# taz.de -- Chinesisch-russische Beziehungen: Warme Töne mit kaltem Kalkül
       
       > Peking hält Putins Kriegsindustrie am Laufen, beliefert aber auch die
       > Ukraine mit Drohnen. Dahinter stehen nicht nur kommerzielle Interessen.
       
 (IMG) Bild: Die Rakete Oreschnik gilt als eine der neuesten Entwicklungen der russischen Waffentechnik
       
       Während Wladimir Putin bei zweistelligen Minusgraden in der Ukraine gezielt
       die Energieinfrastruktur des Landes bombardiert, herrschen zwischen Moskau
       und Peking gewohnt warme Töne. So sagte der chinesische
       Verteidigungsminister Dong Jun im Telefonat mit seinem russischen
       Amtskollegen Andrei Belousov am Dienstag, man wolle die „strategische
       Koordination“ zwischen den zwei Ländern stärken und „Hand in Hand arbeiten,
       um positive Impulse für die globale Sicherheit und Stabilität zu setzen“.
       Den Krieg in der Ukraine haben die zwei Minister natürlich nicht erwähnt.
       
       Doch trotz der nach außen zur Schau gestellten Neutralität Chinas ist
       längst bestens dokumentiert, dass die Fabriken in der Volksrepublik die
       Kriegsmaschinerie Putins am Laufen halten. Bis zu 80 Prozent der russischen
       „Dual use“-Güter stammen aus dem Reich der Mitte – von Mikroprozessoren bis
       hin zu Ultraschallsensoren.
       
       Im letzten Jahr hat sich die Situation noch weiter verschärft. Seit
       Russland etwa verstärkt auf sogenannte Glasfaserdrohnen setzt, die
       besonders resistent gegenüber elektrischen Störsender sind, hat China
       umgehend die Lieferung kritischer Komponenten erhöht: Wie die Washington
       Post berichtete, exportierte Peking allein im August 2025 knapp 530.000
       Kilometer Glasfaserkabel und Lithium-Ionen-Batterien im Wert von rund 47
       Millionen US-Dollar.
       
       ## Chinesische Technologie im Krieg gegen die Ukraine
       
       Im Herbst äußerte Kyjiws Geheimdienst erstmals den Verdacht, China könne
       Russland mit Satelliteninformationen über strategische Ziele in der Ukraine
       versorgen. Auch wurden chinesische Aufklärungsflugzeuge im Westen des
       Landes ausgerechnet über jenen Orten beobachtet, die schon von russischen
       Streitkräften angegriffen worden waren.
       
       [1][Zuletzt hatte Putin mehrfach die hochgefährliche Mittelstreckenrakete
       „Oreschnik“ gegen die ukrainische Zivilbevölkerung eingesetzt] – einen
       hochmodernen ballistischen Flugkörper mit Hyperschallgeschwindigkeit, der
       theoretisch auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden kann. Wie eine
       aktuelle Recherche des britischen Telegraph zeigt, sollen bei der
       Produktion der „Oreschnik“ ebenfalls chinesische Spezialmaschinen zum
       Einsatz kommen.
       
       ## Krieg nützt chinesischer Wirtschaft
       
       Viele Experten argumentieren, [2][dass Chinas Parteiführung vor allem
       deshalb Russland tatkräftig unterstützt], weil der Krieg den eigenen
       Interessen nützt. [3][Moskau ist wirtschaftlich mittlerweile derart
       abhängig] von Peking, dass keineswegs mehr von einer Partnerschaft auf
       Augenhöhe die Rede sein kann: China nützt seine Machtposition etwa aus,
       indem es die Preise für importiertes Öl und Erdgas aus Russland extrem
       drückt.
       
       Gleichzeitig dürfte es durchaus im Sinn von Präsident Xi Jinping sein, dass
       Russlands Krieg gegen die Ukraine den gesamten politischen Westen schwächt
       und auch die außenpolitischen Ressourcen der USA bündelt. Der letzte Punkt
       lässt sich allerdings seit Donald Trumps zweiter Amtszeit nicht mehr
       aufrechterhalten: Der US-Präsident hat schließlich mehr als deutlich
       gemacht, dass die Ukraine vor allem ein Problem ist, das die Europäer
       allein lösen müssen.
       
       ## Russland und die Ukraine nutzen chinesische Drohnen
       
       Ebenso wird ein wichtiger Aspekt oft übersehen: Nicht nur Russland, sondern
       auch die ukrainische Armee ist stark von den chinesischen Lieferketten
       abhängig. Denn Unternehmen aus dem Reich der Mitte liefern en masse jene
       Waffe, die in diesem Konflikt längst zum wichtigsten Instrument geworden
       sind: unbemannte Flugdrohnen.
       
       „Inmitten des Krieges ist Chinas Dominanz der globalen Drohnenlieferketten
       sowohl für Russland als auch für die Ukraine strategisch unverzichtbar
       geworden“, argumentieren die ukrainische Sinologin Vita Golod und der
       Sicherheitsexperte Dmytro Burtsev im Fachmagazin Diplomat: „Nur China
       bietet derzeit die Produktionskapazität, den Preis und die logistische
       Flexibilität, die erforderlich sind, um einen solchen Verbrauch
       aufrechtzuerhalten.“
       
       Vergleichsweise neu ist, dass es sich eigentlich um zivile Produkte
       handelt, die jedoch mit minimaler Abwandlung in tödliche Kriegswaffen
       umgewandelt werden können. China schlägt damit zwei Fliegen mit einer
       Klappe: Es kann weiter Neutralität vorgeben, da man ja keine Waffen
       exportiert, und gleichzeitig ökonomisch extrem von den Drohnenverkäufen
       profitieren.
       
       ## Kriegswissen nützt Chinas militärischer Modernisierung
       
       Doch geht es Peking keineswegs nur um wirtschaftliche Interessen.
       Tatsächlich kann China durch den massiven Drohnenexport kostbare
       Erkenntnisse darüber gewinnen, wie die unbemannten Flugobjekte in einem
       realen Kriegseinsatz fungieren. „Diese Erkenntnisse prägen bereits Chinas
       militärische Modernisierung“, schreiben die Diplomat-Autoren.
       
       Und möglicherweise könnte das neugewonnene Wissen der chinesischen
       Volksbefreiungsarmee auch in der Praxis zur Anwendung kommen – etwa,
       [4][wenn Xi Jinping seine militärische Drohung gegenüber der demokratisch
       regierten Insel Taiwan] in die Tat umsetzen sollte.
       
       31 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
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