# taz.de -- Ölkonzern Petrobas: Leck bei Öl-Probebohrungen in Brasiliens Amazonasbecken
> 15.000 Liter von einer Kühlflüssigkeit sind entwichen. Experten weisen
> auf das sensible Ökosystem hin, Ölkonzern Petrobras sieht keine Gefahr.
(IMG) Bild: Nicht ganz dicht? Der brasilianische Ölkonzern Petrobas hat 15.000 Liter Kühlflüssigkeit im Meer verloren
Ein Risiko, vor dem Umweltschützer angesichts zahlreicher Genehmigungen von
Ölbohrungen im brasilianischen Amazonasbecken gewarnt hatten, ist
eingetreten: Bei Probebohrungen des halbstaatlichen brasilianischen
Ölkonzerns Petrobras im Amazonasbecken passierte am Sonntag ein Unfall.
Dabei gelangten 15.000 Liter von einer Kühlflüssigkeit ins Meer, wie die
Zeitung Folha de Sao Paulo am Dienstag berichtete. Die Umweltbehörde Ibama
sei informiert und die Bohrungen seien vorerst unterbrochen worden, hieß es
weiter.
Die Probebohrungen im Explorationsgebiet Bloco 59 laufen seit Oktober 2025
und sind auf fünf Monate angelegt. Insgesamt sollen sie drei Kilometern
tief gehen, momentan ist etwa die Hälfte davon erreicht.
Die Förderrechte hatte die Petrobras im Jahr 2013 erworben, aber erst im
vergangenen Jahr [1][erteilte die Umweltbehörde Ibama die Erlaubnis für
Probebohrungen]. Umweltschützer und Wissenschaftler kritisieren die
amtliche Entscheidung wegen der Klimakrise und auch wegen der sensiblen
lokalen Landschaften wie des Amazonasriffs, eines der größten Riffsysteme
der Welt, sowie der ausgedehnten Mangrovenwälder.
Die Erlaubnis kam ironischerweise just vor der Weltklimakonferenz in
Brasilien: Bei dem in unmittelbarer Nähe in der Amazonasmetropole Belém
abgehaltenen Gipfel warb [2][Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula da Silva
für ein globales Programm zum Ausstieg aus den Fossilen – während er im
Heimatland den massiven Ausbau der Erdölförderung vorantreibt].
## Ölkonzern sieht keinen Schaden
Auf Nachfrage sagte die Petrobras der Folha, die ausgetretene Flüssigkeit
aus Wasser mit Zusätzen überschreite nicht die zulässigen Höchstwerte an
Toxizität und sei biologisch abbaubar. Es sei kein Schaden für die Umwelt
oder Personen entstanden. Der Unfall sei sofort bemerkt und die
Schadensstelle isoliert worden.
Das möglicherweise im Amazonasbecken vorhandene Erdölvorkommen kann ab 2029
1,1 Millionen Barrel pro Tag liefern, sogar mehr als zwei der ergiebigsten
Felder im berühmten Pré-Sal-Fördergebiet, so die Einschätzung von
Wissenschaftlern. Präsident Lula argumentiert, Brasilien brauche die
Einnahmen aus der Erdölförderung, und zwar ausgerechnet für die
Energiewende.
Das Ministerium für Energie und Bergbau gibt an, die Förderung könne
Brasilien davor bewahren, ab 2030 von Erdölimport abhängig zu werden. Die
Petrobras habe Erfahrungen mit Tiefsee-Förderung und könne die Sicherheit
der Operation garantieren.
Der Ozeanologe Gustavo Moura von der Universität UFPA in Belém gibt dagegen
zu bedenken, es lägen – anders als für das Gebiet des Pré-Sal – für das
Amazonasbecken bislang kaum ozeanografische Daten vor. Die Folgen von
eventuellen Unfällen seien bislang nicht untersucht worden. Eine der
Umweltauflagen für die Petrobras bestand darin, eine Rettungsstation für
kontaminierte Tiere einzurichten. Diese liegt in 12 Stunden Entfernung.
7 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Christine Wollowski
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