# taz.de -- Friedensprozess mit PKK in der Türkei: Parlament bleibt restriktiv gegen kurdische Forderungen
> Die Kurden hatten auf einen Neuanfang in der Türkei gehofft. Doch die
> Regierungsparteien wollen vor allem eine bedingungslose Kapitulation der
> PKK.
(IMG) Bild: Der türkische Parlamentspräsident Numan Kurtulmuş leitet eine für den Friedensprozess mit der PKK zuständige Parlamentskommission
Abdullah Öcalan bleibt auf seiner Gefängnisinsel und auch für die
Gefolgschaft des ehemaligen Gründers der kurdischen PKK-Guerilla soll es
keine Amnestie geben. Nach monatelangen Debatten hat eine Kommission des
türkischen Parlaments jetzt ihre Empfehlungen für das weitere Vorgehen im
sogenannten Friedensprozess mit der Kurdischen Arbeiterpartei PKK
vorgelegt.
Während die im Parlament vertretene kurdische DEM-Partei, die maßgeblich an
der Einsetzung der Kommission beteiligt war, vor allem darüber reden
wollte, wie die Rückkehr ehemaligen PKK-Mitglieder in die Türkei aussehen
könnte und was mit den gefangenen PKK-Mitgliedern geschehen sollte, redeten
die Regierungsparteien konsequent nur von der „terrorbefreiten“ Türkei.
Voraussetzung für alles Weitere sei die bedingungslose Kapitulation und
Entwaffnung der PKK.
Um in der Öffentlichkeit den Eindruck zu vermeiden, man sei den
„Terroristen“ entgegengekommen, sollen zunächst weder [1][Abdullah Öcalan
noch andere prominente kurdische Politiker freikommen], noch will man den
PKK-Mitgliedern mit einer breiter angelegten Amnestie die Rückkehr in die
Türkei erleichtern. Es müsse zunächst jede/jeder ehemalige „Terrorist*in“
vor Gericht, legte die Kommission fest. Dabei könne aber ein Verfahren
entwickelt werden, dass bloße PKK-Mitgliedschaft nur noch pro forma
bestraft.
## Keine kurdische Gleichberechtigung
Es war von vornherein klar, dass die Kommission keine Entscheidungen
treffen kann, sondern nur Empfehlungen für die Regierung abgeben soll.
Dennoch hatten sich die Kurden von den intensiven Gesprächen mit den
anderen Parteien im Parlament – bis auf eine rechte Kleinpartei waren alle
anderen Parlamentsparteien vertreten – sicher mehr erhofft. Es sollte über
einen gesellschaftlichen Neuanfang auf der Basis kurdischer
Gleichberechtigung gesprochen werden, sagten DEM-Mitglieder zu Beginn der
Kommissionsarbeit.
Jetzt hat die DEM zwar dem Abschlussbericht der Kommission zugestimmt,
kritisierte aber dennoch vor allem zwei Punkte. Die Kurdenfrage sei
ausschließlich unter dem Terroraspekt besprochen worden und eine Empfehlung
für die Gleichberechtigung der kurdischen Sprache habe die Kommission auch
nicht abgegeben. Die Zugeständnisse an die Kurden bleiben vage und
verklausuliert.
Statt über die [2][Freilassung prominenter kurdischer Politiker wie
beispielsweise den früheren Vorsitzenden der HDP, der Vorgängerpartei der
DEM, Selahattin Demirtaş] zu reden, empfiehlt die Kommission lediglich, die
Türkei solle sich zukünftig an Urteile des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte halten, der seit Langem die Freilassung von [3][Demirtaş]
und anderen prominenten politischen Gefangenen wie [4][Osman Kavalla]
fordert.
## Hauptforderung: Kurdische Selbstverwaltung
Eine der Hauptforderungen der Kurden, vor allem auch von Abdullah Öcalan
persönlich, ist die uneingeschränkte kommunale Selbstverwaltung in den
mehrheitlich kurdisch besiedelten Gebieten. Wenn schon kein eigener Staat
und keine Autonomie, dann wenigstens das. Der Kommissionsbericht bleibt
hier sehr vage, spricht allgemein von Demokratisierung, ohne konkret zu
werden.
Die DEM will dagegen erreichen, dass zumindest gesetzlich festgelegt wird,
[5][dass abgesetzte Bürgermeister] nicht durch einen Zwangsverwalter
ersetzt werden, sondern dass das Gemeindeparlament einen neuen
Bürgermeister nachwählen kann. Was mit den in den letzten Jahren
abgesetzten kurdischen Bürgermeistern passieren soll, bleibt unklar,
beantwortet sich aber angesichts der ständigen Festnahmen von
Bürgermeistern der Oppositionspartei CHP fast von selbst.
## Änderung in der Terrorgesetzgebung
Was die Kommission allerdings empfiehlt, ist eine Änderung der
Terrorgesetzgebung, wie sie auch die EU von der Türkei seit Langem fordert.
Was alles unter Terrorismus fällt, soll schärfer definiert werden. Die
reine Mitgliedschaft in der PKK beispielsweise soll dann nicht mehr eine
Terroranklage nach sich ziehen.
Während die DEM dem Bericht am Ende zugestimmt hat, haben die beiden
kleinen linken Parteien TIP und Emek als einzige dagegen gestimmt. Sie
verweisen unter anderem darauf, dass ausgerechnet die beiden jüngst von
Präsident Recep Tayyip Erdoğan ernannten Hardliner [6][Akın Gürlek] als
Justizminister und Mustafa Çiftçi als Innenminister die Empfehlungen der
Kommission nun umsetzen sollen.
20 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Wolf Wittenfeld
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