# taz.de -- Ende der UN-Mission im Libanon: Abzug ohne Perspektive
       
       > Ende des Jahres zieht die UNIFIL-Mission aus dem Libanon ab.
       > Bundespräsident Steinmeier verspricht bei seinem Besuch weiterhin
       > deutsche Unterstützung.
       
 (IMG) Bild: Werden bald abziehen: UNIFIL-Soladten bewachen die Olivenernte in Odaisseh, Südlibanon, im Oktober 2025
       
       Bei untergehender Sonne im Hafen von Beirut bedankt sich Bundespräsident
       [1][Frank-Walter Steinmeier] am Montag für den Einsatz der 160 deutschen
       Soldat*innen auf der „Sachsen-Anhalt“. Die Besatzung fährt in ein paar
       Tagen nach Hause zu ihren Familien. Doch auch das Mandat der UN-Mission
       UNIFIL, unter dem sie im Libanon stationiert sind, endet: Ende dieses
       Jahres ist Schluss. Die USA hatten das Mandatsende im UN-Sicherheitsrat
       durchgeboxt.
       
       Seit 1978 soll [2][UNIFIL] die Grenzregion zwischen Libanon und Israel
       stabilisieren. An der Mission sind rund 300 deutsche Soldat*innen
       beteiligt, die vor allem die Seegrenze überwachen sollen.
       
       Im Libanon ist die Sorge um den Abzug groß. Künftig soll die Verantwortung
       für die Sicherheit im Südlibanon ans libanesische Militär übertragen
       werden. Doch die Armee kann die Bürger*innen kaum verteidigen. Ihre
       Ausrüstung ist veraltet, im Kampf gegen Israels hochgerüstete Streitkräfte
       hätte sie keine Chance. Durch die Staatspleite sind die Gehälter so
       geschrumpft, dass viele Militärs kellnern, Autos reparieren oder Taxi
       fahren, um sich über Wasser zu halten.
       
       „Es ist nicht nur so dahingesagt, dass die libanesische Armee das Rückgrat
       der Stabilität im Libanon ist“, sagte Steinmeier bei seinem Besuch. Das
       Militär ist dafür bekannt, dass alle großen Religionsgemeinschaften darin
       vertreten sind – und es die stark entlang Konfessionslinien orientierte
       Politik des Landes nicht widerspiegelt.
       
       ## Steinmeier besuchte Marineschule
       
       Seit 20 Jahren hilft deutsches Bundeswehrpersonal der libanesischen Marine
       in der Ausbildung. Durch deutsche Gelder wurde ein Radarnetzwerk
       finanziert, mit dem die Armee die gesamte Küste von Arida im Norden bis
       Naqoura im Süden überwacht. Steinmeier besuchte die Marineschule in
       Jounieh. Der libanesische Armeechef, General Rodolph Haykal, betonte dort,
       durch deutsche Unterstützung sei die Marine besser darin, „die
       libanesischen Land- und Seegrenzen zu schützen, illegale Immigration zu
       verhindern und Drogenschmuggel zu bekämpfen“.
       
       An Bord der „Sachsen-Anhalt“ ist der deutsche Flottenadmiral Stephan Plath
       überzeugt, dass der Libanon in Zukunft seine Küste selbst schützen und
       Waffenschmuggel unterbinden kann. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die
       libanesische Marine diese Aufgaben schultern wird in Zukunft, so wie sie es
       jetzt schon mehrfach bewiesen hat“, sagte der Kommandeur des maritimen
       UNIFIL-Einsatzes.
       
       Tatsächlich war die Lage für die Fregatte bisher eher ruhig. Zwar ist das
       Schiff mit Kriegstechnik zur Selbstverteidigung ausgestattet – benutzt
       wurde die Schuss- und Abwehrtechnik an der Küste vor dem Libanon aber
       bislang nicht.
       
       Das heißt nicht, dass es dort für Zivilist*innen keine Bedrohungen
       gäbe. Libanesische Fischer aus dem Südlibanon erzählen der taz, dass sie um
       ihre Leben fürchten. Israelische Soldaten würden regelmäßig von Booten aus
       auf sie schießen. In zwei Fällen hatten die Israelis zwei Fischer entführt.
       Diese beschweren sich, dass weder die libanesische Armee noch UNIFIL
       eingreife.
       
       ## Nur zur Beobachtung
       
       Das Eingreifen zur Verteidigung von Zivilist*innen sei ein Punkt, der
       „weit über das hinausgeht, was wir als Auftrag bekommen haben“, sagt
       Kommandeur Plath dazu. Die UN-Mission nimmt nur eine überwachende Funktion
       ein, dokumentiert die Vorfälle. Um Angriffe zu verhindern, bräuchte es ein
       anderes Mandat. Im jüngsten Krieg hatten israelische Soldaten [3][sogar
       UNIFIL-Kontingente angegriffen], darunter das Hauptquartier in Naqoura.
       
       Libanon ist zurzeit in Gesprächen, ob einzelne Länder weiter Truppen
       schicken können – Frankreich und Italien sollen Bereitschaft bekundet
       haben. Welche Rolle Deutschlands Militär nach dem UNIFIL-Abzug konkret
       spielen wird, ist bisher unklar. Steinmeier sagte, Deutschland überlege,
       wie die libanesische Armee nach UNIFIL-Abzug gestärkt werden könne. „Das
       Ende der UNIFIL-Mission ist nicht das Ende unserer Unterstützung für den
       Libanon“, versprach er.
       
       17 Feb 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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