# taz.de -- Israels Angriffe auf den Libanon: Häuser werden in Schutt und Asche gelegt
> Libanons Regierung verspricht eine schnelle Wiederinstandsetzung der
> kriegszerstörten Infrastruktur. Doch israelische Angriffe verhindern den
> Wiederaufbau.
(IMG) Bild: Ein israelischer Luftangriff auf das Dorf Kfar Hatta im Südlibanon
Israelische Soldaten sind in der Nacht auf Donnerstag in die libanesische
Stadt Odaisseh eingedrungen und haben zwei leer stehende Wohngebäude mit
Dynamit gesprengt, berichten lokale Medien. Eine weitere Gruppe von
Soldaten drang demnach in das Nachbardorf Kfar Kila ein und sprengte dort
ein weiteres Haus. [1][Fotos] in lokalen Medien [2][zeigen] die vollständig
zerstörten Gebäude.
Die Grenzdörfer leiden unter täglichen israelischen Attacken. Wie
[3][libanesische Medien] berichten, beschossen Soldaten am Donnerstag mit
Maschinengewehren aus einer von Israel besetzten Stellung im Libanon die
Außenbezirke des Dorfes Alma al-Schaab. Eine israelische Armeedrohne warf
Blendgranaten auf einen Bulldozer und einen [4][Steinbruch] in dem Dorf ab.
Das Gerät wird für den Wiederaufbau benötigt.
Erst vor ein paar Tagen hatte Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam die
zerstörten Dörfer im Südlibanon besucht. Zwischen Schutt einstiger Häuser
[5][suchten am Sonntag Einwohner] von Kfar Kila Kontakt zu dem
Regierungschef. Trotz der Präsenz der libanesischen Armee seien israelische
Soldaten in das Dorf eingedrungen und hätten weitere Gebäude zerstört,
erzählt der Bürgermeister von Kfar Kila.
Angaben der Bewohner zufolge wurden in den vergangenen zwei Wochen sechs
Häuser gesprengt. Vor Kameras sagte der Bürgermeister: „Das muss
aufhören!“. Derzeit benötigten 1.400 Familien aus Kfar Kila Hilfe für den
Wiederaufbau und ihren Lebensunterhalt. Salam sagte staatliche
Unterstützung für die Gemeinden nahe der israelischen Grenze zu. Der
Wiederaufbau von Straßen und des Telefonnetzes werde bald beginnen.
## Militärische Präsenz als Vorwand
Doch die fast täglichen Angriffe behindern den Wiederaufbau. Israel nutzt
die militärische Präsenz der Hisbollah als Vorwand, um die Angriffe
fortzusetzen, auch wenn seit dem 27. November 2024 eine
Waffenstillstandsvereinbarung gilt. Seitdem hat die Hisbollah keine Rakete
mehr auf Israel abgeschossen. Im Zuge des Abkommens soll die Hisbollah
entwaffnet werden, so wie es bestehende UN-Resolutionen vorsehen.
Die libanesische Armee hatte die Entwaffnung der Hisbollah südlich des
Flusses Litani im Januar für abgeschlossen erklärt. Der Süden des Landes
war die erste Phase des ambitionierten Plans, die Miliz im gesamten Land zu
entwaffnen. Die zweite Phase, die Entwaffnung im Norden, stockt.
Der Regierungsplan sieht vor, gemeinsam mit der Hisbollah über einen
sogenannten nationalen Dialog über die Zukunft der Kämpfer der Hisbollah zu
entscheiden und diese in die libanesische Armee zu integrieren.
Libanons Präsident Joseph Aoun hat einen guten Draht zu Hisbollah-Chef Naim
Qassem. Sie seien in verschiedenen Punkten einer Meinung, sagte Qassem am
Montag. Beide Seiten wollten das Ende der Aggressionen und lehnten interne
Kämpfe ab. Er sprach sogar von „nationaler Einheit und Kooperation“
zwischen dem Staat, der Armee und der Hisbollah.
## Drohung und Einladung
Öffentlich sträubt sich Qassem, auch im Norden zu entwaffnen. Es gebe
keinen nationalen Konsens über die Entwaffnung, sagte er am Dienstag. Doch
ließ er Raum für Spekulationen. „Wenn der libanesische Staat seine Zukunft
gestalten will, braucht er den Widerstand als Unterstützung“, sagte Qassem
am Dienstag.
Das kann sowohl als eine Drohung gesehen werden, die Miliz nicht zu
entwaffnen, als auch als indirekte Einladung, die Kräfte und Waffen der
Hisbollah im Sinne des Staates zur Verteidigung zu nutzen.
Die Regierung werde in der kommenden Woche entscheiden, wie es mit der
Entwaffnung weitergehe, kündigte Informationsminister Paul Morcos am
Mittwoch an. Die Entscheidung werde auf einer Präsentation des Militärs
basieren. Darin soll das Militär auch die eigenen „Bedürfnisse und
Fähigkeiten“ darlegen. Libanons Militär ist nicht nur chronisch
unterfinanziert und besitzt kaum nennenswerte Waffen. Es ist auch auf
internationale Hilfsgelder angewiesen, um Gehälter der Soldaten zu
bezahlen.
12 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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