# taz.de -- 48 Stunden lang fährt nichts: Warnstreiks im Nahverkehr angelaufen
       
       > Am frühen Morgen haben die bundesweiten Warnstreiks im Nahverkehr
       > begonnen, vielerorts dauern sie bis morgen. Eine Lösung des
       > Tarifkonflikts scheint weit entfernt.
       
 (IMG) Bild: Gesperrter Zugang zur U-Bahn-Station Alexanderplatz in Berlin: Nach Ansicht von Verdi kamen die Gespräche zuletzt kaum voran
       
       dpa | Bei Bussen und Bahnen im Nahverkehr gibt es seit den frühen
       Morgenstunden in fast allen Bundesländern wegen [1][Warnstreiks] erhebliche
       Einschränkungen. Beim größten deutschen Nahverkehrsunternehmen, den
       Berliner Verkehrsbetrieben, wird laut Gewerkschaft bereits seit 3 Uhr
       gestreikt. „Der Streik hat begonnen“, bestätigte Verdi-Verhandlungsführer
       Serat Canyurt der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht. [2][Für 48 Stunden
       sollen Busse, Tram- und U-Bahnen in den Depots bleiben]. Erst zum
       Betriebsbeginn am Sonntagmorgen soll der Verkehr wieder anlaufen.
       
       Auch im hessischen Nahverkehr hat die Arbeitsniederlegung begonnen. Das
       bestätigte ein Verdi-Sprecher am Morgen. Demnach sind circa 5.200
       Beschäftigte in den Städten Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Marburg,
       Offenbach und Kassel dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen.
       
       Heute und am Samstag bleiben auch in Bayern viele Busse, Trams und U-Bahnen
       in Bayern stehen. In 13 Städten hat der von Verdi ausgerufene zweitägige
       Warnstreik begonnen. Betroffen sind unter anderem die fünf größten
       bayerischen Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt.
       
       Zudem wird Nordrhein-Westfalens Nahverkehr bestreikt. Der Arbeitskampf sei
       wie geplant angelaufen, sagte der Branchenkoordinator von Verdi NRW, Lukas
       Frew, am Freitagmorgen. „Es ist überall losgegangen.“ Erneut werden mehr
       als 30 kommunale Verkehrsunternehmen bestreikt, die den größten Teil von
       NRW abdecken. Die Liste der Städte, die von den Arbeitsniederlegungen
       betroffen sind, ist lang. Unter ihnen sind Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen
       und Münster.
       
       In den fünf größten Städten Sachsens stehen heute Busse und Bahnen
       ebenfalls weitgehend still. Verdi hat die Mitarbeiter der kommunalen
       Verkehrsbetriebe in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen zum
       ganztägigen Ausstand aufgerufen. In Leipzig gilt der Aufruf zusätzlich für
       Samstag.
       
       In den allermeisten Regionen dürften heute durch den Ausstand kaum Busse,
       Tram- und U-Bahnen fahren. Vor allem Pendler sowie Kinder und Jugendliche
       auf dem Weg zur Schule müssen sich heute meist andere Möglichkeiten suchen,
       um rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Einige Nahverkehrsunternehmen haben
       bereits angekündigt, dass sie Notfahrpläne aufgestellt haben.
       
       ## Niedersachsen und Deutsche Bahn nicht betroffen
       
       In Niedersachsen gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht,
       Arbeitskämpfe im ÖPNV sind dort bis dahin nicht möglich. Die Deutsche Bahn
       und damit auch die S-Bahnen sind ebenfalls nicht von dem Ausstand
       betroffen, da sich die Tarifrunde nicht auf den Konzern bezieht. Die Bahn
       hat mancherorts angekündigt, dass sie das S-Bahn-Angebot aufgrund der
       Warnstreiks ausweitet.
       
       Ob es auch in Baden-Württemberg zu neuen Warnstreiks im öffentlichen
       Personennahverkehr kommen wird, hatte Verdi zunächst offen gelassen. Laut
       Pressemitteilung wird sich am Montag entscheiden, ob Verdi angesichts der
       laufenden Verhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband erneut zu
       Warnstreiks aufrufen wird.
       
       ## Zweite bundesweite Aktion im ÖPNV diesen Monat
       
       In den meisten Regionen dauern die Warnstreiks laut den Verdi-Ankündigungen
       bis in die Nacht auf Sonntag. Mancherorts wurde schon am Donnerstag die
       Arbeit niedergelegt, auch am Sonntag könnten noch einige
       Nahverkehrsunternehmen von Ausständen betroffen sein.
       
       So werden zum Beispiel in Bremen Warnstreiks bis in die Nacht auf Montag
       angekündigt, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur am Freitag. In einem
       Landkreis in Sachsen-Anhalt wiederum von Donnerstag bis einschließlich
       Sonntag, also vier Tage lang.
       
       Die Warnstreiks sind die zweite großangelegte Aktion in der laufenden
       ÖPNV-Tarifrunde. Bei der ersten Aktion am 2. Februar kam der öffentliche
       Personennahverkehr in großen Teilen des Landes nahezu komplett zum
       Erliegen.
       
       ## Lösung des Tarifkonflikts noch nicht in Sicht
       
       In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den
       Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere
       deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit
       und Schichtzeiten, [3][längere Ruhezeiten], aber auch durch höhere
       Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern,
       Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird
       zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
       
       Nach Ansicht von Verdi kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Auch die
       Arbeitgeber beklagten zuletzt fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen.
       Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in
       Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Verdi bisher nicht
       klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft am wichtigsten
       findet.
       
       Wann es zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft zu Tarifeinigungen
       kommen könnte, ist derzeit völlig offen. Die Verhandlungen verlaufen
       regional sehr unterschiedlich – kurz vor einem Abschluss schienen sie
       zuletzt aber nirgends zu sein.
       
       27 Feb 2026
       
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