# taz.de -- Die Kunst der Woche: Der Tiger im Supermarkt
       
       > Mit einer Einzelausstellung widmet sich die Galerie Philippe Bober dem
       > Filmkünstler Julian Rosefeldt. Breiter bekannt geworden war er mit
       > „Manifesto“.
       
 (IMG) Bild: Spricht mit der Stimme von Cate Blanchett: Tiger aus Julian Rosefeldts Filminstallation Euphoria von 2025
       
       Die Galerie will Kino und zeitgenössische Kunst verbinden. Gegründet hat
       sie der französische Filmproduzent und -verleiher Philippe Bober. Passend
       zur Berlinale ist dort jetzt eine große Einzelausstellung von Julian
       Rosefeldt zu sehen. Rosefeldt ist [1][seit seiner Filminstallation
       „Manifesto“ einem großen Publikum bekannt], auch jenseits des
       Kunstbetriebs. [2][„Euphoria“ heißt Rosefeldts Nachfolgefilm], in dem er
       noch üppiger als sonst mit allem arbeitet, dessen er habhaft werden kann:
       Choräle, antike Philosophie, Spezialeffekte, Filmzitate,
       kapitalismuskritische Leitsätze und – last but not least – wunderbare
       Tanzeinlagen.
       
       Philippe Bobers Firma Coproduction Office stellt den zweistündigen Film
       jetzt auf dem [3][European Film Market der Berlinale] den internationalen
       Einkäufer:innen vor. Dem euphorischen Tiger im Supermarkt, der mit der
       Stimme von Cate Blanchett spricht, kann man in den Räumen am Straußberger
       Platz immerhin schon mal in einem 8-minütigen Loop begegnen. [4][„GONE
       ASTRAY“ wie der Titel der Einzelausstellung lautet], führt erstmals die
       vier Arbeiten „Detonation Deutschland“ (1996), „Meine Kunst kriegt ihr hier
       zu fressen – Hommage an Max Beckmann“ (2002), „Trilogy of Failure“
       (2004–2005) und schließlich „Deep Gold“.
       
       Dass man beim Betrachten der sorgfältig und mit großem Aufwand produzierten
       Filme tatsächlich leicht auf Abwege geraten kann, hängt mit deren
       Konstruktionsprinzip zusammen. Dieses besagt, dass unsere aktuelle
       Kreativität auf vorangegangener Kreativität aufsetzt. Und so kondensiert
       Rosefeldt eine üppige Materialsammlung von Texten und Tönen, von
       Filmbildern, Schauplätzen, Architekturen und Kostümen, die unbekümmert die
       Jahrtausende der westlich-abendländischen Geschichte quert, in surreale,
       assoziationsreiche Miniaturdramen.
       
       Da kann man leicht an einem Detail hängen bleiben, wie den 99 Prozent, die
       in „Deep Gold“ an den Hauswänden in einem Berlin Anfang der 1930er Jahre
       auftauchen. Man [5][erinnert sich an die Occupy-Bewegung und überlegt, wie
       man übersehen konnte], dass da schon rechte Aktivisten, libertäre Gruppen
       und Verschwörungstheoretiker mitmischten. Und wie war das in den 1930er
       Jahren? Die gleichen Anliegen und die gleichen Okkupanten von rechts?
       
       Doch Julian Rosefeldt will nicht vorrangig solche Ideen triggern, sondern
       zunächst einmal die Kunstform Film mit ihren Mythen und erzählerischen
       Versatzstücken sowie ihren organisatorischen und technischen
       Produktionsabläufen reflexiv bearbeiten. Dabei entsteht jedoch keine von
       Theorie belastete Dekonstruktion, sondern [6][es entsteht Kunst über
       Kunst]. Entsprechend ist es ein großes, durchaus herausforderndes Vergnügen
       in diese Szenen einzutauchen, etwa die des unaufhörlichen Versuchs und
       Scheiterns der „Trilogy of Failure“.
       
       17 Feb 2026
       
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