten“
> Bundespräsident Steinmeier pocht auf die Entwaffnung der Hisbollah und
> sagt weitere Hilfen zu. Die israelische Besetzung im Libanon müsse
> beendet werden.
(IMG) Bild: Bundespräsident Steinmeier mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun
Blau ist der Himmel über dem libanesischen Präsidentenpalast. Eine
israelische Überwachungsdrohne surrt über der Delegation aus Deutschland.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist in den Libanon gereist, um über
die Sicherheit in der Region zu sprechen. Die Menschen vor Ort sorgen sich
vor allem vor täglichen israelischen Bombardierungen, Beschüssen sowie
solchen Drohnen, die auch die Delegation wahrnimmt.
Trotz der Waffenstillstandsvereinbarung gehen die israelischen Angriffe
täglich weiter. Noch immer hält die israelische Armee mindestens fünf
Gebiete im Südlibanon militärisch besetzt und baut diese Posten aus. Fotos
zeigen Bagger um die Gebiete, Betonblöcke und Überwachungsequipment. Die
Position der deutschen Bundesregierung, sagt Steinmeier in Beirut, sei,
„dass eine dauerhafte Okkupation des libanesischen Territoriums nicht in
Betracht kommen kann und beendet werden muss.“
Vergangenes Wochenende war Premierminister Nawaf Salam im Südlibanon. Er
versprach den Anwohnenden, der Wiederaufbau würde bald beginnen. Noch immer
sind rund 64.000 Menschen im Libanon durch israelische Angriffe vertrieben.
Viele können nicht zurück in ihre Häuser, die zerstört sind. Entlang der
Grenze liegen ganze Dörfer in Trümmern. Steinmeier selbst wird nicht in den
Süden reisen und auch keine Menschen treffen, die von israelischen
Angriffen betroffen waren.
„Was ich hier sage, dass beide Seiten verpflichtet sind, das
Waffenstillstandsabkommen zu erfüllen, sage ich auch in Israel, nicht nur
hier im Libanon“, versprach der Bundespräsident vor allem in Richtung der
libanesischen Presse. Es ist eine erstaunlich klare Ansage von Steinmeier.
## Steinmeier sagt weitere Hilfen zu
Seit Verkündung der Waffenruhe am 27. November 2024 hat die Hisbollah keine
Raketen auf Israel geschossen. Aber beide Seiten werfen sich gegenseitig
vor, die Waffenruhe zu brechen. Laut dem libanesischen
Gesundheitsministerium wurden durch israelische Angriffe [1][über 330
Menschen] getötet. Die Vereinten Nationen haben mindestens [2][127 getötete
Zivilist*innen] verifiziert und über 10.000 Verletzungen des
Waffenstillstandes durch Israel auf libanesischem Territorium gezählt.
Steinmeier versprach in Beirut weitere Hilfen. Der libanesische Staat
seinerseits müsse sich reformieren und die Hisbollah entwaffnen, so der
Bundespräsident. „Selbst die geeintesten Nationen können Opfer einer
Teilung werden, wenn sie unter Besatzung geraten. Einheit verwirklicht sich
nur durch vollständige Unabhängigkeit“, entgegnete Libanons Präsident
Joseph Aoun. Einig sind sich beide darin, dass es Frieden braucht.
Die Libanes*innen drängen ihre Regierung derweil darauf, Richtung
Westen zu fordern, die israelischen Angriffe zu stoppen. Er habe Steinmeier
um wirtschaftliche Unterstützung sowie den Abzug des israelischen Militärs
gebeten, sagte Aoun. Voraussetzung für den israelischen Rückzug sei die
Entwaffnung der Hisbollah in mehreren Phasen, so Steinmeier.
Die libanesische Armee hatte die Entwaffnung der Hisbollah südlich des
Litani-Flusses im Januar für abgeschlossen erklärt. Der Süden des Landes
war nur die erste Phase des ambitionierten Plans, die Miliz im gesamten
Land zu entwaffnen. Die zweite Phase, in der es um die Entwaffnung im
Norden gehen soll, stockt.
Steinmeier ist parallel zu einer hochbrisanten Kabinettsitzung im Land. Im
Präsidentenpalast in Baabda legte der Kommandeur der libanesischen Armee am
Montagmittag einen Plan zu den nächsten Schritten der Entwaffnung vor. Ein
Minister mit Verbindungen zur Hisbollah schloss gegenüber libanesischen
Medien aus, dass er und seine schiitischen Ministerkollegen die Sitzung
verlassen würden. Doch Hisbollah-Chef Naim Qassem wird parallel zur Sitzung
eine Rede halten, in der er sich wohl gegen die Entwaffnung wehren wird.
16 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://reliefweb.int/report/lebanon/one-year-lebanon-continued-ceasefire-violations-harm-civilians
(DIR) [2] https://media.un.org/unifeed/en/asset/d350/d3507285
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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