# taz.de -- Altersbeschränkungen im Internet: Russlands Umgang mit Roblox ist kein Vorbild
> Russland hat die Spieleplattform Roblox verboten, auch weil dort Kinder
> sexuell belästigt werden. Doch solche Verbote treffen auch die Falschen.
(IMG) Bild: Auf Roblox treiben sich merkwürdige Gestalten herum
Stellt euch einen riesigen Spielplatz vor. Ihr seht nicht, wo er anfängt
und wo er aufhört, weil er über 20.000 Stationen hat. Und etwa 150
Millionen Menschen auf ihm spielen. Das sind so viele wie Deutschland, die
Niederlande und Österreich Einwohner haben.
Die Menschen dort sprechen unterschiedliche Sprachen, aber sie verständigen
sich mit Zeichen, und so haut das gemeinsame Spielen schon hin. Immer
wieder bauen sie eigene Stationen auf, auf manchen spielen Tausende
gleichzeitig.
So ist es auf Roblox, dem wahrscheinlich größten digitalen Spielplatz der
Welt – nur eben online, und statt Klettergerüsten gibt es Videospiele,
sogenannte Experiences.
Auf Roblox können junge Menschen mit Freund:innen spielen oder neue
finden. Sie gestalten Innenräume, ihre Charaktere oder sogar ganze Spiele
selbst. Weil die Plattform kostenlos ist und auf den meisten Geräten läuft,
ist sie sehr zugänglich.
## Wo Russland recht hat
Seit Dezember hat Russland die Plattform blockiert. Die Begründung der
russischen Zensurbehörde ist zur Hälfte Quatsch: Auf der Plattform würde
LGBTQ-Content verbreitet werden, der Kindern schaden würde. Zum Beispiel
gibt es Spiele, in denen Menschen, die sich der LGBTQ-Community zugehörig
fühlen, gemeinsam abhängen können. [1][Queer sein wird in Russland als
westliche Ideologie gesehen.] LGBTQ-Content zu verbreiten, gilt als
extremistisch und ist verboten.
Russland führt aber noch mehr Gründe an, warum Roblox gesperrt werden soll.
Unter anderem sei sexuelle Ausbeutung von Kindern ein großes Problem auf
der Plattform. Und damit hat die Zensurbehörde recht.
In dem Spiel „Grow a Garden“ renne ich zehn Minuten lang mit Samen und
geernteten Karotten und Erdbeeren zwischen meinem Garten und dem Samenshop
hin und her, als eine Nachricht aufploppt: „idkwhat647* hat dir eine
Connection-Anfrage geschickt“.
Ich nehme sie an, denn solange idkwhat647 auch „Grow a Garden“ spielt,
bekomme ich einen „Friend boost“ und meine Pflanzen wachsen schneller.
Wenige Minuten später schreibt die Person mir „hi“ in einem privaten Chat.
So schnell geht das.
## Man nennt es Grooming
[2][Laut Roblox] ist jede:r dritte Nutzer:in unter 13 Jahre alt, weitere
38 Prozent unter 18. Weil alle Nutzer:innen anonym sind, ist es leicht
für Pädokriminelle, Kontakt aufzunehmen. Auch weil die Spiele Anreize
setzen, neue Connections zu knüpfen, wie zum Beispiel mit dem „Friend
boost“.
Wenn Erwachsene das Vertrauen von Kindern erschleichen, um sie sexuell
auszubeuten, nennt man das Grooming. Es gibt keine Erhebung darüber, wie
viele Kinder und Jugendliche auf Roblox schon Opfer von Grooming geworden
sind, aber viele bekannt gewordene Einzelfälle.
In den USA laufen mehrere Klagen gegen Roblox, zum Beispiel [3][durch die
Anwaltskanzlei Dolman Law Group]. Sie werfen der Plattform vor, Kinder
nicht ausreichend zu schützen und wirtschaftlichen Profit über Sicherheit
zu stellen. [4][Der Bundesstaat Texas] hat Roblox aus demselben Grund
verklagt. Die Urteile stehen noch aus. [5][Roblox wies die Vorwürfe in
einem Statement zurück]: Roblox würde täglich daran arbeiten, die Plattform
sicher zu machen. Aber „kein System ist perfekt“.
Roblox ist eine Plattform, die sich ganz gezielt an Kinder und Jugendliche
richtet. Plattformen zu verbieten, die vor allem für Kinder und Jugendliche
attraktiv sind, hat den Beigeschmack von Adultismus, also der
Diskriminierung junger Menschen. Viele alte Männer und nicht ganz so viele
alte Frauen, die in Deutschland einen Großteil der Wählerschaft und der
politischen Legislative bilden, nutzen ihre Macht, um Kindern
vorzuschreiben, welche digitalen Orte gut für sie sind und welche nicht.
## Nicht die Schuld der Kinder
So wie beim [6][Social-Media-Verbot für Jugendliche bis 16 in Australien],
das im Dezember in Kraft getreten ist. Es stimmt: Cyber-Mobbing,
Cyber-Grooming und Social-Media-Sucht sind gefährlich. Aber daran sind
nicht die Kinder schuld. Es sollte nicht zum Problem junger Menschen
gemacht werden, wenn Plattformen schlecht moderiert sind – sondern zum
Problem der Plattformen.
Laut der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder nicht nur ein Recht auf
Wohlergehen, sondern auch ein Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit
sowie auf Zugang zu Medien. [7][Das Recht auf Wohlergehen darf nicht
missbraucht werden, um die anderen beiden Rechte in die Tonne zu treten].
Aber wie lässt sich sonst Grooming verhindern? Roblox will stärker nach
Alter trennen. Seit Anfang Januar sollen Nutzer:innen nur noch chatten
können, wenn sie ihr Alter verifiziert haben. Eine künstliche Intelligenz
ordnet sie anhand eines Videos in Kategorien ein: 9- bis 12-Jährige, 13-
bis 15-Jährige, 16- bis 17-Jährige, 18- bis 20-Jährige und alle, die
mindestens 21 Jahre alt geschätzt werden. Chatten kann man dann nur noch
mit der eigenen Altersgruppe sowie einer darüber und einer darunter.
Mit KI setzt Roblox allerdings auf das falsche Mittel. Denn die ist
fehleranfällig. Wie die US-amerikanische Computerzeitschrift [8][Wired]
berichtet, habe es für ein Kind gereicht, sich mit Edding einen Bart
aufzumalen, um als Ü21 eingeordnet zu werden. Außerdem haben Menschen, die
seltenere Gesichtszüge haben, zum Beispiel aufgrund von Verletzungen oder
Behinderungen, geringere Chancen auf eine altersgerechte Einstufung.
## Es bleiben die Eltern
Auf einem analogen Spielplatz können wir Menschen anhand ihrer Statur und
ihres Auftretens in Alterskategorien einordnen. Das funktioniert im Netz
ohne Sichtkontakt nicht. Es bleibt nur die Ausweiskontrolle, die wiederum
hohe Datenschutzrisiken birgt, und Menschen diskriminiert, die keine
Ausweisdokumente besitzen. Außerdem: Wollen wir ein Internet, in dem wir
uns auf jeder Plattform ausweisen müssen?
Das beste Mittel zum Schutz der Kinder und des Internets bleiben die
Eltern. So wie man Kinder auf einem Real-Life-Spielplatz beaufsichtigt,
muss man das auch auf dem digitalen Spielplatz machen. Dazu gehört, sich
mit der Lebenswelt der Kinder zu beschäftigen, ihre digitalen
Freund:innen kennenzulernen und sie beim Spielen zu beobachten.
Plattformen können Eltern zuarbeiten, indem sie das Spielverhalten der
Kinder dokumentieren, und sollten dazu auch verpflichtet werden. Staaten
und die Europäische Union könnten dies einfordern und bei Nichteinhaltung
Bußgelder und Sanktionen verhängen. Den digitalen Spielplatz ganz zu
sperren, sollte das allerletzte Mittel einer demokratischen Gesellschaft
sein.
In Russland hat das Roblox-Verbot für verhältnismäßig starken Protest
gesorgt. [9][Eine Beamtin meldete auf Telegram], dass 60.000 junge Menschen
Briefe an die Behörde geschrieben hätten, um sich über das Verbot zu
beschweren. Im sibirischen Tomsk gab es [10][laut der Nachrichtenagentur
Reuters] sogar eine Demonstration – krass in einem Land, in dem Widerstand
gegen staatliche Maßnahmen hart bestraft wird.
Plattformen sind wichtig für Kinder. Wenn sie in autoritären Staaten
verboten werden, belegt das nur ihr demokratisches Potenzial.
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Journalistin-ueber-LQBTQI-Rechte/!6148679
(DIR) [2] https://s27.q4cdn.com/984876518/files/doc_financials/2025/q4/Q4-2025-Shareholder-Letter.pdf
(DIR) [3] https://www.dolmanlaw.com/roblox-lawsuit/
(DIR) [4] https://www.texasattorneygeneral.gov/news/releases/attorney-general-ken-paxton-sues-roblox-putting-pixel-pedophiles-and-profits-over-safety-texas
(DIR) [5] https://about.roblox.com/newsroom/2025/08/roblox-responds-to-louisiana-ag-lawsuit
(DIR) [6] /Australien/!6136596
(DIR) [7] /Social-Media-Verbot/!6155610
(DIR) [8] https://www.wired.com/story/robloxs-ai-powered-age-verification-is-a-complete-mess/
(DIR) [9] https://t.me/ekaterina_mizulina/17481
(DIR) [10] https://www.reuters.com/business/media-telecom/russian-ban-roblox-gaming-platform-sparks-rare-protest-2025-12-14/
## AUTOREN
(DIR) Alexandra Hilpert
## TAGS
(DIR) Videospiele
(DIR) Russland
(DIR) Zensur
(DIR) Big Tech
(DIR) Jugendschutz
(DIR) Social Media
(DIR) Spiele
(DIR) Internet
(DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social Media
(DIR) Schlagloch
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Debatte um Social-Media-Verbot: Ein Mindestalter löst keine Probleme
Das Nutzen von Social-Media-Plattformen kann süchtig machen – in jedem
Alter. Um Kinder und Jugendliche zu schützen, braucht es digitale Bildung.
(DIR) Spanien plant Social-Media-Mindestalter: Schutz gegen Manipulation und Verrohung
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will ein Social-Media-Verbot für
alle unter 16 Jahren einführen – ein notwendiger Schritt.
(DIR) Depressionen durch Social Media: Smartphone-Opfer
Die Gen Z hat deutlich stärker als frühere Generationen mit psychischen
Problemen zu kämpfen. Tiktok und Instagram sind wenig hilfreich.