# taz.de -- Eiskunstlauf-EM: Paar Pläne für Olympia
> Die Eiskunstläufer Minerva Hase und Nikita Volodin gelten bei den EM in
> England nicht als Favoriten. Doch auf die Olympischen Spiele freuen sie
> sich.
(IMG) Bild: Minerva Hase und Nikita Volodin bei einem Showtraining in Berlin, Januar 2026
Sie treten als Titelverteidiger bei den Europameisterschaften im
[1][Eiskunstlauf] in das britische Sheffield, die Paarläufer [2][Minerva
Hase und Nikita Volodin]. Als Favoriten auf den Titel sehen hingegen nicht
alle Experten die 26-jährigen Berliner, denn ausgerechnet in die
Olympiasaison, die erst ihre dritte gemeinsame Saison auf dem Eis ist, sind
sie alles andere als optimal gestartet.
Dabei hatten sich die beiden amtierenden Vize-Weltmeister im Sommer optimal
auf diese besondere Saison vorbereitet. Nichts sollte schiefgehen. Für ihr
Kurzprogramm, einen [3][Tango], hatten sie sich eigens eine Musik von dem
Komponisten Frederic Ruiz komponieren lassen. Für Hase war es ein lang
ersehnter Wunsch, nach Tangoklängen zu laufen. Die Choreografie ihrer Kür
schneiderte der französische Starchoreograf [4][Benoit Richaud]. An der
Oper Leipzig hatten sie mit einem Ballettmeister an der Perfektion der
Bewegungen gefeilt. Und der gebürtige Russe Nikita Volidin bestand im
Sommer seine deutsche Sprachprüfung, so dass seine Einbürgerung, eine
Voraussetzung für den Olympiastart, nur noch eine Frage der Zeit war. Im
Herbst wurde er eingebürgert.
Doch anders als in den Vorjahren lief bei den Wettkämpfen im Herbst vieles
nicht rund. Vor allem das Kürprogramm wirkte lange schwerfällig und
schwermütig; es kamen Zweifel auf, ob sie das schwierige Programm
überzeugend interpretieren könnten. Und es schlichen sich in Wettkämpfen
immer wieder Fehler ein. Mal stürzte Volodin nach einem Toeloop, mal Hase
beim Wurfflip, mal gelang die Todesspirale nicht oder Volodin rutschte nach
einem Salchow weg. Das Kurzprogramm gelang oft besser, aber das Paar
brauchte mehrere Wettkämpfe, um den Tango-Charakter überzeugend
rüberzubringen. Doch nach den fehlerhaften Programmen wirkten die
Psychologiestudentin und der Sportwissenschaftler immer reflektiert und
schauten nach vorn – ihre große Stärke. Auch gegenseitige Vorwürfe blieben
aus, beide waren als Team zusammengewachsen.
Dann kam Anfang Dezember das [5][Grand-Prix-Finale in Japan]. Hierzu hatten
sich nur die sechs besten Paare weltweit qualifiziert. In den beiden
Vorjahren hatten Hase/Volodin das Finale jeweils gewonnen, doch heuer
schienen andere besser zu sein: Neben den japanischen Weltmeistern Riku
Miura/Ryuichi Kihara waren das die italienischen Vizeeuropameister Sara
Conti/Niccolo Macii und die stark verbesserten jungen Georgier Anastasiia
Metelkina/Luka Berulava.
## Sich in die Spitze zurückgekämpft
Ein Fehler von Hase im Kurzprogramm – ein geplanter Dreifachsprung gelang
nur einfach – wurde von den Preisrichtern hart bestraft, so dass die
Vorjahressieger nur auf dem fünften Platz lagen. In der Kür hatten sie dann
nichts mehr zu verlieren. Und ohne Druck zauberten sie eine Traumkür aufs
Eis: Die Einzelsprünge, bei denen es vorher oft Fehler gegeben hatte,
gelangen synchron. Die Interpretation wirkte alles andere als schwerfällig.
Mit der besten Kürwertung landeten Hase/Volodin noch auf dem Bronzeplatz.
Und sie hatten gezeigt, dass auch in der [6][Olympiasaison] mit ihnen zu
rechnen ist.
Auf die Frage, ob sie bei den Europameisterschaften ihren Titel verteidigen
wollen, antwortete Minerva Hase vergangene Woche, sie wolle da eher „noch
mal Sicherheit holen für Olympia“. Und auch dort will das Paar sich nicht
unter Druck setzen. Dort gehe es darum, „Spaß an der Sache zu haben und
nicht einfach nur abzuliefern“.
Begleitet werden Hase/Volodin zur EM von dem Berliner Paar [7][Annika
Hocke/Robert Kunkel], die zwar nicht um Medaillen laufen, aber mit einer
Top-Ten-Platzierung rechnen können. Der dritte Startplatz der Deutschen
Eislauf-Union im Paarlaufen bleibt frei. Das junge Chemnitzer Paar Letizia
Roscher/Luis Schuster hätte sich zwar nach den internationalen Kriterien
qualifiziert, doch dem deutschen Verband genügte seine Leistung nicht.
Unmittelbar nach dieser Entscheidung haben sich die Chemnitzer, die nach
langem Verletzungspech gerade dabei waren, sich wieder hochzuarbeiten,
getrennt. Ob sie mit neuen Partnern weiterlaufen, ist ungewiss.
Sie könnten auch den vielen deutschen Eiskunstläufern und -läuferinnen
folgen, die zu anderen nationalen Verbänden gewechselt sind, wo die
Förderung besser funktioniert. So laufen in Deutschland ausgebildete
Athleten und Athletinnen heute mit unterschiedlichem Erfolg für Spanien,
Rumänien, Ungarn, Aserbaidschan, Litauen, die Vereinigten Arabischen
Emirate und die Schweiz. Vier von ihnen treten für ihre neue Nation zu den
Europameisterschaften an. Der Neu-Spanier Tim Dieck aus Dortmund sogar mit
Medaillenhoffnung im Eistanz.
12 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marina Mai
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