# taz.de -- Auf ins Hinterzimmer: Geheim, geheim, geheim
       
       > Für erfolgreiche Verhandlungen ist viel Fingerspitzengefühl, Geduld und
       > Geschick nötig. Und ein Plätzchen, zu dem nicht jeder Zugang hat.
       
 (IMG) Bild: Politik im Hinterzimmer: US-Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow wirken beim Gipfeltreffen in Genf entspannt, 1985
       
       Ein Abend in einem räudigen Schuppen irgendwo auf dem Land. „Wann kommt
       denn der Habeck und reißt mir die Heizung raus?“, wurde da empört gerufen.
       „Du bist doch bei denen in der Politik da oben ständig dabei.“ So geschehen
       vor rund zwei Jahren. Mit der, die „da oben“ angeblich doch andauernd dabei
       sei, war die Autorin dieser Kolumne gemeint. Klassische
       Hinterzimmerpolitik. Wenn auch mit dem Schuppen in einem untypischen
       Umfeld. Natürlich ist die Autorin nicht bei denen „da oben“ dabei. Das zur
       Klarstellung, damit an dieser Stelle kein Missverständnis entsteht.
       
       Wahr ist, dass in sogenannten Hinterzimmern jede Menge Empörung ventiliert
       wird. Und auch Entscheidungen fallen. Derzeit sind die Hinterzimmer im
       schönen Genf in der Schweiz wieder in den Schlagzeilen. Was verabredet und
       gesprochen wird, dringt nur in spärlichen Dosen raus. Oder gar nicht.
       
       In Hinterzimmer eins wird aktuell [1][die Causa Iran/USA] verhandelt. Kommt
       es zu einer Einigung auf ein neues Atomabkommen zwischen den Vereinigten
       Staaten und dem Mullah-Regime? Kann ein Angriff der USA verhindert werden?
       Störeffekte während solcher Verhandlungen gehören dazu. Auf der
       Fake-News-Schleuder X wurde etwa kolportiert, dass Israel womöglich einen
       Erstangriff auf den Iran auslösen könnte, zur Gesichtswahrung von Donald
       Trump. Schließlich brüstete sich der US-Präsident in seiner Rede an die
       Nation – in dem Fall öffentlich –, die beste Regierung aller Zeiten
       anzuführen.
       
       ## Macht der Staaten im Gefüge spielt eine Rolle
       
       Hinterzimmer zwei [2][gehört der Ukraine]. In Genf wird parallel um einen
       Waffenstillstand oder was auch immer den Beteiligten vorschwebt, gerungen.
       US-amerikanische Verhandler und ukrainische Vertreter sind am Start. Ob die
       beiden Hinterzimmer fußläufig zu erreichen sind, ist nicht bekannt. Sicher
       ist, dass die beiden Termine am selben Tag stattfanden.
       
       In den Hinterzimmern, gerne auch schmuckgetäfelte, abhörsichere
       Räumlichkeiten, werden natürlich auch Spitzenposten vergeben. Einschlägiges
       Beispiel ist der Vorsitz der EU-Kommission oder die Position des
       Nato-Generalsekretärs. Eine öffentliche Anhörung ist in diesen Fällen gar
       nicht vorgesehen.
       
       Die Macht der Staaten im Gefüge spielt dabei eine Rolle. Wer viel
       einbringt, bekommt viel. Der Begriff der Hinterzimmerpolitik ist aber kein
       vergiftetes Instrument. Die Mischung aus Vertraulichkeit, Rücksicht auf
       Befindlichkeiten und späterer Transparenz macht’s.
       
       Genf steht ganz oben auf der Liste. Als sich 1985 dort Reagan und
       Gorbatschow treffen, führt dies später zum Ende des Kalten Kriegs. Frieden
       schaffen über die Hinterzimmer, mindestens für eine Zeit. Selbst im
       Schuppen auf dem Land beruhigten sich am besagten Abend die Gemüter.
       
       28 Feb 2026
       
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