# taz.de -- Islamisten-Lager al-Hol in Syrien: Verbleib deutscher Camp-Insassen unklar
       
       > Das berüchtigte Lager für Angehörige von IS-Kämpfern wurde geschlossen.
       > Zuvor waren Tausende entkommen. Darunter waren wohl auch einige Deutsche.
       
 (IMG) Bild: Da war das Camp noch belegt: Frauen und Kinder am 21. Januar 2026 im al-Hol-Camp in Syrien
       
       „Die katastrophalen humanitären und sanitären Bedingungen ähnelten eher
       einem Zwangsinternierungslager als einer Unterkunft“, sagte Noureddine
       al-Baba, Sprecher des syrischen Innenministeriums, am Mittwoch. Beim
       Eintreffen im Lager al-Hol im Nordosten Syriens habe sich ein
       „erschreckendes Bild“ geboten, so al-Baba.
       
       Am vergangenen Sonntag hatte die syrische Zentralregierung offiziell die
       Auflösung des berüchtigten Lagers bekannt gegeben. [1][In dem Camp in der
       Größe einer Kleinstadt in der Provinz al-Hasaka hatten syrische, irakische
       und ausländische Familien von IS-Kämpfern gelebt]. Zudem beherbergte das
       Lager Tausende Syrer sowie Iraker, die nach dem US-Einmarsch 2003 in den
       Irak nach Syrien geflohen waren. Das syrische Innenministerium schätzt,
       dass fast drei Viertel der Insassen Kinder, Frauen und ältere Menschen
       waren. [2][Viele von ihnen wurden nie eines Verbrechens angeklagt].
       
       Als im Januar die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte
       (SDF) und die Truppen der syrischen Zentralregierung um die Kontrolle über
       das Gebiet um al-Hol kämpften, nutzten Tausende der Lagerinsassen diese
       Situation zur Flucht. Das Lager hatte bis dahin unter SDF-Kontrolle
       gestanden.
       
       „Zu Beginn dieses Jahres lebten in al-Hol noch 24.000 Menschen, nach dem
       21. Januar sank die Zahl auf 6.000“, sagt Rasha Muhrez,
       Syrien-Landesdirektorin von Save the Children, der taz. Viele Kinder seien
       unter den Geflohenen, ihr Aufenthaltsort sei unbekannt, humanitäre Hilfe
       erreiche sie nicht. Mittlerweile sei das Lager völlig leer.
       
       ## Verlegung in syrische Camps und irakische Gefängnisse
       
       „Das Lager war nie ein gesunder Ort, an dem Kinder aufwachsen konnten“,
       sagt Rasha Muhrez. „Viele wurden dort geboren und lebten unter erbärmlichen
       Bedingungen. Wir haben uns stets dafür eingesetzt, dass sie in ihre
       Heimatländer zurückkehren, eine Ausbildung erhalten und in einem normalen
       Umfeld leben können.“
       
       [3][Neben den Tausenden Geflohenen] wurden einige Familien auch offiziell
       verlegt. Mit der Zentralregierung, dem UN-Flüchtlingswerk UNHCR und der
       syrischen Organisation Stability Support Unit (SSU) wurden im Februar
       mindestens 84 Familien in das Al-Burhan-Camp in Akhtarin bei Aleppo
       umgesiedelt. Fotos zeigen Container als Unterkünfte. „Eine nachhaltige
       Lösung ist das trotzdem nicht“, so Muhrez. 66 Menschen wurden mit UN-Hilfe
       in die syrischen Städte Rakka, Deir al-Sor und Idlib gebracht.
       
       Mehr als 5.700 Menschen seien darüber hinaus in Haftanstalten im Irak
       verlegt worden, teilte das irakische Justizministerium am Montag mit.
       Menschenrechtsaktivist*innen sorgen sich um menschenwürdige
       Haftbedingungen.
       
       Von insgesamt 22.000 zurückgekehrten Menschen sprach Saeed al-Jiyashi,
       Berater für strategische Angelegenheiten im irakischen Nationalen
       Sicherheitsrat, gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur INA.
       Mitarbeitende des Obersten Justizrats sowie der Ministerien für Migration
       und Arbeit kümmerten sich um Rechtsfragen, Rehabilitation und
       Reintegration.
       
       ## Mindestens 13 Deutsche saßen in al-Hol
       
       In al-Hol befanden sich auch deutsche Staatsangehörige [4][mit IS-Bezug].
       Während die kurdische Autonomiebehörde in Syrien mindestens 27 deutsche
       Insassen meldete, hatte die Lagerleiterin im Dezember gegenüber der
       Nachrichtenagentur dpa noch von 13 Deutschen gesprochen.
       
       Ihr Verbleib ist unklar. Recherchen von ARD und Berliner Morgenpost zufolge
       sitzen mindestens 5 von ihnen in irakischen Gefängnissen. Der irakische
       Richter Ali Hussein Jafat, der die aus Syrien gebrachten Häftlinge verhört,
       sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe Deutsche im Gefängnis gesehen.
       
       Laut deutscher Bundesregierung hält sich eine „niedrige zweistellige Zahl
       an Frauen mit ihren Kindern mit Deutschlandbezug“ in den Lagern in
       Nordostsyrien auf. Es lägen Hinweise zu mehreren deutschen
       Staatsangehörigen vor, „die nach Irak verlegt worden sind“, hieß es aus dem
       Auswärtigen Amt auf Anfrage der taz. „Nach unserem Kenntnisstand hat die
       irakische Justiz angekündigt, Strafverfahren führen zu wollen.“ Daher warte
       Deutschland die Pläne der irakischen Regierung ab. „Sollten deutsche
       Staatsangehörige in Irak inhaftiert und angeklagt werden, werden wir uns
       für eine konsularische Betreuung über unsere Botschaft in Bagdad
       einsetzen“, heißt es aus dem Auswärtigen Amt.
       
       Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Géza Andreas von Geyr, traf am
       Dienstag Iraks nationalen Sicherheitsberater Qasim al-Araji in Bagdad.
       Araji [5][forderte Deutschland auf,] die nun im Irak inhaftierten deutschen
       ehemaligen IS-Mitglieder zurückzuführen.
       
       [6][Laut lokalen Medien] bekräftigte von Geyr, Deutschland werde dem Irak
       technische Unterstützung im Umgang mit IS-Fällen leisten. Bislang hatten
       sich deutsche Regierungen immer geweigert, alle Staatsangehörigen mit
       IS-Verbindungen zurückzuholen.
       
       „Jahrelang behaupteten Regierungen, sie könnten wegen schwerer
       Verhandlungen mit einem nicht staatlichen Akteur, der für die Lager
       verantwortlich ist, ihre Staatsbürger nicht zurückführen“, sagte Adam
       Coogle, stellvertretender Nahost-Direktor von Human Rights Watch. „Diese
       Ausrede zieht nun nicht mehr.“
       
       26 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] https://x.com/qassimalaraji/status/2026244635069223403
 (DIR) [6] https://www.kurdistan24.net/en/story/896147
       
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