# taz.de -- Fidel Castros Kappe: Wer hat auf Kuba den Hut auf?
> Was für die Touris ein Scherz und für bestimmte Linke ein Zeichen der
> Rebellion war, ist im Land selbst ein Symbol der Staatsmacht.
(IMG) Bild: Auf Kuba ist die Erinnerung an Fidel Castro, mit und ohne seine Kopfbedeckung, eine ernste Angelegenheit
Zehn Jahre ist es her, dass zum ersten Mal seit sehr langer Zeit
US-amerikanische Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Kubas Hauptstadt Havanna
festmachten. [1][US-Präsident Barack Obama und Kubas Staats- und Parteichef
Raúl Castro] hatten gemeinsam die Zeit der Öffnung eingeleitet. Für die
Tausenden Tourist*innen, die sich von den Schiffen aus in Havannas Altstadt
ergossen, wurde ein kleines Kleidungsstück, das es an jeder Ecke zu kaufen
gab, ein besonders beliebtes Souvenir: die Fidel-Castro-Cap in Olivgrün,
gern mit rotem Stern an der Stirnseite.
Was für die Touris ein Scherz und für eine bestimmte Art von Linken
weltweit ein Zeichen der Solidarität und Rebellion war, ist auf Kuba selbst
ein Symbol der Staatsmacht, genau wie das millionenfach auf T-Shirts
gedruckte Konterfei des Ernesto „Che“ Guevara. Wer in der Schule damit groß
wird, jeden Morgen beim Klassenappell schwören zu müssen, er werde „so sein
wie der Che“, für den steckt in dem argentinischen Arzt und kurzzeitigen
kubanischen Industrieminister etwa so viel revolutionäre Verheißung wie in
der Staatszeitung Juventud Rebelde, die weder jugendlich noch rebellisch
ist.
Es ist genau diese Diskrepanz zwischen der verklärten Außensicht auf Kubas
Regierung und System – der kleine David, der sich seit Jahrzehnten gegen
den übermächtigen Goliath im Norden wehrt – und der Innenperspektive, die
sehr viel mehr mit Kontrolle, Stasi, Korruption, Privilegien, Bürokratie
und Mangel zu tun hat.
Was von außen rebellisch erscheint, ist von innen autoritär. Ein
Anti-Imperialismus auf Kosten der eigenen Leute, die dem Land zu
Hunderttausenden den Rücken kehren. Ein ausschließlich am Machterhalt
interessierter Apparat, dessen vollkommene Reformunfähigkeit dazu geführt
hat, dass von den tatsächlichen einstigen Errungenschaften der Revolution
nichts mehr übrig ist, dessen Erhalt noch verhandelt werden könnte.
Kubas Staatsgebilde hat noch die Macht, die eigene Bevölkerung
einzuschüchtern und davon abzuhalten, zu Tausenden auf die Straße zu gehen.
Verhandlungsmacht nach außen hat die Regierung nicht mehr. Deshalb kann
[2][Donald Trump] jetzt sogar einigermaßen glaubwürdig erklären, er könne
mit Kuba machen, was er wolle. Einnehmen, befreien – mal schauen, wonach
ihm der Sinn steht.
Im Januar, nach der [3][Verschleppung Nicolás Maduros], erklärte sich Trump
zum „Übergangspräsidenten Venezuelas“. Es wäre ihm zuzutrauen, gleiches
demnächst auch für Kuba zu behaupten – womöglich sogar mit Fidel-Cap auf
dem orange-blonden Kopf. Kleiner Scherz.
21 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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