# taz.de -- Streik im öffentlichen Nahverkehr: Der U-Bahn-Streik belastet die kleinen Leute
       
       > In Hamburg werden am Samstag zum achten Mal in Folge Busse und U-Bahn
       > bestreikt. Das trifft die Leute, die sich weder Taxi noch Auto leisten
       > können.
       
 (IMG) Bild: Ein mittlerweile gewohnter Anblick in Hamburg: Streikverlautbarung an einem U-Bahnhof
       
       Wie eine Fliege, die sich immer wieder auf die Nase setzt, hat Hamburg ein
       Thema, dass sich langsam ins Bewusstsein drängt. Es geht um die Lage der
       [1][Bus- und BahnfahrerInnen]. Also nicht der Fahrgäste, sondern der
       Arbeitskräfte, die die öffentliche Mobilität in der Zwei-Millionen-Stadt am
       Laufen halten.
       
       Dass Bus und Bahn am 19. März wegen eines Streiks nicht fahren, erfuhren
       die Fahrgäste am Vortag durch etliche „Achtung“-Durchsagen in den Zügen.
       Die S-Bahn würde aber noch fahren, so die Stimme vom Band. Und die
       Elbfähren auch. Nur hilft das den Leuten wenig. Denn S-Bahnen fahren nur in
       einem Teil der Stadt. Es ist das Netz der U-Bahnen und Metro-Busse, das die
       Menschen aus den Außengebieten Langenhorn, Niendorf oder Farmsen ins
       Zentrum bringt.
       
       Drum galt es den Donnerstag irgendwie zu regeln. Mit dem E-Bike ins Büro,
       mit dem Auto zum Termin, irgendwie ließ sich das ein oder andere Ziel
       erreichen. Aber noch am [2][Streiktag gab Verdi bekannt], dass der Ausstand
       nach einem Tag Pause am Samstag weitergeht.
       
       Die Hamburger Hochbahn AG, die die U-Bahn und viele Buslinien betreibt,
       [3][reagierte empört]. Denn die Gewerkschaft Verdi gab den zweiten
       Streiktag bekannt, obwohl erst am Montag erneut verhandelt wird. „Verdi
       handelt unverantwortlich“, sagt Hochbahn-Arbeitsdirektorin Saskia
       Heidenberger. „Lösungen werden nur am Verhandlungstisch gefunden und nicht
       auf der Straße.“ Die Gewerkschaft verantworte, dass Hamburg „mittlerweile
       zum achten Mal nahezu stillstehe“.
       
       Tatsächlich gab es allein im [4][Februar schon sechs Streiktermine],
       nämlich am 2., 17., 18., 19., 27. und 28. Februar, und eben am 19. März. Da
       wurschteln sich die Leute durch, verschieben Termine oder nutzen ein Auto
       und quälen sich mit Parkplatzsuche. Und am 19. März fällt der Streik mit
       dem Beginn des Hamburger Jahrmarkts zusammen. Es gibt nicht so viele
       Parkplätze wie Menschen, die dahin wollen.
       
       ## Keine Einigung in Sicht
       
       Also was treibt die Beschäftigten zum Streik? Und wieso morgen wieder? Die
       Gewerkschaft hatte ursprünglich 7,5 Prozent mehr Lohn für eine Laufzeit von
       12 Monaten gefordert, und hat diese Summe schon auf 3,4 Prozent halbiert.
       Doch die Hochbahn will einen Vertrag über 30 Monate abschließen und bietet
       eine Erhöhung in drei Etappen an. Die ersten 2,1 Prozent mehr Geld gäbe es
       rückwirkend ab 1. Januar, die zweiten 2 Prozent in anderthalb Jahren am 1.
       Juli 2027 und die letzten 2,1 Prozent erst am 1. Mai 2028, also einen Monat
       vor Ablauf jener 30 Monate. Das ist den Beschäftigten zu wenig in diesen
       Zeiten.
       
       „Wir lassen uns nicht mit Kleckerbeträgen und langen Laufzeiten abspeisen“,
       sagt der Busfahrer Thorsten Hukriede, der Mitglied in der
       Verdi-Tarifkommission ist. „Alles wird teurer, alles wird unberechenbarer,
       aber wir sollen uns für zweieinhalb Jahre auf einen Tarifvertrag festlegen.
       Das ist überhaupt nicht einzusehen!“ Denn die Beschäftigten könnten nichts
       für den Krieg in Iran oder die Zollpolitik des US-Präsidenten.
       
       Noch keine Einigung ist auch bei der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH
       (VHH) in Sicht, die in und um Hamburg rund 180 Buslinien betreibt. Hier
       streiken die Beschäftigten für die 35-Stunden-Woche. Die VHH bot laut Verdi
       bei den Verhandlungen zuletzt lediglich eine Reduktion um eine halbe Stunde
       von 39 auf 38,5 Stunden zum Fahrplanwechsel 2028/29 an, verlangt im
       Gegenzug aber längere Schichten und unbezahlte Pausenzeit. „Was die VHH uns
       vorgelegt hat, katapultiert uns wieder an den Anfang der Verhandlungen“,
       sagt Verdi-Sekretär Domenico Perroni. „Die Kolleg*innen sind stinksauer
       und werden am Samstag die Arbeit niederlegen.“
       
       In diesem Jahr seien die Tarifverhandlungen „festgefahren wie nie“, ergänzt
       Verdi-Vertreterin Irene Hatzidimou. Sie sieht als Ursache den Sparkurs des
       Hamburger Senats. „Es gibt einen, der hier den Hebel umlegen muss. Und das
       ist Finanzsenator Dr. Andreas Dressel“, sagt Hatzidimou. Denn Hochbahn und
       VHH befinden sich mehrheitlich im Besitz der Stadt. „Die Stadt muss von der
       Bremse gehen und den Weg für die Einigung frei machen.“ Ansonsten wäre es
       für Verdi sinnlos, sich „weiter am Verhandlungstisch zu verausgaben“.
       
       Auch für die Kunden wird es Zeit, dass Stadt und Beschäftigte sich einig
       werden. Wir verlassen uns drauf, dass es Busse und U-Bahnen gibt. Ein
       Streik trifft die kleinen Leute, die, die sich kein Taxi leisten können und
       kein schickes Elektromobil mit Parkplatzgarantie. Es trifft die, die brav
       ihr Abo bezahlen und für den Ausfall, anders als bei der Bahn, noch nicht
       mal einen Ausgleich bekommen. Und die in Hamburg erst in vier Jahren wieder
       gefragt sind, ihre Stimme abzugeben.
       
       20 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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