# taz.de -- Klausur der Berliner Linksfraktion: Vorbereitung auf die Machtübernahme
> Die Linksfraktion um Spitzenkandidatin Elif Eralp stimmt sich auf den
> Wahlkampf ein. Sie sagt hohen Mieten und der Einsamkeit den Kampf an.
(IMG) Bild: Elif Eralp auf der Fraktionsklausur in Rostock
Unter dem Titel „Drei Vorhaben für Berlin“ war die programmatische Rede der
[1][Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp] auf der Linken-Fraktionsklausur am
Freitag und Samstag in Rostock angekündigt. Statt im Stile des neuen New
Yorker Bürgermeisters Zoran Mamdani drei Einzelprojekte als
Wahlkampfschlager vorzustellen, waren es Themenstränge, die Eralp als
Schwerpunkte für den kommenden Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl
hervorhob.
Der Linken geht es dabei um bezahlbaren Wohnraum, den Einsatz gegen
Vereinzelung und eine strategische Investitionsplanung. Zusammengefasst:
„Statt Sozialkürzungen und Spaltung wollen wir gesellschaftlichen
Zusammenhalt organisieren. Wir wollen Berlin wieder bezahlbar machen.“ All
das soll gleichwohl einem größeren Ziel dienen: „So schaffen wir auch
wieder mehr Vertrauen in die Politik und können einen Beitrag dazu leisten,
die AfD zurückzudrängen.“ Die Wahl im September bezeichnete Eralp als
„Richtungsentscheidung“ und als Chance für die Linke „Geschichte zu
schreiben“.
Dass es zu einer linken Regierungsübernahme kommt, davon ist man in der
Partei überzeugt. Der Tenor: Vor allem die CDU unter dem Regierenden
Bürgermeister Kai Wegner habe hinlänglich ihre Inkompetenz bewiesen.
Außerdem behakten sich die Koalitionspartner CDU und SPD nur noch
gegenseitig, wie zuletzt im politischen Gerangel um das Eis-Chaos zu sehen
gewesen sei.
Hinzu kommt die Überzeugung, die Fraktionschef Tobias Schulze formulierte:
„Wir haben nach wie vor eine linksprogressive Mehrheit in der Stadt.“ Dass
die Grünen für eine gemeinsame Regierung auch unter linker Führung
bereitstehen, ist immer wieder zu hören. Was die SPD angeht, ist man sich
da nicht so sicher. Gleichwohl stimmt das Wahlprogramm der Sozialdemokraten
mit [2][ambitionierten mietenpolitischen Maßnahmen] oder der Absage an eine
Bebauung des Tempelhofer Feldes optimistisch.
## Zweikampf gegen die CDU
Dass die Wahl auf einen Zweikampf zwischen der CDU und der Linken
hinauslaufen könnte, ist nicht nur die Hoffnung der Linken, sondern auch
der Überzeugung von Kai Wegner. Der sagte am Freitag auf dem
CDU-Bundesparteitag in Stuttgart: „Der Hauptkonkurrent um das Rote Rathaus,
das ist nicht die SPD, das sind auch nicht die Grünen. Das ist die
Linkspartei in Berlin, eine Partei, die klar antisemitisch ist, eine
Partei, die sich immer weiter radikalisiert.“
Ein Vorwurf, den man in der Linken klar zurückweist, als „Kulturkampf“, der
eine inhaltliche Auseinandersetzung ersetzen soll. Vor allem
Spitzenkandidatin Elif Eralp betont ihren jahrzehntelangen Einsatz gegen
Diskriminierung und Antisemitismus sowie eine klare Beschlusslage in der
Partei, Jüdinnen und Juden in Berlin zu schützen und die Sichtbarkeit
jüdischen Lebens zu erhöhen. Während man selbst an ambitionierten Gesetzen
arbeite, habe Wegner „nicht besseres zu tun, als uns anzugreifen und zu
beschimpfen“, so Eralp.
## Konzepte gegen die Mietenkriese
Punkten will die Linke vor allem mit ihren [3][Antworten auf die
Mietenkrise]. Dabei geht es ihnen um das große Ganze. In der kommenden
Legislaturperiode müsse der „ideologische Switch“ gelingen, so Tobias
Schulze: weg vom Verständnis von Wohnungen als „Marktgut“ oder „Betongold“
hin zu einem, als „sozialem Gut der Daseinsvorsorge.“
Der Hebel mit dem das schon in den kommenden Jahren erreicht werden soll,
ist ein „Sicher-Wohnen-Gesetz“, das die Fraktionsmitglieder am Freitag
einstimmig beschlossen. Es ist nach dem Scheitern des Mietendeckels der
erste erfolgversprechende Ansatz private Vermieter an die Kandare zu
nehmen. Der Hebel dafür sind Vorgaben zur Wohnraumbewirtschaftung, die in
der Kompetenz der Bundesländer liegen, begründet mit einer Wohnungsnotlage,
in der sich Berlin befinde.
Vermieter sollen verpflichtet werden bis zu 50 Prozent der wieder zu
vermietenden Wohnungen zu sozialverträglichen Mieten an Menschen mit
Wohnberechtigungsschein zu vergeben. 17.000 bezahlbare Wohnungen sollen so
jährlich entstehen. Aufgebaut werden soll zudem ein Landesamt für
Mieterschutz, das Vermieterverstöße wie Wuchermieten oder aber auch
illegalen Leerstand konsequent verfolgt.
Während das Gesetz über die Dauer der Legislatur seine Wirkung entfalten
soll, plant die Linke als kurzfristige Maßnahme einen Mietendeckel für die
landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, also einen Stopp der
Mieterhöhungen, Absenkungen überhöhter Mieten und eine Begrenzung der
Wiedervermietungsmieten. Die Vergesellschaftung der privaten
Wohnungskonzerne soll langfristig wirken. Angesichts von weiter offenen
Rechtsfragen und einer absehbaren Überprüfung des Bundesverfassungsgerichts
spricht Tobias Schulze hier von einem „Jahrzehntprojekt“.
## Einsamkeit bekämpfen
Den sozialen Zusammenhalt will die Partei mit einem Konzept gegen
Einsamkeit stärken. Ein Vorhaben dabei: Die Einrichtung von kommunalen
[4][Kiezkantinen] in jedem Bezirk, als Orte für ein günstiges Mittagessen
für drei Euro und der sozialen Begegnung. Das Vorhaben sieht die Ausgabe
von mehr als 3 Millionen Mahlzeiten pro Jahr vor, eine ähnliche
Größenordnung, wie sie alle Mensen der Stadt auftischen.
Um der Vereinzelung in der Stadt mit 50 Prozent Ein-Personen-Haushalten
entgegenzuwirken und Angebote für besonders betroffene Gruppen von
Einsamkeit – Arme, Migranten, Ältere und Jugendliche – zu machen, möchte
man Begegnungsorte wie Stadtteilzentren, Jugendclubs und Bibliotheken
stärken; gefordert werden Gemeinschaftsräume in Neubauten oder die bessere
Zugänglichkeit bestehender Räumlichkeiten etwa in Schulen oder Behörden für
soziale Träger. Das übergeordnete Ziel dabei ist die Stärkung des
„gesellschaftlichen Zusammenhalts“
Und da Einsamkeit oft eine Folge von gesundheitlichen Einschränkungen ist
und gesundheitliche Folgen hat, wird eine aufsuchende Sozial- und
Gesundheitsarbeit vorgeschlagen („Community Health Nurses“) sowie das
Konzept sozialer Überweisungen, das Bewegungsangebote, psychosoziale
Unterstützung oder Selbsthilfegruppen vermittelt.
Finanzieren will die Linke ihre Ideen durch eine Erhöhung der Einnahmen,
etwa durch eine neue Grunderwerbssteuer, eine neue Villensteuer oder höhere
Parkgebühren. Angesichts eines geplünderten Landeshaushalts, aktuell mit
einem strukturellen Defizit von fünf Milliarden Euro, reiche dies aber
nicht aus. Laut Haushaltspolitiker Steffen Zillich, der nicht erneut fürs
Abgeordnetenhaus kandidiert, brauche es aufgrund des überdurchschnittlich
guten Berliner Wirtschaftswachstums zwar keine Kürzungen, aber eine
„Deckelung der Ausgabenentwicklung“.
Akzente setzen möchte man vor allem bei der Investitionsplanung, etwa jenen
5,2 Milliarden Euro, die dem Land in den nächsten 12 Jahren aus dem
Sondervermögen des Bundes zur Verfügung stehen. Mithilfe einer
landeseigenen „Agentur Strategische Investitionen“, soll der
Investitionstau aufgelöst und die „klimaneutrale Transformation“ gesteuert
werden. Die Agentur soll vor allem dazu beitragen, Investitionen der
Landesbetriebe zu koordinieren. Eralp verspricht nichts weniger als einen
„strategischen Plan für die Sanierung Berlins“.
21 Feb 2026
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## AUTOREN
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