# taz.de -- Wahlen in Peru: Wahlchaos und rechte Führung
       
       > Bei der Präsidentschaftswahl in Peru liegt Diktatorentochter Keiko
       > Fujimori in Führung. Wer neben ihr in die Stichwahl einzieht, ist noch
       > offen.
       
 (IMG) Bild: Keiko Fujimori, Präsidentschaftskandidatin der Partei „Fuerza Popular“, nach der Stimmabgabe in Lima
       
       Was als demokratisches Fest geplant war, sorgte schon am frühen
       Sonntagmorgen für Frust in der peruanischen Hauptstadt Lima. Tausende
       Wählerinnen und Wähler warteten am Tag der [1][Regierungs- und
       Präsidentschaftswahl] stundenlang vergeblich in langen Schlangen vor den
       Wahllokalen auf ihre Stimmzettel.
       
       Ein von der Wahlbehörde beauftragtes externes Unternehmen hatte die
       Unterlagen schlicht nicht geliefert. Mehr als 52.000 Wahlberechtigte
       konnten daher in Lima ihre Stimme nicht abgeben. Gegen die Firma wird
       inzwischen ermittelt. Am Nachmittag durchsuchte die Antikorruptionseinheit
       der Polizei zudem die Räumlichkeiten der Wahlbehörde ONPE.
       
       Über weite Strecken des Tages blieb ungewiss, ob die Wahl sogar wiederholt
       werden müsse. Erst am Abend traf das oberste Wahlgericht eine Entscheidung:
       Die 13 betroffenen Wahllokale sollen am Montag bis in den Nachmittag hinein
       geöffnet bleiben. Eine Abstimmung über zwei Tage hinweg – ein Novum in der
       peruanischen Geschichte. Allerdings geben Kritiker zu bedenken, dass die
       Nachwahl unter dem Eindruck der bereits laufenden [2][öffentlichen
       Auszählung] steht.
       
       Nach deren Stand lag um kurz vor 3 Uhr am Montagmorgen bei rund 45 Prozent
       ausgezählter Stimmen die rechte Favoritin [3][Keiko Fujimori] mit 17
       Prozent in Führung, gefolgt vom früheren rechten Bürgermeister Limas,
       Rafael López Aliaga mit 15,6 Prozent der Stimmen. Auch der liberale
       ehemalige Kulturminister Jorge Nieto hatte mit 13,4 Prozent der Stimmen
       noch Chancen auf den Einzug in die Stichwahl am 7. Juni.
       
       ## Wenige Stimmen können entscheidend sein
       
       Am Abend des Wahltags bezogen behelmte Polizeikräfte vor dem obersten
       Wahlgericht Stellung. Auf der Straße davor versammelten sich Hunderte
       aufgebrachte Anhänger des rechten Kandidaten Rafael López Aliaga. Der
       frühere Bürgermeister von Lima war in den Wochen vor der Wahl in den
       Umfragen zurückgefallen und hatte bereits am Sonntagmorgen über die
       Plattform X von Wahlbetrug gesprochen. Am Abend rief er seine
       Anhängerschaft zu Protesten auf.
       
       Die Leiterin der Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union, Annalisa
       Corrado, sprach hingegen lediglich von „Verzögerungen“. Den insgesamt 150
       entsandten Wahlbeobachterinnen der EU lägen bislang keine Hinweise auf
       gezielte Manipulationen vor.
       
       Auch wenn die 52.000 fehlenden Stimmen im Hinblick auf die 27 Millionen
       Wahlberechtigten gering erscheinen mögen, zeigt ein Blick in die jüngste
       Vergangenheit ihre potenzielle Bedeutung: Bei der letzten
       Präsidentschaftswahl im Jahr 2021 setzte sich der linke [4][Pedro Castillo]
       in der Stichwahl gegen Keiko Fujimori mit einem Vorsprung von lediglich
       44.000 Stimmen durch.
       
       13 Apr 2026
       
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