# taz.de -- Wahlen in Bangladesch: Aufbruch mit Widersprüchen
       
       > Bangladesch wählt ein neues Parlament – doch zwischen Protestbewegung,
       > neuen politischen Bündnissen und alten Machtstrukturen bleibt der Wandel
       > fragil.
       
 (IMG) Bild: Umama Fatema, frühere Sprecherin der Protestbewegung von 2024 auf dem Gelände des Revolutionsmuseum
       
       Die jüngste Geschichte Bangladeschs ist in der Hauptstadt Dhaka
       allgegenwärtig: Graffiti und meterlange Wandmalereien erinnern an Aufstand
       und Repression. Sie rücken Frauen in den Mittelpunkt, die sich
       Sicherheitskräften entgegenstellten, Parolen riefen und den Widerstand
       organisierten. Sie prägten den Umbruch, der am 5. August 2024 im Sturz von
       Sheikh Hasina mündete, die das Land jahrelang autoritär regiert hatte. Seit
       Kurzem [1][ergänzt ein Revolutionsmuseum] diese Erzählung.
       
       Das Museum markiert den politischen Bruch, der die Parlamentswahlen am 12.
       Februar 2026 möglich machte. Bangladesch kann nun über seine Zukunft
       entscheiden, doch der Übergang zur Demokratie ist fragil. Parallel zur Wahl
       findet ein [2][Verfassungsreferendum] statt, das eine erneute
       Machtkonzentration verhindern soll, in dem ein Zweikammerparlament
       eingeführt und etwa die Amtszeit des Regierenden auf zehn Jahre begrenzt
       werden soll.
       
       Umama Fatema erinnert sich an das Ende der langen Regierungszeit von
       Hasina, das mit einer Massenbewegung begann, die von Studierenden ausging.
       Zunächst an öffentlichen Universitäten, dann an privaten Hochschulen und
       nach dem 17. Juli 2024 schließlich im ganzen Land und über weite
       Bevölkerungsschichten hinaus. „Es war extrem chaotisch, aber in diesem
       Moment fühlte es sich schön an.“ Ihre Stimme klingt aufgeregt und
       nachdenklich zugleich.
       
       Die Biochemiestudentin wurde zu einem Gesicht der Proteste. Als Sprecherin
       von Students Against Discrimination verteidigte sie die Idee des Aufstands:
       eine breite Mobilisierung von unten. Hasinas Tage als Premierministerin
       waren gezählt, nachdem Sicherheitskräfte brutal gegen Demonstrierende
       vorgegangen waren und sie den Rückhalt des Militärs verloren hatte. Sie
       floh nach Indien, wo sie bis heute ist. Während der Proteste starben
       Schätzungen zufolge rund 1.400 Menschen.
       
       Unter der fast 16-jährigen Regierungszeit ihres Regimes, so dokumentiert es
       das Museum, kamen insgesamt mehr als 4.200 Menschen ums Leben: bei
       außergerichtlichen Tötungen, Verschleppung und Todesfällen in Haft nach
       Folter. In diesem Zeitraum ereigneten sich auch schwerwiegende Vorfälle wie
       das Massaker der Bangladesh Rifles 2009 und die Ereignisse vom 5. Mai 2013
       in Shapla Chattar.
       
       An Hasinas früherer Residenz, dem Gana Bhaban (Haus des Volkes), erinnert
       heute das July Revolution Memorial Museum an all das und grüne Hügel vor
       dem Bau an die Toten. Das Gebäude nördlich des Parlaments wurde
       umgewandelt. Noch ist es nicht vollständig geöffnet, doch es markiert
       bereits einen Neuanfang. „Es ist überwältigend zu sehen, wie die Geschichte
       hier bewahrt wird“, sagt Umama bei ihrem ersten Besuch der taz. Slogans
       sind an den Wänden erhalten geblieben, Frauen als Statuen und auf
       Fotografien verewigt. Auf einem Bild ist auch sie zu sehen, mitten im
       Gedränge. Der Ort sei vor allem für kommende Generationen wichtig.
       
       Dass Bangladesch nun wählt, bedeutet nicht, dass der Umbruch abgeschlossen
       ist. Der schwierigste Teil steht noch bevor: die Bildung einer stabilen
       Regierung. Rund 127 Millionen Menschen sind wahlberechtigt, davon 44
       Prozent jünger als 38 Jahre.
       
       300 Abgeordnete werden direkt gewählt, 50 weitere Sitze sind Frauen
       vorbehalten. [3][Internationale Wahlbeobachter:innen] begleiten den
       Urnengang, der zu den ersten weitgehend fairen Wahlen seit 2008 zählen
       könnte – sofern der Ausschluss der Awami Liga außer Acht bleibt und es
       nicht zu Manipulationen in den Wahllokalen kommt. Unterdessen bleibt die
       Sicherheitslage angespannt. Die Nichtregierungsorganisation International
       Crisis Group sieht eine Gefahr von Angriffen auf Kandidaten sowie
       Vergeltungsmaßnahmen gegen Anhänger von Sheikh Hasinas Awami Liga und
       Personen aus der hinduistischen Minderheit. Zuletzt wurden [4][zwei Hindus]
       in Bangladesch getötet.
       
       ## Reisähre gegen Waage
       
       Sheikh Hasinas Partei Awami Liga wurde von den Wahlen ausgeschlossen. Der
       politische Rahmen bleibt eng. Der BNP-Vorsitzende Tarique Rahman gilt als
       Spitzenanwärter für das Amt des Premierministers. Den Wahlkampf dominieren
       zwei Lager: die Allianz um die etablierte Bangladesh Nationalist Party
       (BNP) mit dem Symbol der Reisähre und das Bündnis der islamistischen
       Jamaat-e-Islami mit einer Waage. Letztere tritt gemeinsam mit der aus der
       Studierendenbewegung hervorgegangenen National Citizen Party (NCP) an.
       
       Der Zusammenschluss sei eine strategische, keine ideologische Entscheidung,
       heißt es vonseiten der noch jungen Partei. Zwar haben sich die politischen
       Freiräume erweitert, doch konservative Positionen gewinnen zunehmend an
       Einfluss. Das könnte die freie Meinungsäußerung zu sensiblen Themen wie
       Religion einschränken – nicht zuletzt aus Angst vor Mobgewalt. Auch unter
       Medienschaffenden hat die Selbstzensur spürbar zugenommen
       
       Tawfique Haque, Professor an der North South University in Dhaka beschreibt
       den Wahlausgang nach Jahren ohne glaubwürdige Urnengänge „als
       unvorhersehbar“. „Viele hoffen auf eine stabile fünfjährige
       Regierungszeit.“ Bei einem knappen Ergebnis oder umstrittenen Auszählungen
       schließt er erneute Unruhen nicht aus. Was jedoch feststeht: In der Politik
       werde der Islam künftig eine größere Rolle spielen als unter der Awami
       Liga. Haque geht davon aus, dass die Jamaat-e-Islami die AKP von Recep
       Tayyip Erdoğan als Vorbild für eine konservative, islamisch orientierte
       Partei nimmt, die jedoch nach Inklusivität und guten Beziehungen zu den
       westlichen Mächten strebe.
       
       Die Wahl ist in diesem Jahr noch männlicher geprägt. Von rund 2.000
       Kandidierenden ist eine Person des dritten Geschlechts und etwa 80 sind
       Frauen. Damit ist der Anteil von 2024, als 101 Frauen kandidierten, von
       fünf auf vier Prozent gefallen. Eine der Kandidatinnen ist Dilshana Parul.
       Bis zur Kampagnensperre, zwei Tage vor der Wahl, zieht sie durch die
       staubigen Straßen von Savar-Ashulia, einem industriellen Wahlkreis
       nordwestlich von Dhaka. Vor Ort entscheidet sich, ob der Umbruch auch an
       der Wahlurne ankommt. Parul kandidiert für die NCP, die für diese Wahl eine
       Allianz mit der islamistischen Jamaat-e-Islami eingegangen ist. Die
       Verbindung ist sichtbar: Sie trägt einen Sari und eine schwarz-weiße
       Kufija, auch bekannt als „Palästinensertuch“, als Kopftuch; früher trat sie
       ohne Kopfbedeckung auf.
       
       Ein kleiner Tross aus Autos und Rikschas begleitet sie mit Hupen.
       Textilfabriken prägen die Gegend, der beißende Geruch der nahen gelegenen
       Mülldeponie liegt in der Luft. Parul wuchs in Savar auf. Sie studierte
       Statistik an der Jahangirnagar University und arbeitete später in
       Nichtregierungsorganisationen. 2017 zog sie nach Australien, gründete ein
       Unternehmen. Nach der Juli-Revolution kehrte sie zurück, erzählt sie,
       während kleine Kinder aufgeregt hinter ihr und Männern, die Pamphlete
       verteilen, hinterherlaufen.
       
       „Ich will für die hart arbeitenden Menschen eintreten“, lautet ihr Motto.
       Ihre Stimme ist heiser vom Wahlkampf. Ihre politische Prägung stammt aus
       der linken Studentenpolitik, daher irritiert die Allianz mit Jamaat manche.
       Ende Januar überreichte Jamaat-Chef Shafiqur Rahman Parul das Wahlsymbol
       der NCP: die Seerosenknospe auf Bangla „Shapla Koli“, ein Begriff, der auf
       der Rally immer wieder laut gerufen wird.
       
       Doch das Machtgefälle ist gesetzt: Jamaat zielt landesweit auf 179 Sitze,
       die NCP auf 30 – in diesen sollen keine Jamaat-Kandidaten antreten, was der
       NCP einen Vorteil verschafft. Parul versucht, sich als eigenständige
       Kandidatin zu behaupten. In der NCP hat sie landesweit nur eine weitere
       weibliche Mitkandidatin, Nabila Tasnid im Wahlkreis Dhaka-20.
       
       Parul wirbt mit Nähe. „Ich bin von hier“, sagt sie. Politik sei
       Verantwortung. Ein Ladenbesitzer nickt. „Sie ist eine ehrliche Frau. Wir
       wollen keine korrupten Eliten mehr“, sagt Tufan. „Alle wollen Veränderung.
       Sie gehört zu diesem neuen Team Bangladeschs.“ Die Menschen, auf die sie
       zugeht, hören ihr zu. Mit einer Gruppe älterer Männer zieht sie sich zu
       einem privaten Gespräch auf ein Glas Schwarztee zurück und hofft, Zweifeln
       zuvorzukommen.
       
       Inhaltlich setzt sie auf lokale Themen: Erpressung und Drogenmissbrauch,
       die Regulierung der Mülldeponie, sauberere Flüsse. Für Frauen fordert sie
       staatlich finanzierte Mutterschaftsleistungen und ein Krankenhaus für
       Arbeiterinnen. Doch der Wahlkampf zehrt. „Ich war nicht auf den Umfang
       vorbereitet“, sagt Parul. Auch finanziell sei es schwierig in einem
       Wahlkreis mit fast 800.000 Wahlberechtigten.
       
       Die Erschöpfung der letzten Tage sieht man ihr an. „Männer wissen besser,
       wie man dieses System navigiert“, sagt Parul. Netzwerke, Geld, Zugang – all
       das fehle Frauen oft. Ohne Reformen der Wahlfinanzierung bleibe Politik für
       die Mittelschicht schwer zugänglich. „Kandidieren ist möglich. Gewinnen ist
       eine andere Frage.“ Für ihre Kampagne ist sie auf Spenden und Freiwillige
       angewiesen, darunter auch Männer in traditionell muslimischer Kleidung, die
       sie begleiten. Antifeministische Anfeindungen habe sie im direkten Kontakt
       kaum erlebt, sagt Parul. In Savar treffe sie auf Menschen, die neuen
       Gesichtern eine Chance geben, solange diese Verbindlichkeit zeigen.
       
       Ihre Familie lebt weiterhin in Australien. Parul plant zu pendeln. „Am Ende
       wird meine politische Laufbahn entscheiden, wo ich bleibe“, sagt sie.
       Während sie von Haus zu Haus, von Laden zu Laden läuft, wechseln sich Musik
       und Lautsprecheransagen ab. Der Lärm der Hauptstraße ist hier weit weg,
       ihre Botschaft nahbar. Veränderung beginne, sagt Parul, wenn jemand bleibt
       und sich dem System stellt. Das verspricht sie ihren Wähler:innen.
       
       ## Konservatives Erstarken
       
       Der Aufstieg religiös-konservativer Kräfte prägt auch die Wahlen. Die
       islamistische Partei Jamaat-e-Islami nahm zuletzt 2008 an Wahlen teil. Sie
       wurde unter Hasina stark [5][unterdrückt]. „Die Partei kann sich heute als
       Opfer der Diktatur inszenieren, obwohl sie historisch selbst Teil
       autoritärer Gewalt war“, sagt Politikwissenschaftlerin Jasmin Lorch am
       Institute of Development and Sustainability (Idos).
       
       Islamistische Strömungen gefährdeten den Demokratisierungsprozess, sagt sie
       der taz. Ältere Wähler erinnern sich daran, dass Jamaat Pakistan während
       des Unabhängigkeitskrieges unterstützte. Zugleich zeigt sich Jamaat
       reformiert und verspricht, Frauen einzubinden – trotz früherer
       frauenfeindlicher Aussagen, wonach [6][Frauen] für Führungspositionen nicht
       geeignet seien. Im Parlament hatte die Partei bislang nie eine starke
       Präsenz. Das soll sich ändern.
       
       Ihr von männlichen Studierenden geprägter Flügel Islami Chhatra Shibir
       zeigt den Aufschwung, den die Partei gerade erlebt: Bei Studierendenwahlen
       an öffentlichen Universitäten wie der Dhaka University war er erfolgreich.
       „Was die Menschen im Moment am meisten wollen, ist Sicherheit“, sagt die
       18-jährige Schülerin Sumaya Sabrin – unabhängig davon, welche Partei sie
       garantiere.
       
       Ihr Verhältnis zur Jamaat-e-Islami bleibt ambivalent, wie bei vielen jungen
       Menschen: Als nationale politische Kraft ist Jamaat für sie keine erste
       Wahl, Religion sei Privatsache. Der Jamaat-nahen Studierendengruppe steht
       sie dennoch offen gegenüber, seit es dort aus ihrer Sicht sicherer geworden
       ist.
       
       ## Eingeschränkte politische Räume für Frauen
       
       An Privatuniversitäten wie der North South University in Dhaka gibt es
       keine Studierendenwahlen. Doch auch hier zeigt sich, wie tief die
       [7][Proteste ins Land hineinwirken] und wo ihre Grenzen liegen. Die
       21-jährige Nafsin Mehanaz Azireen studiert an der privaten North South
       University und ist seit der Proteste 2024 politisch aktiv. Auslöser war
       eine Mischung aus Solidarität und Frustration. „Unter Sheikh Hasina konnten
       wir uns nicht frei äußern“, sagt sie. Der Juli-Aufstand sei für viele ein
       moralisches Erwachen gewesen, der Moment, in dem es darum ging,
       demokratische Rechte zu verteidigen, zu viel hatten sie über die Jahre
       zurückgesteckt.
       
       Dass Frauen politisch dennoch kaum sichtbar sind, führt Azireen nicht auf
       fehlende Möglichkeiten zurück. Es gebe eine Frauenquote, sagt sie. Doch das
       ändere wenig an den realen Hürden. Frauen stünden unter massivem Druck,
       besonders im Internet. „Ich bekomme Vergewaltigungs- und Morddrohungen“,
       sagt sie, da sie öffentlich politisch Stellung bezieht.
       
       Die Anfeindungen treffen sie vor allem in den sozialen Medien, etwa in den
       Kommentarspalten unter ihren Facebook-Posts, wenn sie über Politik,
       Proteste oder Frauenrechte schreibt. Azireen sagt, sie habe gelernt, damit
       umzugehen. Für viele andere Frauen sei das jedoch ein Grund, sich
       zurückzuziehen. Der soziale Druck sei enorm, auch aus den eigenen Familien
       heraus. „Viele wollen etwas verändern, aber sie sehen diese Schwierigkeiten
       und verlieren den Mut“, sagt sie.
       
       Auch Frauen mit langer politischer Erfahrung stoßen an Grenzen. Mahmuda
       Habiba wollte für das Parlament kandidieren, erhielt aber keine
       Nominierung. Unter den zahlreichen Direktkandidaten ihrer Partei BNP sind
       lediglich zehn Frauen. „Das ist ein strukturelles Problem“, sagt sie. Nicht
       nur Parteien, auch die Übergangsregierung habe Chancen verpasst, Frauen
       besser einzubinden.
       
       Zwar haben mit Sheikh Hasina und ihrer BNP-Rivalin [8][Khaleda Zia] zwei
       Frauen über Jahrzehnte hinweg die Politik des Landes geprägt – Hasina im
       politischen Erbe ihres Vaters, Staatsgründer Sheikh Mujibur Rahman, Zia im
       Vermächtnis ihres Mannes, Präsident und BNP-Gründer Ziaur Rahman. Doch
       Macht allein habe Frauen nicht automatisch gestärkt, betont Habiba. Hasina
       sei zuletzt nicht als Frau, sondern als autoritäre Machthaberin
       wahrgenommen worden. Entscheidend sei, ob Frauen an der Spitze ihre
       Position für strukturelle Förderung nutzten, was Hasina versäumt habe.
       
       Nachdem Habiba keinen direkten Listenplatz erhalten hatte, sei sie auf die
       Frauenquote verwiesen worden. „Wir brauchen Frauen, die gewählt werden –
       nicht per Quote ausgewählt werden“, sagt sie. Reservierte Sitze im
       Parlament seien kein Ersatz für politische Teilhabe. Das zeige sich auch in
       der Kandidatenstruktur: Viele BNP-Kandidaten sind Geschäftsmänner, oft über
       60 Jahre alt und akademisch ausgebildet.
       
       Ihre Partei beschreibt Habiba im Gegensatz zur neuen Konkurrentin Jamaat
       als moderat. Persönliche Lebensentscheidungen seien Privatsache. Zugleich
       räumt sie ein, dass die BNP unter urbanen Studierenden und jungen
       Wähler:innen noch mehr Rückhalt haben könnte. Man habe aber „landesweit
       eine starke Jugend- und Studierendenorganisation“. Die BNP setzt in ihrem
       Wahlmanifest auch auf eine starke Klima- und Umweltagenda.
       
       Habiba unterstützt ihre Parteigenossin Sanjida Islam Tuli. Sie ist
       Koordinatorin einer Gruppe, die von Angehörigen gewaltsam Verschwundener
       unter der Hasina-Regierung. Besonders betroffen davon sind Angehörige und
       Mitglieder von BNP und Jamaat-e-Islami. Auch sie und ihr Mann wurden einmal
       entführt, sagt Habiba. „Dieses Gefühl lässt einen nie wieder los.“ Erst
       nach dem politischen Umbruch habe sich das geändert. Was das Land jetzt
       brauche, sei mehr als eine neue Regierung: eine starke Opposition, eine
       aktive Zivilgesellschaft, freie Medien und eine unabhängige Justiz.
       
       Vor allem Stabilität tut Not: Hohe Jugendarbeitslosigkeit, fehlende
       Investitionen im Textilsektor und wirtschaftliche Unsicherheit setzen
       Bangladesch unter Druck. Umama Fatema blickt deshalb besorgt auf die
       Wahlen. „Ich bin nicht wirklich glücklich“, sagt sie und fürchtet, dass
       sich alte Machtmuster wiederholen könnten – diesmal mit der BNP an der
       Macht. Während Übergangspremier Yunus die Abstimmung als „Geburtstag eines
       neuen Bangladeschs“ bezeichnet, bleibt Umama skeptisch: „Ich versuche,
       positiv zu sein.“
       
       Die Erwartungen an tiefgreifende Veränderungen wurden bislang kaum erfüllt.
       Die Übergangsregierung blieb bei zentralen Reformen hinter den Erwartungen
       zurück. Doch nach langen Jahren autoritärer Herrschaft sind staatliche
       Institutionen von Loyalitäten, Angst und Korruption durchzogen. „Am Ende
       müssen wir durch diesen institutionellen Prozess gehen“, sagt sie.
       
       Auf dem Museumsgelände bleibt Umama in ihrem Salwar Kameez vor einem Bau
       mit rekonstruierten Gefängniszellen stehen. Der Ort soll Gewalt gegen
       politische Aktivist:innen aufarbeiten – Erinnerung sei Voraussetzung
       für die politische Zukunft. Sie engagiert sich weiter, gehört jedoch keiner
       Partei an, unterstützt einzelne Kandidat:innen wie die Fotografin
       Taslima Akhter, hält aber Abstand zu Parteistrukturen. Stattdessen
       konzentriert sie sich auf den Abschluss ihres Studiums, um später ihr Land
       voranzubringen.
       
       Das Museum, die Wandmalereien, die Wahlen – all das ist ein Anfang. Ob
       Bangladesch den Bruch mit der Vergangenheit wirklich schafft, wird sich
       nicht allein am Wahltag entscheiden. Sondern daran, ob jene sichtbar
       bleiben, die den Umbruch getragen haben – auch dann, wenn sie nicht auf den
       Wahllisten stehen. Unterdessen wird der Kampf an der Wahlurne um das
       höchste Amt von zwei Männern ausgetragen: dem 60-jährigen Tarique Rahman,
       dem Sohn der ehemaligen BNP-Premierministerin und dem 67-jährigen
       Jamaat-Parteichef Shafiqur Rahman.
       
       11 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://timesofindia.indiatimes.com/videos/news/not-to-get-involved-in-political-game-eu-launches-mission-for-bangladesh-2026-polls/videoshow/128166291.cms
 (DIR) [4] https://timesofindia.indiatimes.com/videos/news/days-before-bangladesh-elections-another-hindu-businessman-killed-fears-rise-over-minority-safety/videoshow/128164819.cms
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