# taz.de -- Steinmeier-Besuch in Jordanien: Unterwegs im Land der Geflüchteten
       
       > In Jordanien trifft Bundespräsident Steinmeier Geflüchtete. In den
       > letzten Jahren kürzte Deutschland dem Flüchtlingshilfswerk dort massiv
       > Gelder.
       
 (IMG) Bild: Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender beim Besuch des Registrierungszentrums des UNHCR in Jordanien
       
       Frank-Walter Steinmeier bewegt sich in blauem Anzug und Krawatte, eine Hand
       in der Hosentasche, mit schnellen Schritten zwischen orangefarbenen Wänden,
       an denen der Putz abgeblättert ist. Unter Wellblechdächern, vorbei an
       vergitterten Fenstern, dann quer durch eine weiße Drehkreuzanlage.
       
       Steinmeier tut genau das, was die meisten Geflüchteten bei ihrer Ankunft in
       Jordanien getan haben, bis 2019 zumindest. Er läuft vorbei an Gittern,
       Staub, in engen Fluren und gewundenen Passagen, die bis zu 1.500
       Flüchtlinge in der Hauptstadt Amman täglich durchqueren, um ihre Dokumente
       beim Registrierungszentrum des Hochkommissars für Flüchtlinge der Vereinten
       Nationen (UNHCR) zu beantragen.
       
       Gerade sind nur einige Dutzend Menschen in der Halle, die als Warteraum
       dient. Einer von ihnen ist ein junger Mann aus Syrien, er sitzt mit
       verschränkten Armen und Brille auf der Holzbank, neben ihm seine Mutter und
       sein kleiner Bruder. Seit 14 Jahren leben sie in Jordanien, eine Rückkehr
       kommt für sie nur infrage, „wenn die Situation dort besser wird“. Auf
       Deutsch spricht er den Bundeskanzler an. Gerade studiere er Deutsch an der
       Universität und habe zwei Freunde in Frankfurt.
       
       In dem Zentrum erneuern Geflüchtete ihre Flüchtlingsausweise, Dokumente,
       die ihnen den Zugang zu Dienstleistungen erleichtern und sie vor
       Abschiebungen schützen. Seit 2019 darf das UNHCR in Jordanien jedoch keine
       neuen Geflüchteten anerkennen. Eine Entscheidung der jordanischen Behörden,
       die Neuangekommene in einer Art legalen Schwebezustand lässt und Nachteilen
       sowie dem Risiko einer Rückführung aussetzt.
       
       ## Mehr als 700.000 Geflüchtete
       
       Kaum ein Land hat in den letzten zehn Jahren so viele Fliehende aufgenommen
       wie Jordanien, gemessen an seiner Bevölkerungsgröße. Laut dem UNHCR landete
       das Land 2024 an zweiter Stelle weltweit. Mehr als 700.000 Geflüchtete
       waren hier 2024 registriert, die große Mehrheit von ihnen aus Syrien. Die
       jordanische Regierung schätzt, dass weitere 600.000 Syrer*innen
       inoffiziell im Land leben. Jordanien hat eine Bevölkerung von etwa 11
       Millionen Menschen.
       
       Seit dem Fall des Assad-Regimes sind mehr als 180.000 Syrer*innen
       zurückgegangen. Doch für viele ist dies keine leichte Entscheidung, in
       Syrien fehlt es an Sicherheit und Infrastruktur. Gleichzeitig leben zwei
       Drittel der Geflüchteten in Jordanien unter der Armutsgrenze, neun von zehn
       haben Schulden.
       
       Hinzu kommen fast 2,4 Millionen palästinensische Geflüchtete, um die sich
       das Hilfswerk der Vereinten Nationen UNRWA kümmert. Viele von ihnen sind
       inzwischen jordanische Staatsbürger*innen, profitieren aber von
       UNRWA-Dienstleistungen wie Schulen und Kliniken.
       
       Beide UN-Agenturen sind von den Sparmaßnahmen im Westen betroffen, bei
       UNRWA kommt der Finanzierungsstopp der USA nach den Vorwürfen über die
       [1][Teilnahme einiger Mitarbeiter am Hamas-Massaker] des 7. Oktober hinzu.
       Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
       hat UNRWA Ende 2025 zwar 79 Millionen Euro für alle Einsatzgebiete
       zugesagt, sofern das Hilfswerk Reformen einleitet. Die Summe ist jedoch
       niedriger als in früheren Jahren.
       
       ## Deutschland kürzt Gelder
       
       Nach Zahlen der Nachrichtenagentur dpa hat sich Deutschlands Hilfe für den
       UNHCR in Jordanien seit 2022 auf ein Fünftel reduziert, von etwa 42
       Millionen auf 8,5 Millionen Euro. „Wir wollen weiterhin unterstützen“, sagt
       dazu Steinmeier, „können es aber nicht in dem Maße tun wie noch vor vier,
       fünf Jahren.“ Für das UNHCR bedeuten die Kürzungen: Zwei
       Registrierungszentren wurden im Sommer 2025 geschlossen, Hilfsgelder an
       Bedürftige gekürzt, Programme zurückgefahren.
       
       An der Deutsch-Jordanischen Universität trifft der Bundespräsident noch auf
       [2][syrische Student*innen], die dank EU-finanzierter Stipendien ihr
       Diplom machen konnten. Manche wollen eines Tages zurück in die Heimat,
       einer reicht Steinmeier einen ausgedruckten Vorschlag für einen
       Fachkräfteaustausch mit Deutschland.
       
       Jordanien sei nach wie vor ein „Anker der Stabilität“ in der Region, preist
       Steinmeier das Land. Doch die jüngsten Ereignisse, vor allem der Gazakrieg,
       haben Jordanien mit seinem großen Anteil palästinastämmiger
       Bewohner*innen [3][einer harten Probe unterzogen]. Sollte der Westen
       seine Hilfsgelder im Bereich Geflüchtete weiterhin kürzen, könnte dies die
       soziale Lage im Land weiter verschärfen.
       
       19 Feb 2026
       
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