# taz.de -- Vereitelte Richterwahl in Brasilien: Historische Niederlage für Lula
> Der brasilianische Senat hat einen Kandidaten für das Oberste Gericht
> abgelehnt. Das hat es zuletzt im Jahr 1894 gegeben.
(IMG) Bild: Wurde vom brasilianischen Senat abgelehnt: Generalstaatsanwalt Jorge Messias
Der brasilianische Senat hat Präsident Luiz Inácio Lula da Silva eine
historische Niederlage beschert. Am Mittwoch lehnten die Senatoren mit 42
zu 34 den von Lula für das Oberste Bundesgericht vorgeschlagenen
Kandidaten, den bisherigen Generalstaatsanwalt Jorge Messias, ab. Das ist
die erste Ablehnung eines Kandidaten für Brasiliens höchstes Gericht seit
dem Jahr 1894. Die gesetzlich vorgesehene Bestätigung der vom Staatschef
präsentierten Kandidaten ist üblicherweise eine Pro-forma-Angelegenheit.
Messias gehört einer evangelikalen Kirche an und hatte sich zuletzt noch
öffentlich gegen Abtreibung ausgesprochen, um sich der Rechten anzudienen.
Dass der konservative Senat dem Präsidenten dennoch so
öffentlichkeitswirksam die Zähne zeigt, zeigt den tiefen Konflikt zwischen
Kongress und Regierung.
Noch in der Nacht versuchte Lula in einem Treffen mit seinen Anhängern
herauszufinden, was geschehen war. Offenbar hatten sich Gegner von Messias
am Vorabend im Haus des Senatspräsidenten Davi Alcolumbre getroffen. Dieser
hatte mit Rodrigo Pacheco selbst einen Favoriten für das Oberste Gericht.
doch Lula wollte Pacheco lieber als Gouverneur des Bundesstaates Minas
sehen.
Der Widerstand gegen Messias begründet sich unter anderem in dessen
Ankündigung, er befürworte einen Ethikkodex für die Obersten Bundesrichter.
Es waren immer wieder Stimmen laut geworden, dass die Bundesrichter zu viel
Macht auf sich konzentrierten.
## Amtsenthebungsverfahren gegen Bundesrichter
Zudem war der Bundesrichter Alexandre de Moraes in die Kritik geraten, weil
seine Ehefrau als Anwältin für die wegen Betrugs und Geldwäsche angeklagte
Banco Master tätig war, deren Fall vor dem Obersten Bundesgericht
verhandelt wird. Moraes, gegen den zahlreiche Oppositionelle ein
Amtsenthebungsverfahen beantragt hatten, soll die Ablehnung von Messias
unterstützt haben. Bislang hat es noch nie ein Amtsenthebungsverfahren
gegen einen Obersten Bundesrichter gegeben.
Senatspräsident Alcolumbre kündigte an, er werde einen neuen
Kandidatenvorschlag für das Gericht erst nach der Präsidentenwahl im
Oktober unterstützen. Damit könnte der nächste Staatschef vier von elf
Obersten Bundesrichtern ernennen, da in der nächsten Legislaturperiode drei
weitere in Rente gehen.
Analysten urteilen, die Entscheidung gegen Messias sei weniger gegen ihn
als Person gerichtet, da er ein ähnliches Profil aufweise wie vom Senat
akzeptierte andere Kandidaten. Es handele sich vielmehr um einen Schlag
gegen die Exekutive.
Der Schlagabtausch könnte sich heute fortsetzen, wenn der Kongress über das
Präsidentenveto gegen den [1][Gesetzesentwurf der „Dosimetria“]
entscheidet. Der sollte das Strafmaß der Beteiligten am Putschversuch vom
Januar 2023 deutlich verringern, vor allem das von Jair Bolsonaro, war aber
von Lula gestoppt worden.
Sein Veto könnte heute per absoluter Mehrheit im Kongress gekippt werden.
Das Kräftemessen zwischen Regierung und Opposition erreicht damit eine
Intensität wie sonst nur im Wahlkampf, der offiziell erst Mitte August
beginnen darf. Derzeit liegen in den Umfragen die beiden
Präsidentschaftskandidaten Lula und Flávio Bolsonaro gleichauf.
30 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Christine Wollowski
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