# taz.de -- Parlamentswahl in Bangladesch: Rückkehr in die politische Normalität
       
       > In Bangladesch gewinnt die rechtskonservative BNP eine deutliche
       > Mehrheit. Auf sie warten große politische und wirtschaftliche
       > Herausforderungen.
       
 (IMG) Bild: Mit deutlicher Mehrheit gewählt: Tarique Rahman, der Vorsitzende der Bangladesh Nationalist Party (BNP)
       
       Bangladesch wird nicht von Islamisten regiert werden, das steht nach der
       Parlamentswahl fest. Die jahrzehntelange Selbstverständlichkeit, dass der
       politische Islam in Bangladeschs Politik in einer deutlichen Minderheit
       bleibt, war in den Monaten vor der Wahl ins Wanken geraten, als die
       Islamisten ihren Einfluss ausbauten. Mit [1][den Wahlen] am Donnerstag
       kehrt Bangladesch nach dem gewaltsamen Sturz der letzten autoritären
       Regierung und anderthalb Jahren Übergangsregierung in die politische
       Normalität zurück.
       
       Der Sieg der rechtskonservativen BNP bestätigt dabei eine zweite alte
       Selbstverständlichkeit: Seit Anfang der 90er Jahre wechseln sich Awami-Liga
       und BNP an der Regierung Bangladeschs ab. Jede faire Wahl hat bisher einen
       solchen Politikwechsel mit sich gebracht, zuletzt 2008, als – nach einer
       Wahlfarce der BNP und einer Militärintervention – die Awami-Liga gewählt
       wurde.
       
       Erwartbar wäre nun eine dritte Selbstverständlichkeit bangladeschischer
       Politik: ein politischer Rachefeldzug der neuen Regierungspartei gegen die
       alte und das Auffüllen der in der Oppositionszeit ausgetrockneten Konten.
       Damit war die Awami-Liga nach 2008 so erfolgreich, dass sie sich bis 2024
       an der Macht halten konnte. In der BNP, der zuletzt fast jegliche
       politische Aktivität verunmöglicht wurde und deren Mitglieder zahlreich von
       Sicherheitsbehörden verschleppt wurden, dürfte der Wunsch nach Rache groß
       sein.
       
       BNP-Parteichef Tarique Rahman, der demnächst zum Premierminister gewählt
       werden dürfte, gab sich [2][vor der Wahl in Interviews gemildert] und
       kritisierte sogar den Wahlausschluss des Erzfeindes Awami-Liga indirekt. Er
       wolle Bangladesch neu ausrichten, sagte er. Vielleicht hat er von dem
       Schicksal der Awami-Liga gelernt und weiß, dass es wenig Geduld für ein
       autoritäres und korruptes Weiter-So geben wird. Ein zweiter Regierungssturz
       wäre für die jungen Leute, die 2024 auf der Straße waren, nicht undenkbar.
       
       Die Herausforderungen für die neue Regierung sind groß. Die Proteste im
       Jahr 2024 sind auf die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit zurückzuführen,
       gerade für junge Menschen, die bei dieser Wahl fast die Hälfte der
       Wähler*innen ausmachten. Nach jahrelanger politischer Einflussnahme sind
       auch die meisten öffentlichen Institutionen reformbedürftig. Die
       Übergangsregierung unter Nobelpreisträger Muhammad Yunus, in [3][die viele
       ihre Hoffnung gesetzt hatten], hat dabei wenig geliefert. Wird das der BNP
       gelingen? Wenn nicht, werden viele Parteikader doch lieber sich selbst
       versorgen.
       
       13 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://timesofindia.indiatimes.com/videos/news/not-to-get-involved-in-political-game-eu-launches-mission-for-bangladesh-2026-polls/videoshow/128166291.cms
 (DIR) [2] https://time.com/7358216/bangladesh-elections-tarique-rahman-profile/
 (DIR) [3] /Wahlen-in-Bangladesch/!6153648
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lalon Sander
       
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