# taz.de -- Ulf Poschardt zur Berlinale: Alle oder keiner
> Wer darf welche Filme mit welchem Geld drehen? Und wer darf sich auf der
> Berlinale wie äußern? „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt hat mal wieder den
> Schuss nicht gehört.
(IMG) Bild: Kunstfreiheit muss für alle gelten: Regisseur Abdallah Alkhatib, ausgezeichnet mit dem Preis für das beste Spielfilmdebüt
[1][Ulf Poschardt] hat mal wieder den Schuss nicht gehört. Am Montag hatte
sich der „Welt“-Herausgeber wohl ganz entspannt [2][beim hauseigenen
Trash-TV-Sender selbst eingeladen] und eine mundgerechte Frage zur jüngsten
Berlinale-Dankesrede von [3][Regisseur Abdallah Alkhatib] servieren lassen.
Seine Antwortzeit nutzte der 58-Jährige dann, um schnaubend gegen
Geflüchtete zu hetzen und widersprüchlich über Kunstfreiheit zu
schwadronieren.
Der Grund: Alkhatib, der auf der Abschlussveranstaltung der Berliner
Filmfestspiele am Samstag für seinen Film „Chronicles from the Siege“
geehrt wurde, hatte seine Rede genutzt, um „über Palästina zu sprechen“,
wie er es ausdrückte.
Dabei warf der Filmemacher, der als syrisch-palästinensischer Geflüchteter
in Deutschland lebt, der Bundesregierung eine Mitschuld am „Genozid“ in
Gaza vor. Man werde sich erinnern, wer den Palästinenser:innen zur
Seite stand – und wer es nicht tat. Das bürgerliche Deutschland reagierte
eingeschnappt. Auch Poschardt gefiel das anscheinend gar nicht.
Bei Welt TV wettert er gegen das „Flüchtlingsmilieu“, die „migrantische
Unkultur“, den „Schrott, der hier nix verloren hat“. Danach, natürlich ohne
seine Kollegin ausreden zu lassen, schlägt er implizit vor, Alkhatib nach
Rafah abzuschieben – die Stadt, die durch israelische Bomben größtenteils
dem Erdboden gleichgemacht wurde und in der trotz Waffenruhe immer wieder
geschossen wird. Dem Kulturbetrieb als Ganzem wirft er vor, einen
„eliminatorischen Antisemitismus“ salonfähig zu machen.
## Grundrechte für wen genau?
Poschardt ist dabei augenscheinlich so wütend, dass er gar nicht merkt, wie
schlecht seine Argumente sind. Zwischendurch schiebt er relativierend ein:
„Nochmal, Kunstfreiheit muss radikal gedeckt werden.“ So in etwa: Man solle
ja alles drehen dürfen, nur mit Steuergeldern finanziert werden, könne
solch rot-grün-roter Kulturkampf bitte nicht: „Nicht mit meinem Geld!“,
schäumt der Mann in Hemd und Pullover.
Ja was denn nun? Kunstfreiheit oder „hier nichts verloren“? „Sollen die
alles machen“, oder doch lieber politische Gegner zur Strafe für
abweichende Meinungen in Kriegsgebiete abschieben? Leider klappt das mit
den Grundrechten bekanntermaßen nur, wenn sie für alle gelten. Und auch
wenn Fördermittel und Festivalpreise nur die kriegen dürfen, die nach der
Pfeife der Regierung tanzen – oder noch besser nach der der Springerpresse
–, kann von Freiheit keine Rede sein.
Poschardt klingt nicht danach, als wolle er generell deutsche Filmförderung
einstellen oder der Berlinale sämtliche Staatskohle streichen. Vielmehr
hört es sich an, als wolle er speziell dieses Werk und diesen Regisseur aus
der deutschen Öffentlichkeit entfernen – weil ihm seine Position nicht
passt.
Poschardt sollte sich entscheiden: Entweder Kunstfreiheit oder autoritäres
‚IHR MACHT WAS ICH SAGE!‘ (Hier jetzt mal nur sinngemäß zitiert). Beides
zusammen funktioniert nicht. Und wirkt auch irgendwie unehrlich.
In letzter Zeit merkt man, dass der Welt-Herausgeber und ehemalige
DJ-Forscher inzwischen ganz weit rechts auf dem Spektrum angekommen ist.
Ein Umstand, der ihm anscheinend verziehen wird – auch im liberalen Milieu
ist man nachsichtig. Wenn man ihn sich so ansieht und anhört, ist aber der
Eindruck vor allem: In seinem nun auch schon fortgeschrittenen Alter sollte
er vielleicht mal mehr auf den Blutdruck achten.
24 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Fabian Schroer
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