# taz.de -- Amtsenthebung von José Jerí in Peru: „Eines Präsidenten unwürdig“
> In Peru ist Übergangspräsident Jerí über dubiose Kontakte zu einem
> chinesischen Geschäftsmann gestolpert. Doch die Fäulnis im politischen
> Lima sitzt tiefer.
(IMG) Bild: Singt die Nationalhymne nach seiner Vereidigung am 10. Oktober: Perus Interimspräsident José Jerí
Gerade vier Monate war José Jerí im Amt. Der konservative Politiker,
gewählt, um zunehmende Bandenkriminalität, organisierte Kriminalität und
Korruption zu bekämpfen, wurde ein Opfer dubioser Kontakte. Als „Chifagate“
gehen seine Treffen mit einem chinesischen Geschäftsmann, der auf weitere
Staatsaufträge spekulierte, in das dicke Buch der politischen Skandale in
Lima ein.
„Eines Präsidenten unwürdig“ sei José Jerí aufgetreten, hieß es von
zahlreichen Abgeordneten im Parlament. Dort stimmten am Dienstagnachmittag
75 der 102 anwesenden Abgeordneten in einer Sondersitzung für den
Misstrauensantrag gegen den 39-Jährigen, der als Übergangspräsident
fungierte. Einige Quellen sprechen von vier, andere von sieben
Misstrauensanträgen, die gegen das Staatsoberhaupt vorgelegen hätten –
Indiz für die Tiefe des politischen Erdrutsches in Lima.
Jerí sind seine geheimen Treffen mit dem Geschäftsmann Zhihua Yang in einem
chinesischen Restaurant zum Verhängnis geworden. Chinarestaurants heißen in
Peru „Chifa“, weshalb der Politskandal unter „Chifagate“ firmiert. Klar
ist, dass der chinesische Unternehmer im Auftrag des Staates mehrere
Aufträge ausführte. Ob Jerí, wie von einigen Abgeordneten vermutet, dem
Unternehmer weitere Aufträge zuschustern sollte, ist unklar, aber nicht
unwahrscheinlich.
Fakt ist, dass die Staatsanwaltschaft im Januar Vorermittlungen gegen den
Politiker eingeleitet hat, bisher aber keine handfesten Beweise für
Korruption vorliegen. Auffällig ist aber, dass die Treffen geheim
stattfanden. Zudem soll Jerí auch Menschen aus seinem Umfeld angestellt
haben, meist Frauen. Auch das gilt im hyperkorrupten Peru schnell als Indiz
für Schuld – auch wenn es noch an Beweisen fehlt.
Durch sein Verhalten habe Jerí die Stabilität des Landes gefährdet, hieß es
vonseiten mehrerer Abgeordneter. Allerdings ist die Glaubwürdigkeit des
Parlaments seit Jahren schwer beschädigt. „Gegen mehr als die Hälfte der
130 Abgeordneten wird ermittelt“, so die Koordinatorin der Dachorganisation
der Menschenrechte, Tania Pariona.
Intrigen und Korruption sind im politischen Establishment seit Jahren ein
zentrales Problem und dafür mitverantwortlich, dass die Abgeordneten schon
lange nur geringe Glaubwürdigkeit genießen. In den letzten Jahren ist es
immer wieder zur Neuinterpretation und Abschwächung von wichtigen Gesetzen
und Verfassungsartikeln gekommen, kritisieren Juristen von
Menschenrechtsorganisationen wie Instituto de Defensa Legal (IDL). Jerí
wird beispielsweise vorgeworfen, auch für Gesetze gestimmt zu haben, die
für Straflosigkeit sorgen: zum Beispiel im Kontext von
Bürgerkriegsverbrechen, so die Menschenrechtsaktivistin Elena Carbajal.
## Negatives Signal kurz vor den Wahlen
Unstrittig ist, dass die dritte Absetzung eines Präsidenten in einer
Legislaturperiode das politische System weiter destabilisiert. Das
bestätigte auch der Vizepräsident des Kongresses, Illich López, der vor der
Absetzung Jerís gewarnt hatte. Jerí selbst war gar nicht erst zur Debatte
eingeladen worden und äußerte sich bisher nicht öffentlich nicht zu den
Vorwürfen und zu seiner Absetzung.
Jerí war als Präsident des Kongresses in das höchste Staatsamt im Oktober
berufen worden, nachdem ein Misstrauensantrag gegen die damals amtierende
Präsidentin Dina Boluarte den Weg freigemacht hatte. Boluarte, die eine
Zustimmungsrate von 3 Prozent und mehrere Korruptionsfälle gegen sich zu
verbuchen hatte, war letztlich an der zunehmenden Unsicherheit, der
[1][Präsenz von Banden und organisierter Kriminalität] gescheitert. Sie war
ursprünglich Vizepräsidentin von Pedro Castillo, der im Dezember 2022
abgesetzt worden war, weil er versucht hatte den mächtigen Kongress
aufzulösen.
Castillo, ein linker und überaus schlecht beratener Präsident, hatte es
gewagt, gegen die politischen Strukturen und [2][erzkonservativen
Seilschaften im Kongress] vorzugehen. Ihm war allerdings auch selbst
Paternalismus und Korruption vorgeworfen worden. Letztlich war der indigene
Dorflehrer und Gewerkschaftler Castillo jedoch an den tradierten
politischen Verhältnisse gescheitert.
Analysten wie der Menschenrechtsexperte Salomón Lerner machen die
Selbstbedienungsmentalität der politischen Klasse, aber auch der
etablierten Eliten, für die politische Krise verantwortlich. Mehrere
ehemalige Präsidenten sitzen derzeit wegen Korruption in Haft und es werden
weitere folgen.
Das [3][führt zu einer Glaubwürdigkeitskrise], während das politische
System dringend Reformen benötigt. Doch das politische Spektrum ist extrem
zersplittert – nur wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen am 12.
April glauben nur 11 Prozent der Befragten, dass sich durch die Wahlen die
Situation des Landes verbessern wird.
18 Feb 2026
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(DIR) Knut Henkel
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