# taz.de -- Görlitzer Park schließt: Der „Tag X“ kommt
> Ab Sonntag soll der Görlitzer Park nachts geschlossen werden. Proteste
> sind angekündigt, Bezirk und Anwohner:innen klagen gegen die
> Maßnahme.
(IMG) Bild: „Der Görli bleibt auf“ ist ein Motto, das manche Aktivist:innen wörtlich nehmen: Und Löcher in Zäune schneiden
Ab Sonntag soll es so weit sein. Dann will der Senat die Tore des Görlitzer
Parks nachts verschließen und damit durchsetzen, wogegen sich
Anwohner:innen, Aktivist:innen und die Bezirkspolitik nun seit mehreren
Jahren wehren. Die Bauarbeiten seien beendet, „sodass wir ab dem 1. März
den Görlitzer Park nachts schließen werden“, sagte die Umweltsenatorin Ute
Bonde (CDU) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.
Bis zuletzt gab es Unklarheit darüber, ob die Schließung nicht doch noch
einmal verschoben wird. Erst am Montag hat die Umweltverwaltung eine
Allgemeinverfügung erlassen, aus der die künftigen Schließzeiten des Görlis
hervorgehen: In der Wintersaison (23. September bis 13. Mai) soll der Park
künftig nur noch von 6 bis 22 Uhr, im Sommer (14. Mai bis 22. September)
von 6 bis 23 Uhr geöffnet sein. Zudem war diskutiert worden, ob der Senat
den Park noch ein paar Tage offen lässt, um die angekündigten Proteste zum
„Tag X“ der Schließung zu erschweren. Der taz gegenüber betonte ein
Sprecher der Umweltverwaltung allerdings, die Schließung beginne am Sonntag
um 22 Uhr.
Linke Gruppen um das Bündnis „Rave Against the Zaun“ haben für den Abend
eine Kundgebung unter dem Motto „Der Görli bleibt auf“ im Park angekündigt.
Ab 19.30 Uhr spielen Künstler:innen wie etwa Mal Élevé, Lena Stöhrfaktor
und DJ Craft, außerdem soll es Reden vom Bezirkspolitiker Vito Dabisch
(Grüne) und dem Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak (Linke) geben – ein
volles Programm, bis um 22 Uhr eigentlich alles vorbei sein muss.
Senatorin Bonde begründete im Abgeordnetenhaus die Parkschließung abermals
damit, dass der Park wegen der Drogenkriminalität seinen Erholungszweck
„für weite Teile der Bevölkerung“ nicht mehr erfülle. „Wir versprechen uns
einen deutlichen Rückgang der Kriminalität“, sagte sie. Die Polizei solle
künftig verstärkt in den umliegenden Straßen präsent sein, um zu
verhindern, „dass sich der Drogenhandel aus dem Park in die Kieze hinein
verlagert“. Die Wirksamkeit soll bis Ende des Jahres wissenschaftlich
evaluiert werden.
## Die Anzeigen sind raus
Doch zu Ende ist die Auseinandersetzung damit nicht. „Wir werden unsere
Klage gegen die Schließung zeitnah einreichen“, sagte David Kiefer vom
Bündnis „Görli Zaunfrei“ der taz. Damit wird bald auf zwei Wegen gegen den
Zaun geklagt. Denn auch der Bezirk befindet sich noch im Berufungsverfahren
dagegen, dass ihm der Senat im Zuge des Sicherheitsgipfels nach den
Silvester-Ausschreitungen 2023 die Zuständigkeit für den Görli entzogen
hat.
Bei der Klage der Anwohner:innen dürfte es um die Verhältnismäßigkeit
gehen: Inwiefern der Zweck, gegen Kriminalität vorzugehen, tatsächlich die
Umwege rechtfertigt, die die Kreuzberger:innen jetzt nachts auf sich
nehmen müssen, um den sehr lang gezogenen Park zu umgehen. Die Verordnung
erlaubt auch Klagen im Eilverfahren, um eine aufschiebende Wirkung zu
erreichen. Im Erfolgsfall würde der Park dann offenbleiben, bis das Gericht
im Grundsatz entschieden hat.
Fraglich scheint die Verhältnismäßigkeit auch, weil Anfragen der Linken
gezeigt hatten, [1][dass die meisten Straftaten nicht nachts, sondern
tagsüber – und vor allem in der Umgebung geschehen,] [2][nicht im Park
selbst]. „Eigentlich müssten sie den Park offenlassen und stattdessen den
ganzen Wrangelkiez abschließen“, sagt Kiefer und lacht kurz. Eigentlich
mache ihn das alles fassungslos, sagt er. „Hier wird eine rassistisch
aufgeladene, populistische Kampagne gefahren, anstatt sich um die Probleme
vor Ort zu kümmern.“
## Viele Fragen ungeklärt
Wie viel noch unklar ist, zeigt auch die mündliche Anfrage des
Bezirksverordneten Christian Specht (Grüne) am Mittwochabend in der
Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg. „Haben
die Leute mit einem Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl die Möglichkeit,
da durchzugehen?“, fragte er mit Blick auf die neuen Drehkreuze. Specht,
der selbst mit Rollator unterwegs ist, ist Behindertenaktivist und seit
November Bezirksverordneter für die Grünen. „Wenn wir mit Rollator in den
Park wollen und nicht reinkommen, dann sind wir ausgeschlossen“, sagt er.
„Es tut mir leid, dass wir zu vielen Fragen keine Antworten haben“,
antwortete Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne). Der Zaun sei im
Auftrag des Senats gebaut, gegen den Willen des Bezirks. „Es gibt die
großen Drehkreuze, die man ja schon sehen kann, und daneben gibt es noch
besonders große Tore mit Schiebetüren“, sagt sie. Durch diese großen Tore
sollte es allen möglich sein, den Park zu betreten oder zu verlassen. „Wer
mit Rollstuhl durch die Drehkreuze passt, oder ob man auch mit Fahrrad da
durchkommt, das können wir leider nicht beantworten“, sagte Herrmann.
Mitarbeit: Uta Schleiermacher
26 Feb 2026
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