# taz.de -- Hoffnung nach Wahlen in Bangladesch: Nationalisten sichern sich Zweidrittelmehrheit
> Die Bangladesh Nationalist Party gewinnt die Parlamentswahl deutlich,
> Parteichef Rahman gilt als künftiger Premier. Die Hoffnungen in ihn sind
> groß.
(IMG) Bild: Viele Minderheiten und Frauen aus der Mittelschicht haben wohl strategisch BNP gewählt
Am Donnerstag strahlte BNP-Parteichef Tarique Rahman nach der Abgabe seiner
Stimme bereits wie ein Gewinner. Einen Tag später steht fest: Er ist der
neue designierte Premierminister Bangladeschs. „Ich bin dankbar für die
Liebe, die ihr mir entgegengebracht habt“, sagte er am Freitag. Er wolle
ein neues Bangladesch aufbauen.
Noch vor Abschluss der Auszählung feierten seine Anhänger. Für sie war
klar, dass die mitte-rechts orientierte Bangladesh Nationalist Party (BNP)
als stärkste Kraft [1][aus den Parlamentswahlen] hervorgehen würde. Der
60-Jährige galt im Vorfeld als Favorit, das Amt zu übernehmen, das seine
Mutter [2][Khaleda Zia] zweimal innehatte.
Der Wahlkampf wurde von zwei Lagern dominiert: Der etablierten BNP und
Verbündeten sowie einem Bündnis aus der islamistischen Jamaat-e-Islami und
der aus der Studierendenbewegung hervorgegangenen National Citizen Party
(NCP). Laut Wahlkommission gewann die BNP-Allianz mindestens 212 der 300
Sitze.
Das von Jamaat geführte Bündnis kam auf 77 Mandate, sechs davon gingen an
die NCP. Die Gewinner von drei von 300 Sitzen wurden am Freitagnachmittag
(Ortszeit) noch ermittelt. 50 weitere für Frauen reservierte Sitze werden
später proportional vergeben. Der Urnengang blieb trotz einzelner
Zwischenfälle und eines bestätigten Todesfalls weitgehend friedlich.
Abgestimmt wurde außerdem über die Erstellung einer neuen Verfassung. Die
Wahlbeteiligung bei Parlamentswahl und Verfassungsreferendum lag bei rund
60 Prozent. Das Referendum wurde mit 65,5 Prozent Zustimmung angenommen.
Innerhalb von 180 Tagen soll nun eine verfassungsgebende Versammlung die
von der Übergangsregierung ausgearbeiteten Reformen beschließen.
Übergangschef Muhammad Yunus hatte dafür geworben und eine friedliche
Machtübergabe zugesagt.
## Rahman wird westlich orientierter Kurs nachgesagt
„Die Wahl zeigt, dass Jamaat und die islamischen Kräfte insgesamt an
Einfluss gewonnen haben“, sagte Tawfique Haque von der North South
University Dhaka der taz. Bangladesch werde dennoch eine moderate religiöse
Linie verfolgen. Auch das Abschneiden der NCP wertet er als Erfolg einer
neuen Partei.Dem neuen Premier Rahman wird ein stärkerer
westlich-orientierter Kurs nachgesagt. Seine Wahl gilt vielen urbanen,
gebildeten Wähler:innen als Erleichterung, auch mit Blick auf die
Reaktionen westlicher Staaten und der Nachbarländer.
Zugleich warnt die bangladeschische Rechts- und Politikanalystin Nowshin
Noor vor politischen Kontinuitäten: „Bangladesch hat eine lange Tradition
dynastischer Politik und stark zentralisierter Macht.“ Entsprechend
ausgeprägt seien die Vorbehalte vieler Studierender gegenüber der BNP.
Rahmans jüngster, inhaltlich fokussierter Wahlkampf und die Anerkennung
[3][der Kämpfe der Generation Z] seien jedoch positiv als Tonwechsel
wahrgenommen worden, sagt Noor.Felix Gerdes von der
Friedrich-Ebert-Stiftung in Dhaka spricht von einer gespaltenen Haltung
gegenüber der BNP. Sie verfüge weiterhin über enge Verbindungen zu
wirtschaftlichen Eliten, sagte Gerdes der taz. Viele Minderheiten und
Frauen aus der Mittelschicht hätten strategisch wohl BNP gewählt. Jamaat
wiederum habe für Teile der Bevölkerung eine positive Konnotation: weniger
Korruption, mehr Moral.
## Wenig Reformen in der Wirtschaft umgesetzt
Mit Blick auf die Wirtschaft zeigt sich Gerdes verhalten. Zwar habe es
zahlreiche Reformvorschläge gegeben, „umgesetzt worden ist aber wenig“. Es
gebe ein Festhalten an alten Strukturen, insbesondere an der
Bekleidungsindustrie, und kaum Schritte zum Aufbau neuer Sektoren und
Stellen mit höherer Qualifikation.
Politisch näherte sich Dhaka unter der Übergangsregierung Pakistan an,
während das Verhältnis zu Indien distanziert blieb. Spannungen entstanden
zudem, weil die gestürzte Premierministerin Sheikh Hasina und führende
Mitglieder ihrer Awami-Liga seit August 2024 in Indien Zuflucht gefunden
haben. Dennoch gehörten Indiens Premier Narendra Modi sowie die
US-Botschaft in Dhaka zu den ersten Gratulanten Rahmans. Die letzten
allgemein als frei geltenden Wahlen fanden 2008 statt. Anhänger der
Awami-Liga bestreiten die Fairness des aktuellen Urnengangs jedoch, da ihre
Partei ausgeschlossen war.
13 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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