# taz.de -- Hype ums Curling: Bis in vier Jahren wieder
> Jede Winterspiele wird Curling Kult, diesmal sogar inklusive
> Schummel-Skandal. Als Live-Event gehört das Spiel aber weniger zu den
> Olympia-Highlights.
(IMG) Bild: Der Kanadier Marc Kennedy in Aktion gegen das britische Team im Curling-Finale der Männer am vergangenen Samstag
Ausgewischt. Kein Curling mehr. Es ist Entwöhnung angesagt. Denn eigentlich
hat immer irgendjemand einen dieser eigentümlichen Granitsteine aufs Eis
gelassen während dieser Olympischen Winterspiele. Schon bevor die Spiele
vor gut zwei Wochen eröffnet worden sind, wurde gecurlt. Der
Mixed-Wettbewerb brauchte seine Zeit, dann kamen die Frauen- und
Männerteams. Morgens um neun ging es jeden Tag los in der Olympiahalle von
Cortina d’Ampezzo. Bis in den Abend hinein.
Curling ist die olympische Daueruntermalung. Sportsfreundinnen, denen die
Hektik zu viel wird, die mal runterkommen wollten von diesem emotionalen
Vollrausch bei Olympia, konnten zur Beruhigung immer mal rüberschalten in
den Stream zu den Steineschiebern. Und es kam, wie es immer kommt: alle
vier Jahre verlieben sich die Deutschen in Curling.
In Cortina dagegen hat sich die Aufregung vor dem Finale der Männer
zwischen Großbritannien und Kanada in Grenzen gehalten. [1][Keine Tränen
sind geflossen], nachdem feststand, dass Kanada Olympiasieger ist, kein
Schluchzen, nichts dergleichen. Einem Kanadier wurde kurz sein Kind in den
Arm gedrückt, er knuddelte es. Das war’s dann auch schon mit den Emotionen.
Die Spieler reichten sich die Hand, so wie zwei Tennisspieler nach einem
Freizeitmatch ohne jede Bedeutung.
So groß [2][das Kultpotenzial dieser Sportart] auch sein mag, so schnell
die Meme-Maschine mit Curlingbezug auf Social Media auch diesmal wieder
angelaufen ist, als Live-Event gehört das Spiel nicht zu den Rennern bei
Olympia. Als das große Finale losging, waren lange nicht alle Plätze
besetzt. Denen, die erst später gekommen sind, blieb der Auftritt der in
schottische Tracht gekleideten Dudelsackpfeifer erspart, die vor dem Finale
auf die Eisfläche geschickt worden waren.
## Italienische Trachtengruppe und ein schottisches Team GB
Curling kommt aus Schottland. Da soll sich schon 1716 der erste
Curling-Klub gegründet haben. Dieser Tradition wird bei großen Turnieren
gerne mit Kilts und Dudelsäcken gehuldigt. Die Trachtengruppe, die da am
Samstagabend in Cortina aufgespielt hat, kommt allerdings nicht aus
Schottland. Es waren Mitglieder der Veneto Piping School aus dem Kaff Santa
Maria di Veggiano zwischen Vicenza und Padua.
Dafür sind es Schotten, die Team GB bei Olympia vertreten. Natürlich.
Nirgendwo sonst gibt es so viele Curlingklubs wie in Schottland. Die
lautesten Fans in der Halle hielten dann auch die schottische Fahne hoch
bei Einzug der Athleten, nicht den Union Jack. Unter ihnen war auch ein
echt schottischer Dudelsackpfeifer.
Den Kanadiern jedenfalls machte der Radau nichts aus, den die Fans von Team
GB veranstaltet haben. Die wurden auch schnell müde. Schon nach der ersten
Viertelstunde war der Einpeitscher aus der schottischen Ecke derart heiser,
dass seine Stimme nicht mehr weit trug. Und ganz ruhig war es nach dem
vorletzten Durchgang, dem 9. End. Das hatte Kanada mit 3:0 gewonnen. Zehn
Ends, bei denen jedes Team acht Steine zu schieben hat, waren zu spielen
bis zur Entscheidung. Kanada führte mit 2 Punkten vor dem letzten End. Die
Vorentscheidung.
Es durfte gejubelt werden. So richtig konnte sich niemand erklären, wie es
dazu gekommen war, dass dem schottischen Kapitän Bruce Mouat, der von den
Kanadiern ein ums andere Mal als der beste Curler der Gegenwart bezeichnet
worden ist, das Geschick verlassen hatte bei seinen letzten Steinen. „Wir
haben alles getroffen und sie nicht. So einfach ist das. Da war keine
magische Strategie dahinter“, meinte hinterher Paul Webster, Kanadas Coach.
Dann wäre das ja geklärt.
## Vorwürfe der Doppelberührung
Jetzt muss nur noch das Gerede über den größten Curling-Skandal der
vergangenen Jahre aufhören. Einer, der sich jetzt Olympiasieger nennen
darf, stand im Zentrum der Aufregung. Mark Kennedy war von den Schweden in
der Vorrunde eine Doppelberührung vorgeworfen worden. Er soll den Stein
noch einmal einen Schubs gegeben haben, nachdem er ihn schon losgelassen
hat.
Als Kennedy auf der Bahn darauf angesprochen worden war, hatte er gesagt:
„Wer soll das gemacht haben? Wer? Ich jedenfalls nicht und jetzt verpiss
dich!“ So etwas hatte der selbsternannte Gentlemansport noch nie erlebt.
Kanadas Ben Herbert, der nach der Beschwerde der Schweden selbst zum
Kampfgericht gegangen war und gesagt hatte, die Schweden würden selber
bescheißen, meinte nun. „Das wird sich alles wieder legen. Olympia ist zu
groß für so einen Streit.“
Und nun? Jetzt ist erst mal wieder Curlingpause. Bis in vier Jahren bei den
Winterspielen in den französischen Alpen.
22 Feb 2026
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(DIR) Andreas Rüttenauer
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