# taz.de -- Bangladeschs neuer Premier: „Der verlorene Sohn“ ist zurück
> Bangladeschs neuer Premierminister Tarique Rahman, aus dem britischen
> Exil zurück, verspricht „politische Freiheit“. Wird er das einhalten?
(IMG) Bild: Der Vorsitzende der Bangladesh Nationalist Party, Tarique Rahman, nach seinem Wahlsieg
Bis zuletzt war unklar, ob sich Tarique Rahman durchsetzen würde. Der
„verlorene Sohn“ kehrte erst wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in
Bangladesch aus Großbritannien in seine Heimat zurück. Nach seinem Wahlsieg
sagte er: „Die Menschen dieses Landes haben der BNP den Sieg beschert,
Alhamdulillah (‚Lob sei Gott‘). Dieser Sieg gehört Bangladesch, dieser Sieg
gehört der Demokratie, dieser Sieg gehört jenen, die nach Demokratie
streben und dafür Opfer gebracht haben.“ Rahman kündigte eine neue Ära
politischer Freiheit an.
Rahman gewann seinen Sitz in Dhaka-17 und im Wahlkreis Bogura-6 mit
deutlichem Vorsprung. In Bogura begann 1988 seine politische Laufbahn im
lokalen Ableger der BNP. Drei Jahre später trat seine Mutter ihre erste
Amtszeit (1991 bis 1996) als Premierministerin an. Sein Vater, der
Militärführer Ziaur Rahman, regierte von 1977 bis 1981 als Präsident, bis
er bei einem Putschversuch ermordet wurde.
Der 60-Jährige hat bewiesen, dass er auch während seines 17-jährigen Exils
den Parteikader und die Wählerschaft mobilisieren kann. Der Wahlsong seiner
rechtskonservativen Bangladesh Nationalist Party (BNP) traf den Ton:
„Diesmal gewinnt Dhaneer Sheesh.“ Damit gemeint ist das Symbol der Partei,
die Reisähre. Bei den Wahlen am 12. Februar sicherte sich die BNP 209 von
300 Sitzen im Parlament. Islamische Parteien gewannen insgesamt 72 Sitze,
davon 68 die Jamaat-e-Islami, mit der die BNP von 2001 bis 2006 regierte.
Für Rahman sind Familie und Partei zugleich Stärke und Last. Die BNP, eine
der beiden großen Volksparteien, wechselt sich seit den 1990er Jahren mit
der Awami Liga von Sheikh Hasina an der Macht ab. Manche
Beobachter:innen sprechen von einer „[1][Rückkehr in die politische
Normalität]“. Viele sehen in der BNP deshalb auch eher Kontinuität als
einen Neuanfang nach Hasinas Sturz im August 2024.
## Berechenbarer als die islamistischen Kräfte
Dennoch gilt die BNP als berechenbarer als die offen islamistischen Kräfte.
Rahman führt nun das Erbe seiner Eltern fort und ist, abgesehen von
Interimschefs, der erste männliche Premierminister Bangladeschs seit über
drei Jahrzehnten.
Am Dienstag wird Rahman vereidigt, anschließend soll das Kabinett gebildet
werden. Seine Amtseinführung hat auch außenpolitische Bedeutung und ist ein
mögliches Signal dahingehend, welche Akzente er setzen wird: Vertreter aus
Indien, China, Pakistan, Großbritannien und den Golfstaaten sind
eingeladen. Die USA dagegen fehlen.
Tarique Rahman steht für einen moderaten politischen Kurs, dennoch dürften
religiöse Kräfte in seiner Regierung einen größeren Einfluss erhalten.
Gleichzeitig belasten Vorwürfe von Korruption und Gewalt seine Karriere. Ob
er Reformen umsetzt oder alte Machtstrukturen zementiert, bleibt offen.
Seine Tochter Zaima Rahman unterstützte ihn im Wahlkampf in Dhaka.
## Große politische und wirtschaftliche Herausforderungen
Die Wahlen waren die ersten weitgehend freien seit 2008 – allerdings war
die Awami Liga nicht zugelassen. Hauptkonkurrent war somit Jamaat-Chef
Shafiqur Rahman. Rahmans inhaltlich fokussierter Wahlkampf und sein
Eingehen auf die Anliegen der [2][Generation Z] fanden auch bei einem Teil
der jungen Wähler:innen Anklang. Doch die Herausforderungen sind groß:
politisch wie wirtschaftlich.
Zunächst wird eine verfassungsgebende Versammlung sechs Monate lang die
Reformen der Interimsregierung beschließen. Danach dürfte der Druck
steigen, dass sich diese Reformen dann auch auszahlen, insbesondere in
wirtschaftlicher Stabilität.
16 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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