# taz.de -- Amerikanische Sicherheitspolitik: Gruppenfotos für die MAGA-Bewegung
       
       > US-Präsident Trumps „Shield of the Americas“ soll Lateinamerika sicherer
       > machen – doch die drei wichtigsten Länder der Region fehlen.
       
 (IMG) Bild: Donald Trump und seine Buddies: Ein Gruppenfoto beim „Shield of the Americas“-Gipfel in Miami Anfang März
       
       Während die USA seit Ende Februar Krieg gegen Iran führen, richtet der
       US-Präsident seinen Blick bereits auf einen anderen Teil der Welt: [1][auf
       Kuba.] „Ob ich es befreie oder übernehme – ich kann damit machen, was ich
       will“, so Donald Trump Mitte März. Das Muster ist bekannt: Venezuela im
       Januar, dann Iran, die Karibikinsel ist das nächste Kapitel. Doch es geht
       dabei um mehr als einzelne Konflikte. Trump ordnet Amerikas Hinterhof neu.
       
       Anfang März lud er in eines seiner Golfresorts zu einem [2][Gipfeltreffen
       unter dem Label „Shield of the Americas“] ein – ein neues Bündnis gegen
       Drogenkartelle, Migration und organisierte Kriminalität. 13 Präsidenten
       lächelten fürs Foto – doch die wichtigsten fehlten: Mexiko, Brasilien,
       Kolumbien. Der Unterschied zu Teilnehmerstaaten wie El Salvador oder
       Argentinien: Die drei Länder werden derzeit von linken Regierungen geführt
       und betonen ihre Souveränität gegenüber den Vereinigten Staaten.
       
       Doch was kann ein Bündnis leisten, wenn die drei größten und am stärksten
       betroffenen Länder Lateinamerikas nicht eingeladen sind? Mexiko teilt eine
       3.000 Kilometer lange Grenze mit den USA, über die ein großer Teil der
       Drogen ins Land gelangt und die auch die meisten Migranten nutzen.
       
       Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat in den letzten Monaten immer
       wieder auf die steigende Beschlagnahmung von Fentanyl hingewiesen. Bei
       einer Militäraktion im Februar wurde der Anführer des mächtigen Kartells
       Jalisco Nueva Generación, [3][„El Mencho“], mit nachrichtendienstlicher
       Unterstützung der USA aufgespürt und tödlich verletzt. Laut einem Insider
       mit Zugang zu Kreisen der Drogenbekämpfungsbehörde DEA gilt die
       Zusammenarbeit als vorbildlich – und soll weitergehen. Das passt allerdings
       nicht in Trumps Erzählung. Kolumbien und Brasilien kooperieren ebenfalls
       eng mit US-Ermittlern bei der Bekämpfung internationaler Schmuggelrouten.
       
       ## Rückkehr zur Monroe-Doktrin
       
       Ein Vorfall Ende März an der US-mexikanischen Grenze macht die Lage
       deutlich: Kräfte des US-Militärs drangen bei Arbeiten am Zaun auf
       mexikanisches Territorium vor. Mexiko forderte sofort den Rückzug. In ihrer
       Pressekonferenz tat Sheinbaum den Vorfall als „operatives Missgeschick“ ab.
       Doch während sie beschwichtigt, zeichnen sich tiefere Spannungen ab.
       
       Der Politologe Carlos Pérez Ricart vom Forschungszentrum Centro de
       Investigación y Docenicia Económicas (CIDE) hält eine US-Invasion für
       wahrscheinlich – nicht im großen Stil, aber als gezielten Angriff, der
       Sheinbaum unter Druck setze. Das folgt einer Logik.
       
       Den strategischen Rahmen hat Verteidigungsminister Pete Hegseth in der
       nationalen Verteidigungsstrategie abgesteckt: ein Sicherheitsraum von
       Grönland über den Golf von Mexiko bis zum Panamakanal – und China soll
       draußen bleiben. Washington setzt wieder stärker aufs Militär – offiziell
       gegen Kartelle, faktisch für mehr Einfluss.
       
       In dieser Logik knüpft Trumps zweite Regierung an die Monroe-Doktrin von
       1823 an, die Lateinamerika zur Einflusszone der USA erklärte. Der Kampf
       gegen Drogenkartelle liefert dafür den Legitimationsrahmen. Doch dass es
       dabei nicht primär um Verbrechensbekämpfung geht, zeigte sich bereits
       Anfang Januar in Venezuela. Auch Präsident Maduro wurde offiziell wegen
       Drogenhandels entführt – obwohl Venezuela darin eine geringe Rolle spielt.
       
       Das bestätigt auch Abelardo Rodríguez Sumano von der Universität
       Iberoamericana in Mexiko-Stadt. Es gehe Trump [4][vor allem um Erdöl],
       Gold, die strategischen Gewässer der Karibik – und um Lithium, jenes
       Metall, das für die globale Energiewende unverzichtbar ist.
       
       ## In der Zwickmühle mit China
       
       El Salvador zeigt exemplarisch, wie eine Partnerschaft in Trumps Sinne
       aussieht: Präsident Nayib Bukele nimmt aus den USA Deportierte in sein
       berüchtigtes Megagefängnis Cecot auf und bekommt Geld und Rückendeckung aus
       Washington. Ein Tauschgeschäft.
       
       Doch Trumps Verbündete beim „Shield of the Americas“ haben ein Problem:
       Vordergründig strahlen sie mit dem US-Präsidenten auf dem Gruppenfoto. Doch
       China zahlt besser. Das Land ist inzwischen wichtigster Handelspartner
       Südamerikas und schickt keine Bedingungen mit der Rechnung.
       
       Argentinien und Chile priorisieren in öffentlichen Ausschreibungen keine
       US-Firmen, wie Jesús Renzullo vom German Institute Global and Area Studies
       (GIGA) in Berlin erklärt. Der argentinische Präsident Javier Milei schimpft
       auf China – und macht trotzdem Geschäfte mit der ostasiatischen Großmacht.
       
       ## Innenpolitische Signale vor den Midterms
       
       Für Mexiko wächst der Druck auf zwei Ebenen: wirtschaftlich, weil das
       Freihandelsabkommen USMCA mit den USA neu verhandelt wird – ein klarer
       Hebel für Trump, denn rund 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in
       die Vereinigten Staaten. Und sicherheitspolitisch im Umgang mit den
       mächtigen Kartellen. Dass diese so mächtig geworden sind, dafür tragen die
       USA allerdings selbst große Verantwortung: 70 bis 90 Prozent der
       beschlagnahmten Waffen stammen aus den USA – jährlich etwa 200.000
       Schusswaffen.
       
       Am Ende sind Drogenpolitik, Migration und die Neuverhandlung des
       Freihandelsvertrags für Trump keine Außenpolitik. Es ist innenpolitisches
       Werkzeug – Wahlkampf für die Zwischenwahlen im November, so Pérez Ricart,
       gedacht für eine MAGA-Bewegung, die genau diese Bilder braucht:
       ICE-Zugriffe, Kartellchefs, Gipfelfotos.
       
       [5][Kuba] fügt sich in diese Logik als offener Posten – nicht wegen
       Rohstoffen, denn die Insel hat kaum welche. Sondern weil es seit 1959 das
       Symbol des Widerstands gegen US-Hegemonie ist. Für Außenminister Marco
       Rubio, dessen Eltern aus Kuba stammen und der als Hauptarchitekt der
       US-Kuba-Politik gilt, ist es auch eine persönliche Rechnung. Wer sich der
       neuen Ordnung verweigert, bekommt den Druck zu spüren – so wie Venezuela
       oder Iran.
       
       Das „Shield of the Americas“ ist die andere Seite dieser Politik: Belohnung
       für jene, die mitspielen, Bestrafung für die, die es nicht tun. Doch ohne
       Mexiko, Brasilien und Kolumbien bleibt es das, was es von Anfang an war –
       ein Gruppenfoto mit Trump und seinen Buddies.
       
       9 Apr 2026
       
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