# taz.de -- Epstein Files: Wenn ein Presseausweis wichtiger ist als die Opfer
       
       > Ein deutscher Presseausweis für Ghislaine Maxwell sorgt für Aufregung –
       > über die von Epstein ausgebeuteten Frauen und Mädchen wird deutlich
       > weniger gesprochen.
       
 (IMG) Bild: Amtliche deutsche Presseausweise: nur für hauptberufliche Journalist*innen bei entsprechendem Nachweis
       
       Die von der US-Justiz ins Netz gekippten [1][neuen Epstein-Akten haben es
       in sich]. Donald Trump kommt über 38.000-mal drin vor, was bislang aber mal
       wieder komplett an ihm abprallt. In Großbritannien ist weniger Teflon. Hier
       wackelt Premierminister Keir Starmer, weil er wusste, dass sein früherer
       Labour-Parteifreund Peter Mandelson viel tiefer und länger im Epstein-Sumpf
       steckt. Aber Starmer schickte ihn trotz dieses Wissens erst mal als
       britischen Botschafter an den Hof des Donald Trump.
       
       Deutsche Medien ergötzen sich derweil am bizarren Umstand, dass Epsteins
       einstige Freundin und Helferin [2][Ghislaine Maxwell] offenbar mal einen
       deutschen Presseausweis besaß. „Über solche Formalitäten echauffieren sie
       sich, aber nehmen das nicht zum Anlass, noch stärker auf die Opfer zu
       achten und ihnen eine Stimme zu geben“, sagte die Mitbewohnerin.
       
       Wobei auch das mit dem Ausweis ungenau ist. In den Akten ist ein Ausweis
       der International Federation of Journalists (IfJ), also eines
       internationalen Dachverbands aufgetaucht, auf dem als „Heimatverband“ von
       Maxwell die Deutsche Journalisten Union (DJU) bei Verdi genannt ist.
       
       Mit Presseausweisen kenne ich mich aus, ich bin ehrenamtlich Vorsitzender
       des Deutschen Journalistenverbands (DJV) für Berlin und Brandenburg. Wie
       die Kolleg*innen der DJU gibt auch der DJV den sogenannten
       bundeseinheitlichen Presseausweis aus. Bundeseinheitlich heißt das Ding,
       weil es den Segen von Presserat und Bundesinnenministerkonferenz hat.
       Bekommen können ihn deshalb auch nur hauptberufliche Journalist*innen
       bei entsprechendem Nachweis. Allerdings ist das erst seit 2018 wieder so.
       Zuvor gab es den hochwertigeren Ausweis.
       
       ## Ausweis nicht mal unterschrieben
       
       Genau in diese Zeit fällt die IFJ-Karte von Ghislaine Maxwell, die laut den
       zirkulierenden Bildern eine Laufzeit bis zum 15. 9. 2017 hatte und die
       nicht mal von Maxwell unterschrieben zu sein scheint. Da die
       internationalen Ausweise zwei Jahre gelten, muss ihn Maxwell also im Herbst
       2015 beantragt haben. Nun ist die IFJ eh so eine Sache. Der DJV ist dort
       2023 nach langen Diskussionen ausgetreten, die Gründe waren mit
       „Intransparenz, einsamen Entscheidungen der IFJ-Spitze und undemokratischem
       Verhalten“ nicht von Pappe.
       
       Gegen Maxwell selbst liefen schon seit 2015 Ermittlungen der US-Justiz.
       Damals tauchte sie so gut ab, dass ihr Gerichtsdokumente nicht zugestellt
       werden konnten und niemand wusste, wo sie war. Sich jetzt darüber zu
       mokieren, dass dafür ausgerechnet der Presseausweis ankam, ist billig.
       
       Und leider genau das Muster, das immer noch viel zu oft bei der
       Berichterstattung über sexualisierten Machtmissbrauch vorkommt. Die Frage,
       wo der Presseausweis herkommt und wie echt er ist, bringt rein gar nichts.
       Sorgt aber dafür, dass die Geschichten der wirklich Betroffenen, also der
       von Epstein und Maxwell [3][ausgebeuteten Frauen und Mädchen nach hinten
       rutschen.]
       
       9 Feb 2026
       
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 (DIR) Steffen Grimberg
       
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