# taz.de -- Deutsche nach dem Tod von „El Mencho“: Hauptsache, die WM findet statt
> 75 Tote in Mexiko nach der Tötung des Drogenbosses „El Mencho“ und hier
> sorgt man sich vor allem um das Sommermärchen. Eine seltsame
> Prioritätensetzung.
(IMG) Bild: Soldaten am 23. Februar in einer der Hauptstraßen von Guadalajara
[1][Rudi Völler findet die Zustände in Mexiko „erschreckend]“. Dennoch ist
der DFB-Sportdirektor zuversichtlich: „Wir haben natürlich die Hoffnung,
dass sich das in den nächsten Tagen und Wochen wieder beruhigt, bevor die
WM losgeht“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.
Wie so viele Meldungen ist diese im dpa-Ticker unter
„Fussball/Unruhen/Mexiko/Deutschland/WM“ zu finden[2][. „Sorge um
Fußball-WM“ titelt auch das Handelsblatt, ] und die [3][„Tagesschau“ fragt
sich, ob Mexiko die Sicherheitslage vor der WM im Griff hat]. Besorgt
zeigte sich auch ein Sportredakteur der Bild-Zeitung. Sein erster Gedanke,
nachdem er von den gewaltsamen Aktionen in Mexiko gehört habe, sei die
Frage gewesen: „Was wird eigentlich aus der Weltmeisterschaft.“
Logo. Nach der Tötung des Drogenbosses „El Mencho“ in Mexiko und
gewaltsamen Auseinandersetzungen mit rund 75 Todesopfern an nur einem Tag
ist die größte Sorge vieler Deutscher, dass ihr diesjähriges
Sommervergnügen gefährdet sein könnte. Alles andere wäre vielleicht etwas
zu moralisch, aber auch naiv. Denken wir an Katar. So wirklich hat sich am
Ende dann doch niemand darum geschert, dass in dem WM-Austragungsland
migrantische Arbeiter*innen unter schlimmsten Bedingungen malochen
müssen und Homosexualität verboten ist.
Naiv ist aber auch, wer sich jetzt plötzlich besorgt über die Zustände in
dem Land zeigt, in dem in ein paar Monaten ein Teil der Männer-WM
ausgetragen wird. Natürlich waren die Straßenblockaden ein deutliches
Zeichen dafür, dass das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) über eine
gewisse Kampfkraft verfügt. Wer nach dem von Militärs verursachten Tod
seines Anführers, des Mafiabosses Nemesio Oseguera, aka El Mencho, in 20
von 32 Bundesstaaten Autos, Busse, Supermärkte und Tankstellen in Brand
setzen kann, verfügt über eine gewisse Kampfkraft.
Aber sorry. Hallo? [4][Jeden Tag sterben in Mexiko viele Menschen] eines
gewaltsamen Todes. Die Regierung spricht von durchschnittlich knapp 60,
Kritiker*innen gehen von mindestens 80 aus. Über 133.000 Personen
gelten als verschwunden, auch von ihnen dürften die meisten tot sein. Viele
der Opfer gehen auf das Konto des CJNG, andere auf das von „El Chapos“
Sinaloa-Kartell oder Dutzender anderer krimineller Organisationen.
## 2.650 Ermordungen seit Sommer 2024
Apropos Joaquín El Chapo Guzmán: In und rund um Culiacán, die
Landeshauptstadt des Bundesstaats Sinaloa, tobt ein blutiger Kampf um das
Erbe des in den USA inhaftierten Mafia-Chefs. Seit bald zwei Jahren. Auch
dort brennen Autos, Häuser und Ladengeschäfte, Schießereien gehören zum
Alltag, etwa 2.650 Menschen wurden seit Sommer 2024 ermordet.
Muss man nicht unbedingt wissen, aber wer sich wirklich Sorgen über die
Gewalt im WM-Gastgeberland Mexiko macht, kann es wissen. Auch, dass der
mexikanische Krieg unter anderem mit deutschen Waffen geführt wird. Zum
Beispiel von den Rüstungsschmieden Heckler & Koch oder Sig Sauer. Darüber
hat die ARD zu bester Sendezeit Spielfilme und Dokumentationen
ausgestrahlt.
Vielleicht rühren die Sorgen um die WM ja eher daher, dass die Großstadt
Guadalajara einer der drei Austragungsorte ist. Vier Gruppenspiele sollen
dort stattfinden. Genau genommen im Akron-Stadion von Zapopan – einem
Hotspot des Jalisco-Kartells. So wie der gesamte dortige Bundesstaat
Jalisco, wie der Name schon sagt, vom CJNG dominiert wird.
Darauf machten die Mütter, Schwestern, Brüder und Väter von Verschwundenen
jetzt im Rahmen der WM aufmerksam. Im weiteren Umfeld des Stadions seien in
den letzten Jahren 456 Abfalltüten mit Leichenresten gefunden worden,
informierte José Raúl Servín García von Angehörigenkollektiv Guerreros
Buscadores de Jalisco. Gegen diese unhaltbare Situation wollen die
Angehörigen übrigens am Tag des WM-Eröffnungsspiels in Mexiko-Stadt mit
einer Demonstration protestieren.
Aber, hey, Leute, für uns kein Problem. Unsere Elf werde angesichts der
Gruppenkonstellation definitiv nicht nach Mexiko fahren und dort spielen
müssen, beruhigt der Kollege von der Sportredaktion der Bild-Zeitung. Und
wenn die WM richtig wackele, könnte er sich auch vorstellen, dass die USA
im Vorfeld militärisch eingreift. „Aber das ist reine Spekulation.“
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.spiegel.de/sport/fussball/mexiko-nach-tod-von-el-mencho-rudi-voeller-findet-unruhen-im-wm-gastgeberland-erschreckend-a-a490a6ce-7214-431a-803f-7de7de2cd48e
(DIR) [2] https://www.handelsblatt.com/politik/international/wm-2026-gewalt-in-mexiko-alarmiert-bundesregierung-sorge-um-fussball-wm/100202717.html
(DIR) [3] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/mexiko-drogenboss-ell-mencho-wm-gewalt-100.html
(DIR) [4] /Mexikos-ermordete-Journalisten/!6138692
## AUTOREN
(DIR) Wolf-Dieter Vogel
## TAGS
(DIR) Mexiko
(DIR) Gewalt
(DIR) Drogenkartell
(DIR) Drogenboss
(DIR) WM
(DIR) Medienkritik
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Mexiko
(DIR) Mexiko
(DIR) Mexiko
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Mexikos Kampf gegen Drogenkartelle: Schüsse statt Umarmungen
Dass Mexikos Präsidentin militärisch gegen die Kartelle durchgreift, ist
richtig. Sie sollte auch gegen die Politiker vorgehen, die davon
profitieren.
(DIR) Tod von Drogenboss El Mencho: Kampf um Deutungshoheit entbrannt
Nach dem Tod von Drogenboss El Mencho bricht eine Gewaltwelle los und
soziale Medien werden von Fake News geflutet. Wem nützt das Chaos?
(DIR) Ausschreitungen in Mexiko: Gewaltwelle nach Tötung von Drogenboss El Mencho
Nach dem Tod des Anführers des Drogenkartells Jalisco brennen Häuser und
Barrikaden. Präsidentin Claudia Sheinbaum ruft dazu auf, Ruhe zu bewahren.