# taz.de -- Kunst aus Moldau und Transnistrien: Beidseits des Grenzflusses Dnister
       
       > Die Ausstellung „Status quo Moldova – Generation Zoomer“ vereint. Im
       > Berliner Kunstverein Ost stellen Kunststudentinnen aus Moldau und
       > Transnistrien aus.
       
 (IMG) Bild: Rechts: Daria Popatenko, ohne Titel, 2025; links: Volker Kreidler, „Portrait Daria Popatenko“, 2025
       
       Vier junge Frauen blicken von der Schaufensterfront des [1][Kunstvereins
       Ost] den Passanten ins Gesicht. Sie stammen aus Moldau und aus
       Transnistrien, dem seit den 1990er Jahren dank russischer und damals auch
       ukrainischer Hilfe abgespaltenen Teil der einstigen Sowjetrepublik. Obwohl
       sie aus politisch verfeindeten Territorien stammen, sind zwischen den
       jungen Frauen keine fundamentalen Unterschiede auszumachen.
       
       Ernst, manche eher mit einem melancholischen Grundzug, andere mit mehr
       Entschlossenheit als Melancholie im Gesicht, schauen sie aus dem
       Schaufenster. Alle vier sind Kunststudentinnen, Ariadna Carp und Irina
       Gorodișteanu vom Colegiul de Arte Plastice in [2][Moldaus Hauptstadt
       Chișinău], Daria Popatenko und Anastasia Shornikova von der Hochschule für
       Kunst W. I. Postojkin in Bender in Transnistrien.
       
       Porträtiert hat sie [3][der Berliner Fotograf Volker Kreidler.] Seit 2021
       fotografiert er im Rahmen des Projekts „Border Areas“ die umkämpften
       Grenzen der Ukraine. In Moldau, das ebenfalls eine lange Grenze mit der
       Ukraine teilt, war es für ihn nur konsequent, auch Transnistrien
       einzubeziehen. „In Moldau entwickeln Dinge schnell eine gewisse
       Eigendynamik. Erst hieß es, wir machen das mit Studenten, und wenig später:
       Morgen fahren wir nach Transnistrien und reden mit dem Leiter der dortigen
       Kunsthochschule“, erzählt er der taz.
       
       ## Leben und Hoffnungen
       
       So entstand das Projekt „Status quo Moldova – Generation Zoomer. Digital
       Nomads and Their Local Future“. Studierende beider Kunsthochschulen waren
       aufgefordert, ihr Leben und ihre Hoffnungen fotografisch umzusetzen. Vier
       Arbeiten wurden ausgewählt und sind jetzt im Inneren der Galerie zu sehen.
       Gorodișteanu inszenierte in den Räumen ihrer Schule zwei Mitstudentinnen,
       wie sie sich mit Lippenstift und bunter Farbe eine große Prise Fröhlichkeit
       in die Gesichter zaubern. Popatenko hielt ihren Nachhauseweg fest. Nur ganz
       wenige Lichter beleuchten dort nach der Dämmerung Straßen, Bahnstrecken und
       Brücken. Carp nahm sich in Schwarz-Weiß-Aufnahmen die Landschaft jenseits
       der Hauptstadt Chișinău vor. Geprägt ist sie von mächtigen
       Kalksteinformationen, die als Baumaterial Chișinău zum Beinamen „weiße
       Stadt“ verhalfen.
       
       Die beeindruckendste Arbeit stammt von Shornikova. In einem umfangreichen
       Bilderreigen zeigt sie zunächst, wie sie in der Stadt zeichnete. Aus den
       Menschen, die sie dort sah, aber auch aus architektonischen Details
       fertigte sie Scherenschnitte. Mit ihnen stellt sie urbane Szenen nach, die
       sie wiederum abfotografierte. Diese kombinierte sie räumlich, stellte so
       urbane Szenen nach.
       
       In dem originellen, zwischen Abstraktion und Figürlichkeit changierenden
       Zugriff darf man durchaus den Einfluss der Kyjiwer Schule vermuten. Lilia
       Dragneva, Künstlerin, Kuratorin und einst selbst Dozentin an der
       Kunsthochschule in Chișinău, hebt im Gespräch mit der taz jedenfalls die
       auf Vielseitigkeit und exzellentes Handwerk setzenden Traditionen der
       Kyjiwer Schule hervor. Sie galt in sowjetischen Zeiten als führend und sei
       in dieser Deutlichkeit vor allem in Transnistrien prägend.
       
       Dragneva beobachtete auch einen Wechsel in den Themen. Die Fragen nach
       nationaler Identität und der Orientierung entweder ins benachbarte und
       historisch verwandte Rumänien oder eben nach Russland seien nicht mehr so
       drängend. „Ich denke, die Leute sind dieser Debatten müde geworden. Unsere
       Generation ist ohnehin zweisprachig aufgewachsen. Und selbst wenn man in
       den Jahren der Spannungen und Konflikte manchmal aufpassen musste, in
       welcher Sprache man auf der Straße antwortet, so ist das jetzt kein Thema
       mehr“, meinte sie. Schön zu erfahren also, dass die „Generation Zoomer“
       beidseits des Grenzflusses Dnister mehr vereint als trennt.
       
       26 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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