# taz.de -- Vorschau auf Eiskunstlauf-WM: Alles auf der Kippe
       
       > Bei der WM in Prag wollen Minerva Hase und Nikita Volodin noch einmal
       > glänzen. Ihre Zukunft hängt auch von jener des Berliner Stützpunkts ab.
       
 (IMG) Bild: Ausdrucksstark: Hase und Volodin bei den Olympischen Winterspielen in Mailand
       
       Es könnte ihr letzter Tanz sein, wenn [1][Minerva Hase und Nikita Volodin]
       diese Woche bei den Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf in Prag um die
       Goldmedaille kämpfen. Zumindest der letzte Tanz mit Preisrichtern an der
       Bande. Denn im Interview mit der ARD ließ es Hase offen, ob sie und ihr
       Partner nach dem Ende der Saison weiterhin ein Eislaufpaar bleiben. „Wenn
       es weitergehen soll, dann in einem professionellen und guten Rahmen“, sagte
       Hase. Der Bundesstützpunkt Berlin stehe auf der Kippe. „Da müssen wir mal
       sehen, ob Berlin Bundesstützpunkt bleibt und ob unser Trainerteam
       weitermachen möchte.“
       
       In Prag jedenfalls sind die beiden 26-jährigen Bronzemedaillengewinner von
       Olympia Topmedaillenkandidaten. Da in der Olympiasaison etliche Spitzenduos
       wie die japanischen Olympiasieger gar nicht zur WM antreten, dürften
       Hase/Volodin den Kampf um Gold lediglich mit den georgischen
       Vizeolympiasiegern Anastasiia Metelkina/Luka Berulava ausfechten.
       
       Wobei die Olympischen Spiele gezeigt haben, dass im Eiskunstlauf immer
       Überraschungen möglich sind. Vielleicht ja durch die jungen Chinesen
       Jiaxuan Zhang/Yihang Huang oder die Amerikaner Alisa Efimova/Misha
       Mitrofanov? „Unser Ziel ist es, zwei fehlerfreie Programme zu zeigen“, sagt
       Minerva Hase. „Es war eine sehr fordernde Saison, daher liegt der Fokus
       darauf, konzentriert zu bleiben, aber auch die Freude auszustrahlen,
       nochmal beide Programme vor einem großen Publikum, Familie und Freunden
       laufen zu können.“
       
       Das Kurzprogramm steht am Mittwoch an, die Kür am Donnerstag. Eurosport
       überträgt. Mit dabei in Prag sind auch die Berliner Annika Hocke/Robert
       Kunkel, die bei Olympia nach einer von Verletzungen geprägten Saison Zehnte
       wurden und das Publikum durch innovative Flugelemente begeistern konnten.
       
       ## DOSB benennt strukturelle Defizite
       
       Diese beiden Paare sind derzeit Ausnahmeerscheinungen im deutschen
       Eiskunstlauf, wo sich das Niveau, besonders im Einzellauf, immer weiter von
       der Weltspitze entfernt. So konnte sich zum zweiten Mal in Folge keine
       deutsche Frau für die Weltmeisterschaften qualifizieren. Hocke/Kunkel haben
       angedeutet, wohl weiterzulaufen. Doch auch für sie wäre wichtig, dass
       Berlin über 2026 hinaus Bundesstützpunkt bleibt. Der Verlust dieses Status
       hätte weniger finanzielle Mittel und weniger Eiszeiten für die Berliner
       Talente zur Folge.
       
       Sportdirektor Jens ter Laak hält indes eine Verlängerung für realistisch.
       „Die Entscheidung liegt aber am Ende beim Staat.“ Der DOSB hätte für Berlin
       „strukturelle Defizite angepinnt, die wir abzuarbeiten haben. Daran
       arbeiten wir mit dem DOSB, dem Senat in Berlin und dem Landessportbund und
       Olympiastützpunkt zusammen.“ Mit Hase/Volodin sei nach der WM ein Gespräch
       vereinbart, um „verschiedenen Optionen für professionelle Trainingsumfelder
       zu analysieren und gemeinsam zu besprechen“. Als Olympiakader seien sie
       nicht auf Berlin angewiesen, so der Sportdirektor.
       
       Dabei war gerade Berlin noch vor zehn Jahren die wichtigste Kaderschmiede
       [2][für den deutschen Eiskunstlauf.] Kostenlose Eisnutzung, eine
       Talententwicklung ab dem Kindergartenalter und nicht zuletzt ein
       professionelles Trainerteam trugen dazu bei. Doch dann kam der
       Generationswechsel bei den Trainern und bei der Auswahl neuer Trainerinnen
       und Trainer hatte der Berliner Stützpunkt nicht immer das beste Händchen.
       Hingegen hat der Stützpunkt Alexander König, der immerhin die Olympiasieger
       Aljona Savchenko/Bruno Massot trainierte, regelrecht aus Berlin vergrault.
       
       Dazu kommt: Der Stützpunkt hat Chancen nicht genutzt, sich international
       aufzustellen. Mit der Coronapandemie mussten zahlreiche europäische
       Spitzenläufer ihre Trainingsorte in Nordamerika verlassen. Der russische
       Angriffskrieg gegen die Ukraine vertrieb wiederum jene aus Russland. Viele
       von ihnen haben jetzt in Norditalien und der Schweiz eine neue sportliche
       Heimat gefunden, wo die Weltspitze sich gegenseitig im Training puscht. In
       Berlin ist hingegen die Zahl internationaler Spitzenläufer überschaubar.
       Auch das Miteinander von Trainern, Sportlern, Eltern und Verband ist
       schwierig. Konflikte werden gern gerichtlich ausgetragen, eine Klage liegt
       derzeit sogar beim Kammergericht.
       
       24 Mar 2026
       
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